Hensel´s Sonntagsmatinée: die Erfindung der Fliegenden Untertassen – Teil VI

von Hans-Peter Schröder

Waffen sind Geräte des Unheils

und nimmer Geräte für den Weisen.

Wird er gezwungen, so gebraucht er sie,

doch sind ihm Ruhe und Frieden das Höchste.

 

Nicht freuen kann ihn errungener Sieg,

denn Frohsinn wär` Freude am Mord.

Wer Freude hat am Morden,

kann sein Ziel nicht erreichen.“

Laotse: Tao Te King

 

Der Prospektor Fred Jonson behauptet, die „rund und auch ovalen“, lautlosen Objekte mit Schwanz, über den Cascadebergen, hätten ihm, bevor er sie in der Luft entdeckte, die Nadel seiner Kompassuhr in Bewegung versetzt, siehe Bonusmaterial im Teil V. Er sprach von nach links und nach rechts ausschwingender Bewegung der Nadel, was etwas anderes ist, als eine einseitige Ablenkung.

Ein elektromagnetisches Feld mit rythmisch pulsierender Feldstärke passt zu Arnolds Schilderung der Flugbewegung. Was sagt Fred Jonson noch: Die Maschinen seien zum Zeitpunkt ihres Verschwindens hochkant geflogen. Und er hätte ein „Etwas“ auf der ansonsten glatten Vorderseite bemerkt und daß der „Schwanz“ eine pendelförmige Bewegung ausführte, wie eine ausschwingende Kompaßnadel. Soweit der zweite Zeuge. Soweit der 24. Juni 1947.

Was geblieben ist von den Träumen mit Flügeln

Laut Reimar Horten gingen die amerikanischen Befreier in der französisch befreiten französisch besetzten Zone französisch einkaufen und brachten von der Tour zwei intakte HO 229-V3 mit. Das Foto der Verladung des Mittelteiles darf als allgemein bekannt vorausgesetzt werden.

Doch wo ist die HO 229-V3 geblieben?

Seit 60 Jahren wartet sie, unrestauriert, in der Paul E. Garber Preservation, restoration, and Storage Facility in Suitland, einer Aussenstelle des Smithsonian National Air & Space Museums, „where the National Air and Space Museum preserves and stores aircraft, spacecraft, and other artifacts, and restores these artifacts to represent a specific period in their history.“ http://airandspace.si.edu/garber/. Dort wartet sie. Auf ihren Heimflug.

Douglas Bullard war vor einigen Jahren so freundlich mir die Reproduktion einiger Fotos zu gestatten. Leider ist es, trotz mehrmaliger Versuche, nicht gelungen, erneut Kontakt zu ihm herzustellen. Seine Internetseite zählt zu den Besten und birgt ein umfassendes Kompendium über Nurflügelkonstruktionen. Aktuell sind die Hinweise zum Projekt ´The Horten 3000`.

Von seiner Seite http://www.nurflugel.com/Nurflugel/nurflugel.html stammen die Fotos aus der Paul E. Garber Storage Facility, aufgenommen anlässlich eines Besuches im Juli 1997. Seit 2003 finden dort keine öffentlichen Führungen mehr statt. Ich hoffe sehr, daß Douglas mir die Wiedergabe des mittlerweile historischen Materiales nicht übel nimmt. Vielen Dank. http://www.nurflugel.com/Nurflugel/NASM/body_nasm.html

Zuerst die Zentralsektion, mit nachträglich angebrachten Hakenkreuzschmierereien, von denen ich mich schärfstens distanziere.

Vorderansicht

Hinterseite : „Still a beautiful plane after all these years

Rechtes Triebwerk, schwere Beschädigungen in der Umgebung

Schwere Beschädigungen der Schwanzspitze durch Wind und Wetter

*

Die sensationell gute Nachricht, nach all den Schlechten

Die Flügel der HO 229 sind vorhanden! Ganz rechts Mr. Douglas Trumbull

Der Tank im Flügel : „Quality workmanship“

*

Die schlechte Nachricht

Die Instrumentafel ist 1988 fast vollständig ausgeräumt, wie der Vergleich zeigt. Damit scheint die Restaurierung endgültig aufgegeben worden zu sein. Alles Fassade.

Das Foto stammt aus Hans-Peter Dambrowski, Deutsche Nurflügel bis 1945 – Die Motor – und Turbinenflugzeuge der Gebrüder Horten, Podzun-Pallas-Verlag GmbH. Meinen Dank an den Verlag, der mir auf Anfrage erklärte, daß die Abdruckerlaubnis vom Autor ausgehe, sie aber leider keinen Kontakt mehr zu ihm hätten. Herr Dambrowski bitte melden.

