Libyen: nun geht es gegen Zintan

von John Schacher

Das Elend in Libyen nimmt kein Ende und wird nicht enden, bis die Jamahiriya wieder in Kraft tritt oder der letzte freie Libyer getötet wurde. Nach dem blutigen Massker in Bani Walid, wo sogar das Krankenhaus komplett ausgeraubt, alle Patienten und zumindest ein Arzt ermordet wurden, zieht die Misrata-Miliz mit der Unterstützung der „Regierung“ nun offenbar in den Kampf gegen das bisher recht stabile Zintan.

Misrata wurde von Katar mittels dem Frachter „Mar del Amazonas“ vor kurzem fürstlich mit gemeldeten 481 nagelneuen gepanzerten Kampfwagen eines noch unbekannten Herstellers ausgestattet, die in den nun kommenden Kämpfen als leichte Schützenpanzer fungieren sollen (Bilder).

In Tripolis äusserten sich die Zerwürfnisse zwischen Zintan, Misrata und der US-Marionetten-„Regierung“ bereits wie  berichtet seit dem letzten Wochenende in Form größerer Schießereien und Anschläge. Auch die Blockierung der Raffinerie in Zawia seitens unbezahlter verwundeter Rebellen aus dem Bürgerkrieg, die für eine große Benzinknappheit sorgt – steht im Fokus aktueller Ereignisse. Misrata soll sich der Hilfe von Berberstämmen aus den Nafusa-Bergen versichert haben, nachdem im Großraum Tripolis lebende Berber aus Zintan von den Arabern aus Zintan attackiert worden sind.

Eine große Kolonne motorisierter Kampfeinheiten aus Misrata hatte sich bereits vor einiger Zeit in den Süden begeben und dabei das von Zintan kontrollierte Gebiet unauffällig durchquert. Ihr Ziel war bis jetzt unklar. Nun sind diese Einheiten bei Ghadames aufgetaucht, wo wichtige Ölfelder (Ghadames und Ubari) liegen, deren Erträge eben genau in der Raffinerie Zawia verarbeitet werden. Misrata hat auch in der Gegend um Ghadames lebende Araber-Stämme bestochen, sich gegen ihren bisherigen Verbündeten Zintan zu stellen und liegt nun strategisch im Rücken von Zintan, dem man offiziell vorwirft, geflüchteten Jamahirya-Kämpfern aus Bani Walid Unterschlupf zu gewähren, darunter al-Waer, dem Kommandanten der Verteidiger. Die Ähnlichkeit der staatlich geäusserten Begründung für die Agression gegen Bani Walid ist groß…

Zintan verfügt nur über rund 100 Panzer, während Misrata über 700 schwere Kampfpanzer hat. Die Nachschubroute für Misrata ist jedoch eine sehr lange im Vergleich zur Aktion Bani Walid. Zintan verhandelt derzeit mit den Banditen von Garyan über die Freilassung der dort befindlichen Warfalla-Stammesältesten.

Bilder der sinnlosen Zerstörungswut in Bani Walid:



Ein Gedanke zu „Libyen: nun geht es gegen Zintan

  1. Als es im Sommer 2011 die großen Demonstrationen in Libyen gab, mit Millionen Teilnehmern, mit mehr als der Hälfte der Gesamtbevölkerung – gegen die internationale Einmischung und für die nationale Selbstbestimmung – da dachte ich, die NATO und ihre Helfer können kein ganzes Volk einsperren/umbringen.

    Aber genau das scheint gerade kontinuierlich zu geschehen, während die Welt wegschaut, bzw. die gelenkten Medien die unglaublichen Vorgänge bewusst ignoriert. Es ist wirklich zum verzweifeln. Es ist gut, dass es zumindest Seiten wie diese gibt, die alles so gut es geht berichten und dokumentieren.

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