Blasphemie als eine Taktik

erschienen bei einartysken

von Thierry Meyssan – 15. September 2012

Die Verbreitung im Internet des Trailers eines Films, „Die Unschuld der Moslems„, hat Demonstrationen in der ganzen Welt verursacht und zum Mord des US- Botschafters in Libyen und drei seiner Mitarbeiter in Bengasi geführt.

Auf den ersten Blick können diese Ereignisse in die lange Linie gefügt werden, die von Salman Rushdies Satanischen Versen zu den Koran-Verbrennungen von Pastor Terry Jones führen. Nichtsdestoweniger unterscheiden sich diese neuen Angriffe von anderen Zwischenfällen dadurch, dass der Film sich nicht an ein westliches Publikum wandte, sondern allein als Instrument der Provokation von Moslems gedacht war.

In politischen Begriffen kann die Affäre von zwei Seiten analysiert werden: aus der taktischen Perspektive als eine Anti-US-Manipulation oder aus der strategischen Perspektive als ein psychologischer Anti-Moslem Angriff.

Der Film wurde von einer zionistischen Gruppe gemacht, die sich aus Juden mit doppelter israelisch-amerikanischer Staatsbürgerschaft und einem ägyptischen Kopten zusammensetzte. Er wurde vor einigen Monaten fertiggestellt, aber zu einem kalkulierten Moment freigegeben, um Krawalle gegen die USA zu provozieren. Israelische Agenten wurden in mehreren großen Städten platziert mit der Aufgabe, die Wut der Menge gegen amerikanische und koptische Ziele zu richten (natürlich nicht gegen israelische). Nicht überraschend wurde der größte Effekt in Bengasi erzielt, der Hauptstadt der libyschen Cyrenaika-Region.

Die Bevölkerung von Bengasi ist bekannt, besonders reaktionäre und rassistische Leute zu beherbergen. Es ist nützlich, daran zu erinnern, dass zur Zeit der Mohammed-Cartoons im September 2005 Salafisten das dänische Konsulat angriffen. In Übereinstimmung mit der Wiener Konvention schickte Muammar al-Gaddafi Truppen, um die Diplomaten zu schützen. Die Unterdrückung der Ausschreitungen kostete mehrere Tote. In der Folge hat der Westen, der das libysche Regime stürzen wollte, Salafisten-Publikationen finanziert, die Gaddafi beschuldigten, das dänische Konsulat geschützt zu haben, weil er angeblich selbst hinter den Kartoons steckte.

Am 15. Februar 2011 organisierten Salafisten in Bengasi eine Demonstration zur Erinnerung an das Massaker, bei der es zu Schießereien kam, ein Vorfall, der den Beginn des Bengasi Aufstandes markierte, der den Weg für die NATO- Intervention öffnete. Die libysche Polizei verhaftete drei Mitglieder italienischer Spezial-Einheiten, die gestanden, dass sie von den Dächern sowohl auf die Demonstranten als auch auf die Polizei geschossen hätten, um Chaos und Verwirrung zu säen. Sie wurden während des ganzen Krieges gefangen gehalten und wurden freigelassen, als die NATO die Hauptstadt eroberte und sie aus dem Land nach Malta schmuggelte in einem kleinen Fischerboot, auf dem ich ebenfalls Passagier war.

Diesmal hatte die Manipulation der Bengasi-Menge durch die israelischen Agenten die Ermordung des US-Botschafters zum Ziel, eine Kriegshandlung, wie man sie seit der israelischen Luftwaffen-Bombardierung der USS Liberty 1967 nicht erlebt hat. Dies ist die erste Ermordung eines Botschafters im Dienst seit 1979. Der Akt ist umso ernster, wenn man bedenkt, dass in einem Land, wo die gegenwärtige Zentralregierung eine rein legale Fiktion ist, der US-Botschafter nicht einfach nur Diplomat war, sondern als Gouverneur fungierte, praktisch als Staatschef.

Es sollte betont werden, dass in den vergangenen Wochen die höchsten US-Militärs in offenen Konflikt mit der israelischen Regierung gerieten. Sie haben Erklärungen veröffentlicht, die ihre Absicht andeuten, den Kriegszyklus, der mit dem 11. September begann (Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien) und der, im Licht informeller Abkommen von 2001 noch weiter ausgedehnt werden soll (Sudan, Somalia und Iran), zu beenden. Der erste Warnschuss kam in Afghanistan im August 2012, als zwei Raketen auf das geparkte Flugzeug von General Martin Dempsey abgefeuert wurden, dem Chef des US-Vereinigten Generalstabs. Diese zweite Warnung erwies sich als noch brutaler.