Leider konnte ich kein anderes Foto finden, das den inneren Zustand des Cockpits der HO 229 aufzeigt.

*

Das erste Raketenflugzeug der Welt, die Bachem „Natter“

Die Natter als Modell im Jonastalmuseum Arnstadt

Und als Kriegsbeute im Restaurierungsaussenlager des Smithsonian National Air & Space Museums, Foto http://www.nurflugel.com/Nurflugel/NASM/body_nasm.html

*

Das vorletzte Kapitel

Die Ho 229 V3 und die Bachem Ba 349 „Natter“ warten in Amerika auf ihren Heimflug nach Deutschland. Um die Überführung anzubahnen, wurde mit dem Smithsonian Kontakt aufgenommen. Neben praktischen Erwägungen, wie dem schlechten Zustand in dem sich die HO 229 V3 befindet und dem nachvollziehbaren Unwillen, oder der Unfähigkeit auf amerikanischer Seite, die Flugzeuge zu restaurieren, um sie auszustellen und damit ihrer erwiesenen Nutzlosigkeit in amerikanischen Händen, stehen moralische Erwägungen: Es handelt sich um Raubflugzeuge, um „Nationale Heiligtümer“, die in Deutschland gestohlen worden sind. Diebstähle dieser Art und in der Preisklasse verjähren nie.

Nach insgesamt drei unbeantwortet gebliebenen Emails, zwei direkt an Mrs. Claire Brown, die Direktorin der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit des Smithsonian National Air and Space Museums gerichtet (Kopien im Anhang*), wurde beschlossen, an die Communication Direktorin des Smithsonian einen ausführlichen Offenen Email Brief zu senden:

 

Offener Brief

an Mrs Claire Brown

Director of Communications

at the Smithsonian

National Air and Space Museum

Museum on the National Mall

Independence Ave at 6th Street

Washington, DC, USA

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Sehr geehrte Frau Brown,

leider erhielt ich auf meine an Sie gerichtete Mail vom 21. November 2012 und auf meine an Sie gerichtete Mail vom 24. November 2012, in denen ich Sie um die Beantwortung der Frage bat, wer die Verfügungsgewalt über die im Museum ausgestellten und über die in den Aussenlagern befindlichen Objekte ausübt, also wer der Besitzer ist, keine Antwort.

Gestatten Sie mir bitte, daß ich meine Frage hiermit ein drittes Mal wiederhole und mein Anliegen erläutere und daß ich diesen Brief der Öffentlichkeit als „Offenen Brief“ zur Verfügung stelle. Ich möchte dem Museum zwei Ausstellungsstücke abkaufen, ein Raketenflugzeug Bachem „Natter“ und den ersten Nurflügeldüsenjäger der Welt Ho 229 .

Zu diesem Zweck bitte ich Sie, den Kontakt zu einem Entscheidungsträger zu vermitteln.

Beide Objekte sind im Jahre 1945 als Kriegsbeute aus Deutschland „entfernt“ worden und befinden sich in der Obhut des Museums. Sie lagerten über 60 Jahre an verschiedenen Plätzen, zeitweise war die Ho- der Witterung ausgesetzt, wodurch sich ihr Zustand sehr verschlechterte, Instrumente wurden ausgebaut und sind verschwunden und so weiter. Derzeit werden sie in der Carl Graeber Restauration Facility aufbewahrt, wo sie seit Jahrzehnten auf ihre Restaurierung warten, auf eine Restaurierung, die meiner Meinung nach niemals stattfinden wird, da die öffentliche Ausstellung des Horten-Nurflügeljägers in ihrem Museum, das sich ja eigentlich der Präsentation der Luftfahrtgeschichte verpflichtet sieht, aller Welt die zukunftsweisende Entwicklung deutschen Flugzeugbaues in den Jahren 1940 – 1945 beweisen würde. Etwas ähnliches trifft auf die Bachem „Natter“ zu, dem ersten bemannten Raketenflugzeug der Welt. Zudem ist die Ba 349 Entwicklung auch noch mit Raketen bewaffnet und wurde trotz pausenloser Luftangriffe noch in der Endphase des Krieges fertiggestellt. Auch bei der Natter ist nicht damit zu rechenen, daß sie ausgestellt wird, oder?

