Hensel´s Sonntagsmatinée: die Erfindung der „Fliegenden Untertassen“ – Teil II

von Hans-Peter Schröder

„Sie sind zu jung und
wie alle Jungen glauben sie,
mit Spiel wäre die Welt zu erklären.
Sie haben recht, aber
sie verweigern den Schritt
zur Verantwortung.
Sie wollen alles
spielerisch gewinnen
und weil sie die geborenen Gewinner
spielen,
beginnen sie zu plündern
und zu knechten.
Spielerisch wollen sie,
spielerisch wollen sie
die ewige Gewinner-Jugend.
Daher bleiben sie in jedem Alter zu jung
und erstarren
und verfallen dem Siechtum.
Und so werden sie zur Gefahr
für die ganze Welt.“

Aus: Der Eremit des Inneren


Der zweite Versuch des Ikarus

Diese Matinée steht in einem innerlichen und in einem äusserlichen Zusammenhang mit den Matinéen „Rein pflanzlich“, „Die Parabel vom Mauersegler“ und „Schock: der Saturn made in Germany? I–IV“. Aber eigentlich, – eigentlich steht sie im Zusammenhang mit All und Allem.

 

Die Journaille bleibt zurück

 

Die unter der Presse ausgelieferten Mitmenschen lieben grelle Schnittchen, sie lieben die kleingeraspelten Begriffe. Den Stammelsätzen wird ein roter Teppich ausgerollt, die sind ihnen willkommen, die drängen auf die Titelseite, sobald sie Sinn auf Punkt reduzieren. „Preise stabil“ oder „Präsident liebt Präser“ oder „Aussichten gesunken“.

Die Poesie der Nichtigkeit. Leider wirkt die Poesie der Nichtigkeit tückisch, heimtückisch in ihrer Wirkung auf die, im Grunde ihres Herzens Lernfähigen, sie immer wieder in längst zu eng gewordene Käfige zurückdrängend, von den gewaltbereiten Predigern der Bodenhaltung zurückgebrüllt, zurückgepfiffen, in Zwangsjacken geschnürt, von den an der eigenen Saftlosigkeit Verdurstenden als blöd markiert – denn wer ungeschützt Banales liest, zerfließt.

Und wer begreift, der liest nicht mehr, sondern erzählt. Er zählt.

Auch wenn locker Beschäftigte und die fest angeschnallten Presser nichts von Tiefe begreifen dürfen, eine weitschweifige Andeutung von geahnter Tiefe muß in ihr Tagwerk hineingewurschtelt werden, eine Prise Tiefenrausch ist unverzichtbar für das Geschäft, denn man gefällt sich hoch trabend. „Spiegel findet Bild in Spiegelbild“ – und umgekehrt.

Der Herr Redakteur verschafft sich, – einen Überblick- er ahnt nichts, aber er empfindet Wohlsein, sein Überbiß zuckt wohlig. Es nickt entgeistet, welch` glückliche Formulierung, es gefällt ihm, welch elegantes Thema, welch` wunderbarer Titel, der nimmt ihn mit.

Der Herr Redakteur fühlt sich beschwingt durch den Tag geleitet und morgen drucken ölige Pfoten auf ermordete Bäume, was sich gestern noch gut versteckt`, aus einer Laune heraus, in einer unbedeutenden, nichkonfigurierten neuronalen Hängematte einem unverbindlichen, nicht auf Dauer eingerichteten, spontanen Gruppenexstelldichein hingegeben hatte.

Die Blähung hat das Licht gesehen, will nicht mehr in das …….. gehen. Celine hätte das fehlende Wort ausgesprochen. Mittlerweile braucht es auch das nicht mehr. Wir wissen Bescheid.

In Sekundentaktlosigkeiten werden Fehlgeburten unverbindlich dahinvagabundierender Blasen ausgestoßen. Einen Moment Aufmerksamkeit später wären sie anonym geplatzt gewesen und hätten ihren substanzlosen Inhalt, früher oder später, nicht über die Menschheit, ausgeleert. Ohne den Chefredakteur und sein Sansculottenheer von Dehydrierten hätten die Menschen ruhig weiter geatmet, sich unabgelenkt, ungestört auf das Wesentliche zubewegend und wären verschont geblieben.

Die Geschichte handelt von einer Blase, die man seit Jahrzehnten mit Kitt und Notoperationen am Platzen hindert. Ihr Inhalt ist durch die lange Lagerung in den Zustand der Fäulnis übergegangen. Deshalb empfinden die dazu Fähigen Abscheu davor, hinein zu stechen. Alle Blasen platzen. Das ist ihr Schicksal.