Wenn wir andererseits diese Affäre vom Gesichtspunkt sozialer Psychologie betrachten, erscheinen die Freigabe des Films und die folgenden Ereignisse als frontaler Angriff auf den Glauben der Moslems. In dieser Hinsicht ähnelt er der Natur nach den Pussy Krawallen, wo auf der Freiheit religiöser Praxis in der orthodoxen Kathedrale Christus des Erretters in Moskau herumgetrampelt wurde sowie den vielen Performances von konzeptioneller Pornographie der Gruppe danach. Dies sind Handlungen, die Gesellschaften aufreizen sollen, die sich dem Projekt der globalen Beherrschung widersetzen.

In demokratischen und multikulturellen Gesellschaften wird das Heilige als in die private Sphäre gehörend und ausgedrückt angesehen. Aber es ist ein neuer kollektiver Raum des Heiligen im Prozess der Ausarbeitung. Westliche europäische Staaten haben „historische Erinnerungs“-Gesetze geschaffen, die ein historisches Ereigniss – die Nazi-Zerstörung der europäischen Juden – in ein religiöses Ereignis verwandelt haben: die „Shoa“ in der jüdischen Terminologie oder der „Holocaust“ im evangelischen Jargon. Nazi-Verbrechen werden damit auf die Ebene eines einmaligen Ereignisses auf Kosten der Opfer anderer Massaker, auch anderer Opfer der Nazis gehoben. Das Dogma in Frage stellen, d. h. diese religiöse Interpretation historischer Fakten, ist strafbar, so wie Blasphemie in der Vergangenheit bestraft wurde. Ähnlich setzten 2001 die USA, die EU und einige ihrer Alliierten ein Dekret durch, dass ganze nationale Bevölkerungen eine Schweigeminute einhalten müssen zur Erinnerung an die Opfer von 911. Dieses Dekret wurde durch eine ideologische Interpretation der Ursachen des Massakers gestärkt. In beiden Fällen wird, weil sie als Juden getötet wurden oder weil sie Amerikaner waren, den Opfern ein besonderer Status zugesprochen, vor denen der Rest der Welt das Knie beugen muss.

Während der Olympischen Spiele in London versuchten sowohl die israelischen und die amerikanischen Delegationen, den heiligen Raum noch weiter auszudehnen, indem eine Schweigeminute bei der Eröffnungszeremonie des am meisten gesehenen TV-Ereignisses der Welt eingehalten werden sollte, diesmal wegen der Geiseln, die 1972 bei den Münchener Spielen genommen wurden. Am Ende wurde der Vorschlag zuruckgewiesen und stattdessen hielt das Olympische Komitee eine separate Zeremonie ab. Dies ist eine weitere Andeutung für die Bemühungen, eine kollektive Liturgie zu schaffen, die das globale Imperium legitimiert.

Die Unschuld der Moslems dient sowohl als Instrument, um Washington wieder auf Vordermann zu bringen, wo es sich von der zionistischen Agenda lossagen will, und als Mittel, diese weiterzuverfolgen, indem man den Glauben anderer, die sich widersetzen, angreift.

Quelle: einartysken, InformationClearing House

3 Gedanken zu „Blasphemie als eine Taktik

  1. Danke für die Übernahme Jo; endlich eine bessere Aufarbeitung der Hintergründe und Strategie der Unternehmung. Das hier geschilderte erscheint mir bisher am meisten zutreffend.
    Es ist eben eine Schwächung der USA nur insofern, wie es den zionistischen Interessen entspricht und/oder der Achse „London City – Washington“ der „Finanzmafia“, die USA mehr auf Kriegskurs zu bringen, auch entgegen eigenen Interessen was z.B. den Zeitpunkt für einen Überfall auf den Iran angeht. Spätestens seit 9/11 sollte man doch mit vorschnellen Urteilen sehr vorsichtig sein und in der Regel mehr dahinter vermuten.

    Ja auch der andere Artikel „Full House in Nahost – Strategien für Syrien“ ist natürlich sehr aufschlussreich darüber, welche Interessen so dahinter stehen, anstelle der im Mainstream des Westens täglich verabreichten Lügendosis.

  2. Interessant ist auch, dass es diese amerikanische Botschaft/Konsulat in Bengasi gar nicht zu geben scheint…

    http://www.jimstonefreelance.com/bengasi1.html

    Wer weiß also angesichts dieser ganzen Widersprüche, ob am 11.09. in Bengasi alles so war wie behauptet – vielleicht sogar bis hin zur Frage, ob der amerikanische Botschafter wirklich umgekommen ist.

    Denn die Bilder von Gaddafi und dem Botschafter ähneln sich auffällig. Rund um Gaddafis Tod gab es viele für immer ungeklärte Fragen bis hin zur Vermutung, dass er gar nicht umgekommen sei, sondern dass die Bilder komplett fabriziert waren, oder dass es ein Doppelgänger war. Wo immer er sein mag, ich wünsche ihm Frieden.

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