Bei beiden Objekten handelt es sich um nationale Heiligtümer, die fairerweise in ihr Ursprungsland zurückgeführt und damit der deutschen Nation zurückgegeben werden sollten. Niemand wäre besser zu einer derart großzügigen Geste fähig, als die große amerikanische Nation. Sollten sich die Entscheidungsträger des Museums dankenswerterweise dazu entschließen, meinem Kaufwunsch Bachem Ba 349 „Natter“ und einmal Ho 229 V3 mit Flügelpaar, zu entsprechen und sollte ihrem Entgegenkommen nur ein eventuell in den Satzungen niedergelegtes Verkaufsverbot im Wege sein, so besteht immer noch die Möglichkeit einer Schenkung, der ich mich nicht verschließen würde oder die Möglichkeit der Forderung eines rein symbolischen Kaufpreises.

Dann wäre da noch ein weiterer Punkt. Herr Reimar Horten, der Konstrukteur der Ho, berichtet in seinen Erinnerungen, daß eine amerikanische „Expedition“ 1945 zwei Ho-Nurflügeljäger aus der französisch besetzten Zone Deutschlands „entführte“. Wo befindet sich das zweite Exemplar?

Vielen Dank für ihre Bemühungen.

Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen

Hans-Peter Schröder

Open letter

to Mrs. Claire Brown

Director of Communications

at the Smithsonian

National Air and Space Museum

Museum on the National Mall

Independence Ave at 6th Street

Washington, DC, USA

Dec 6th 2012

Dear Mrs. Brown ,

Unfortunately I have not yet received a reply to my e-mail from november 21th 2012 and to my e-mail from november 24th 2012, which were addressed to you and in which I asked you to answer the question of who has the power of disposition regarding the objects exhibited in the museum and stored in external storage facilities, i.e. who the owner is.

Allow me to hereby ask my question for a third time and to explain my request and to inform you that I am making this letter available to the public as an “open letter”.

I would like to buy two exhibits from the museum, a rocket aircraft Bachem “Natter” and the world’s first flying wing jet fighter Ho 229.

To this end I ask you to refer me to someone who can decide in this matter.

Both objects were “removed” from Germany in 1945 as spoils of war and are now in the care of the museum. They had been stored in various locations for over 60 years, the Ho 229 V3 was at times exposed to the elements, which caused its condition to deteriorate a lot, the instruments were removed and are now lost, and so on.

Currently both aircraft are being stored in the Carl Graeber Restauration Facility, where they have been awaiting their restoration for decades, a restoration which in my opinion will never take place, since the public exhibition of the Ho 229 V3 flying wing fighter in your museum, which is actually committed to presenting the history of aviation, would show all the world the pioneering development of German aircraft engineering in the years from 1940 – 1945.

It is similar with the Bachem “Natter”, the world’s first manned rocket aircraft. Furthermore, the Bachem “Natter”design was already armed with rockets and was completed in the final phase of the war despite non-stop air raids. The Bachem “Natter”, too, is not likely to be exhibited, is it?

Both objects are German national treasures which in all fairness should be brought back to their country of origin and therefore should be restored to the German nation. Nobody would be better capable of such a generous gesture than the great American nation.

Should the museum’s decision makers generously decide to grant my request to purchase the Bachem Ba 349 “Natter” and the Ho 229 V3 including the pair of wings belonging to it, and should your goodwill only be thwarted by a sales ban that may be set out in the museum’s statutes, then there is always the possibility of a donation, which I would welcome, or the possibility of asking for a token sum.

There still is another issue. Mister Reimar Horten, the designer of the Ho 229, recounts in his memoires that in 1945 an American “expedition carried off” two Ho 229 V3 flying wing fighters from the French occupation zone in Germany. Where is the second specimen?

Many thanks for your efforts.

With kind regards and best wishes

Hans-Peter Schröder, Germany

*

Und damit das Ende nicht ernst ausklingt…

Pyramidenrätsel gelöst! So haben sie es gemacht!