 

Amerika 1947 oder Ein Thema wird auf Kommando salonfähig

 

Kenneth Arnold tuckert gerade über den Bergketten der Cascade Ranges im Staate Washington, in Sichtweite des Mt. Rainier, gemütlich seinem Ziel entgegen, als….. .
Er schreibt: „In Chehalis/Washington erfuhr ich von einer in den Bergen verschwundenen C-46, einem Marinetransporter und von der 5.000 Dollar Belohnung für Hinweise zu deren Lokalisierung.“
Er beschließt, da ihn sein Flug nach Yakima sowieso über das fragliche Gebiet führen wird, dort einige Suchrunden zu drehen, in der Hoffnung, Spuren der vermißten Militärmaschine zu entdecken, um vielleicht in den Genuß der Belohnung zu kommen

…. als er in einer Höhe von ca. 9.200 Fuß über Mineral/Washington eine 180-Grad-Kurve fliegt, erleuchtet ein enorm heller Lichtblitz die Oberfläche seiner Maschine. Arnold sucht die nächsten 20–30 Sekunden den Himmel über, neben und unter seinem Flugzeug, nach der Quelle der Lichterscheinung ab. Zuerst denkt er an ein anderes Flugzeug, vielleicht eine schnelle Militärmaschine, die in der Nähe vorbeigebraust wäre, aber das einzige Flugzeug, das er erblickt, ist eine weit entfernte fliegende DC-4, eine Passagiermaschine.

Bevor Kenneth Arnold sich von seiner Überraschung erholt, „blitzt“ es erneut. Dieses Mal kann er die Richtung feststellen. Er sieht, zu seiner Linken in nördlicher Richtung eine Formation hellscheinender Objekte, die aus der Nachbarschaft von Mount Baker kommend mit hoher Geschwindigkeit sehr nahe an den Bergspitzen fliegen.


Der Vulkan Mt. Baker im amerik. Bundesstaat Washington
Photo by Lee Siebert, 1981 (Smithsonian Institution) http://www.volcano.si.edu

Arnold weiter, Seite 10, „Zuerst konnte ich ihre Umrisse nicht ausmachen, da sie sich mehr als 100 Meilen entfernt befanden…… Die Formation war im Begriff direkt vor mir vorbei zu fliegen…. Ich schaute zu, als sich die Objekte rapide der Schneegrenze von Mount Rainier näherten, während ich die ganze Zeit glaubte, eine Formation von Jets vor mir zu haben. … Ich zählte neun. Sie flogen diagonal in einer Staffelformation mit einer Lücke zwischen den ersten vier und den letzten fünf.“
Es war ein schöner, sonniger Nachmittag. Arnold notiert später, wie überrascht er gewesen war, kein Schwanzleitwerk an den Objekten zu erkennen. Die ausgezeichnete Sichtposition offenbarte, daß sich die Formation geradlinig zwischen Geländemarken bewegte, so daß Arnold eine Geschwindigkeitsabschätzung vornehmen konnte. Die Berge Mt. Rainier und Mt. Adams lagen als perfekte Marker vor ihm. Er schaute auf die Uhr, um die Zeit zu stoppen.
Fasziniert bemerkt er „Sie flogen nicht wie die Flugzeuge, die ich kannte. Zuallererst war ihre Staffelform umgekehrt wie die, die unsere Air Force praktiziert. Das erste Flugzeug (craft) flog höher als das Letzte. Sie flogen in einer deutlichen Formation, aber unregelmäßig (erratically). Wie ich es einmal beschrieb, ähnelte ihr Flugverhalten der Bewegung von Speedbooten in rauher See (Anmerkung: Arnold meint damit eine Art Hüpfen oder Springen von Wellenkamm zu Wellenkamm – Magnetlinien?), oder dem wie sich der Schwanz eines chinesischen Drachen im Wind bewegt. Oder vielleicht wäre der beste Vergleich ihres Flugverhaltens das einer Gänseformation, in einer fast diagonalen, kettenähnlichen (chain-like) Linie, so als ob alle miteinander verbunden wären.

„Another characteristic of these crafts that made a tremendous impression on me was how they fluttered and sailed, tipping their wings alternately and emitting those very bright blue-white flashes from their surfaces.“ Ein anderes Kennzeichen der Flieger, das einen enormen Eindruck auf mich machte, schreibt Arnold, war, wie sie schwenkten (?) und segelten und ihre Flügel abwechselnd neigten und (dabei?) diese hellen bläulichweißen Blitze von ihrer Oberfläche ausstrahlten. Zu der Zeit, als ich das beobachtete, hatte ich nicht den Eindruck, daß diese Blitze von den Objekten selbst ausgesandt wurden, sondern, daß es sich eher um die Reflektion der Sonne handelte, von der Oberfläche ihrer auf Hochglanz polierten Schwingen ausgehend.