(*)

From: H.-P. Schröder
To: brownch@si.edu
Subject: Ownership of exhibited items
Date: Wed, 21 Nov 2012 11:20:32 +0000

 

To Mrs Claire Brown

Director of Communications

at the

National Air and Space Museum

Museum on the National Mall

Independence Ave at 6th Street

Washington, DC, USA

 

Dear Mrs Brown,
I am writing to you from Germany with a question that interests me a lot. Who is the owner of all these fantastic pieces that the National Air and Space Museum in Washington, DC, USA, has in its possession, whether exhibited or deposited in the vaults?
Thank you for your support.
Best regards from Germany

Hans-Peter Schröder

24 Nov 2012

Good evening Mrs Brown,
probably you`ve not gotten my first message or maybe my inquiry has not been taken serious, or maybe your answer has got lost in the infinite space of the worldwideweb. Please allow me to repeat my inquiry: Who is the owner of the exhibited and of the stored collection items?  And there  must be at least a contact person , representing and talking for „the board of owners“ regardless  who or what they are.
If itis not  possible for you to present an answer, I would be very glad, if you could make a contact to someone who is in charge.
Thank you very much.
Best regards
H.-P. Schröder

*

Link zu Teil I

Link zu Teil II

Link zu Teil III

Link zu Teil IV

Link zu Teil V

 

5 Gedanken zu „Hensel´s Sonntagsmatinée: die Erfindung der Fliegenden Untertassen – Teil VI

  1. Der offene Brief ging per Mail an Mrs Brown, die Communication Direktorin des Smithsonian National Air and Space Museums in Washington.
    Das Kauf – „Angebot“ ist bitter ernst gemeint. Bisher erfolgte noch keine Antwort. Deutschland war im Besitz der modernsten Windkanäle der Welt, unverzichtbar zur Ermittlung der Flugkörper – Aerodynamik für den Unter- und Überschallflug. Professor Ludwig Prantl (Strömungstechnik): „Alles fliegt.“ Patente sind in dem Zusammenhang unwichtig, die Geheimnisse sind in den Forschungsunterlagen und in den Köpfen enthalten: Genetik (Vererbungslehre), Medizin, Metallurgie, Verbundmaterialien, Kunststoffkombinationen neue Werkstoffe, neue Chemiezweige ( Si-Chemie), Luft- und Raumfahrt… etc. . Tragflächen überhaupt, die Tragflächenstellung und der Zuschnitt eines Tragflächenprofils sind nur für den Schubatmosphärenflug wichtig, bei trägheitsloser Fortbewegung spielt die Form nur noch eine untergeordnete Rolle ( Innenräume etc.). In Deutschland und nicht nur dort, wurde und wird in alle Richtungen geforscht. Was flog über den Cascade Mountains? Nurflügel mit einer Vorform des 100% trägheitslosen Antriebes ( populär falsch Antigravitation genannt). Daraus machte die Presse Fliegende Untertassen. Wie im Artikel versucht wird aufzuzeigen, bezog sich Arnolds Formulierung auf die Art der Flugbewegung und nicht auf die Form der Flugkörper. Er hat den Begriff „Fliegende Untertassen“ erfunden. Ein Nurflügler muß im Jahre 1947 sehr exotisch auf einen ahnungslosen Piloten gewirkt haben.
    Runde „Flugzeuge“. Ich bezweilfe nicht, daß es die gab. Der Schritt in die neue Physik, unternommen mit einem veränderten Bewußtsein im Reisegepäck, muß einen Break Away Schritt auslösen.
    ermöglicht von einem Dutzend Projekte, von dem jedes für sich arbeitete, und einer Lenkungsstelle, die Einblicke ausschließlich strikt zweckgebunden gestattete. Man kannte den „Feind“ genau. Besser, als wir ihn kennen.
    Die überlebenden Techniker, Handwerker, Werkmeister, nahmen Teilunterlagen mit nach Hause und versteckten sie, 2, 3 Quadratmeter große Blaupausen. Vielleicht nur von einem Triebwerk, einer Steuereinheit, einer Flugkörperzelle. Das Wunder lag nicht in einer Wunder-Waffe, sondern im Durchbruch in das Neue. Ein Durchbruch vom Format eines Ausbruchs. Was sind sie die Fliegenden Untertassen, die Scheibenflugzeuge ?
    Definitiv überholt. Wo sie sind ? Ihre Nachkommen fliegen. Wie ? Wie in der Serie beschrieben.

  2. Eine Herausgabe der Raubtechnik und der Raubpatente an ein Gangstersystem, wie es derzeit hier noch herrscht, macht wenig Sinn.
    Wir sollten mit unserer legitimen Forderung auf Herausgabe auf den richtigen Zeitpunkt und eine legitime Deutsche Vertretung im Reichstag warten.

    Ansonsten steht das, was die kulturlosen von der wegweisenden Technik übrig gelassen haben, bald draußen neben dem Holomahnmal und zerbröselt, wie der Beton des selben und der Glaube an ihn.

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