 

rein tierisches Zwischenspiel

 

Wie Rochen „fliegen“, wie Rochen „schwimmen“…..

Rochen – Längsprofil und Draufsicht

*

Link zu Teil I

Link zu Teil III

Link zu Teil IV

Link zu Teil V

Link zu Teil VI

14 Gedanken zu „Hensel´s Sonntagsmatinée: die Erfindung der „Fliegenden Untertassen“ – Teil II

  1. Ich überlege gerade, ob unsere hochgelobte Pressefreiheit wirklich so ein „edles Gut“ oder nicht eher ein „faules Ei“ ist… ❓
    Die Medienbesitzer und -lenker waren ja VOR Einführung des Grundgesetzes im wesentlichen auch keine anderen… 💡

  2. Der Artikel ist leider viel zu kurz, dafür besonders im ersten Teil sehr launig formuliert. Diese Art von würdiger Verachtung gegen die Journaille gefällt mir sehr.

    Gibt es noch mehr Bilder (Stiche etc) von den Ereignissen des Mittelalters und der beginnenden Neuzeit?

    Danke

    1. @ Senatssekretär
      nach einer überzeugenden Kritik am reisserischen Stil und relativ gehaltslosen Behauptungen im Film, über die mir HPS schrieb, habe ich den Artikel wieder entfernt – auch um nicht zuviel Zeit zu stehlen…
      Glück Auf!

  3. Sehr geehrter Hans, die größte Sammlung derartiger Einblattdrucke befindet sich in den klimatisierten Kammern der vatikanischen Spezialbibliotheken. Sie sind nur den eingebildet „Unsterblichen“ zugänglich. Einblattdrucke waren zum Gebrauch bestimmt. Entweder gingen sie von Hand zu Hand, bis sie auseinanderfielen, oder sie wurden sonstwie vernichtet, oder sie fanden ein unwürdiges Ende am hinteren Ende.
    Ab und zu kommen Einblattdrucke und Holzschnitte an das Licht, wenn alte Einbände zerbrechen. Sie wurden dort zur Verstärkung der Buchdeckel eingeleimt, als eine Art Makulatur. Vieles schlummert noch dort, anderes ist anonym in Sammelwerke eingebunden, in den großen Bibliotheken der Welt verstreut und wartet darauf, dort entdeckt zu werden. Anderes wurde in Privatsammlungen begraben, um die sich nie ein Bibliograph kümmern durfte. Anderes träumt immer noch in Truhen und auf Dachböden. Und noch viel viel mehr verbrannte in den Vernichtungsorgien, denen so viele unserer Kultur- und Wissensschätze zum Opfer gefallen sind.
    Wenn SIE da waren, dann sind sie immer noch da, direkt neben uns und dann dürfte es für Interessierte Wege geben, um mit ihnen zu reden. Falls wir das aushalten. Und falls wir überhaupt etwas substantielles zu sagen haben.

  4. Vielen Dank für die Antwort. Wenn diese höher entwickelte Spezies neben uns lebt, muß es einen Grund geben, daß sie dieses Martyrium der Menschen hier auf der Erde duldet, wo sie es doch leicht verhindern könnte?

    Eine eigenverantwortliche Form der seelisch-geistigen Weiterentwicklung vom träumenden zum bewußten Menschen könnte einen Sinn ergeben.

  5. @jo
    Beim Ausrufer wußte wenigstens jeder, woran er war – während Pressefreiheit & parlamentarische Demokratie die idealen Bevölkerungs-Spalt-Instrumente sind…

  6. Der NASA Katalog NASA TR R 277 seltsamer Mondphänomene
    (historisch), listet eine Auswahl (ca. ein Viertel) der in der Vergangenheit dokumentierten „Mondanomalien“ auf:

    Link: http://www.creationism.org/books/nasalunar/index.htm

    NASA Technical Report R-277; Lunar Events – 1500s
    NASA Technical Report R-277; Lunar Events – 1600s

    NASA Technical Report R-277; Lunar Events – 1700s

    NASA Technical Report R-277; Lunar Events – 1800s

    NASA Technical Report R-277; Lunar Events – 1900-1949

    NASA Technical Report R-277; Lunar Events – 1950-1967

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