Syrien: Terror gegen Journalisten

Entführter TV-Moderator Mohammed Al-Said: Das Bild veröffentlichte die Islamistengruppe Al-Nusra-Front am Samstag – Foto: AP

erschienen bei junge Welt

von Karin Leukefeld
Die islamistische Terrorgruppe Al-Nusra-Front hat in der syrischen Hauptstadt Damaskus offenbar den prominenten Fernsehmoderator Mohammed Al-Saeed ermordet. Das geht aus einer Erklärung hervor, die die Gruppe, deren Zusammensetzung und Herkunft unbekannt ist, auf einer islamistischen Webseite veröffentlicht hat. Diese Internetplattform wird von der geheimdienstlichen Organisation SITE in den USA regelmäßig überprüft; unklar ist, wer die Onlinepräsenz organisiert. Das staatliche syrische Fernsehen, bei dem Al-Saeed arbeitete, erklärte, man habe keine »haltbaren Beweise« für den Tod des Kollegen.

Mohammed Al-Saeed war am 19. Juli, einen Tag nach dem Anschlag auf die Militär- und Sicherheitsführung in Damaskus, aus seinem Haus entführt worden. Die Gruppe erklärte nun, sie habe Al-Saeed »befragt« und anschließend getötet. Man werde weitere Unterstützer von Präsident Baschar Al-Assad angreifen, vor allem Journalisten, die für die staatlichen Medien arbeiten. »Die Schwerter der Mudschaheddin werden ihre Köpfe abschlagen und die Levante von ihrer Obszönität säubern«, hieß es in der Erklärung.

Die Al-Nusra-Front war bis Ende 2011 unbekannt. Sie hat mittlerweile die Verantwortung für mehrere schwere Anschläge in Aleppo und Damaskus mit vielen Toten übernommen. Auf ihr Konto geht u.a. der Angriff auf den Fernsehsender Al-Ikhbariya Ende Juni, dabei wurden sieben Mitarbeiter ermordet. Auch für den Mord an 13 Personen in Deir Ezzor, deren Leichen Ende Mai gefunden worden waren, hatte die Al-Nusra-Front die Verantwortung übernommen. Die Männer waren gefesselt und erschossen aufgefunden worden. Die Terrorgruppe bekannte sich zudem zu dem Sturm auf die Polizeistation in Jdeideh Artus, einem Ort etwa 15 Kilometer westlich von Damaskus. Bei dem Angriff vor etwa drei Wochen waren sieben Polizisten ermordet worden, andere Quellen sprechen von zehn getöteten Polizisten.

Unweit von Damaskus wurden am Samstag 48 iranische Pilger offenbar von bewaffneten Aufständischen entführt. Die Gruppe war auf dem Weg von Saida Zeynab zum Flughafen. Bis jW-Redaktionsschluß war unklar, ob die Männer und Frauen befreit werden konnten. In Saida ­Zeynab befindet sich eines der wichtigsten Heiligtümer für schiitische Muslime, die jährlich zu Zehntausenden aus aller Welt dorthin pilgern. Ein angeblicher Offizier der »Freien Syrischen Armee« erklärte im saudischen TV-Sender Al-Arabiya, unter den Pilgern seien »Mitglieder der iranischen Revolutions­garden« gewesen. Indirekt räumte der Mann damit ein, daß bewaffnete Aufständische für die Entführung der Pilger verantwortlich sind.

In Aleppo gingen indes am Sonntag die Kämpfe zwischen bewaffneten Aufständischen und den regulären Streitkräften weiter. Die Aufständischen rechnen offenbar mit einer schweren Offensive in den nächsten Tagen, die Armee zieht weiterhin große Truppenverbände um die Stadt zusammen. Die Berichterstattung in den internationalen Medien ist wesentlich von Reportern geprägt, die bei den bewaffneten Aufständischen »eingebettet« sind.

Berichte der Süddeutschen Zeitung und der ARD, wonach es in dem Ort Jdeideh Artus ein Massaker der Armee gegeben habe, haben Einwohner im Gespräch mit junge Welt zurückgewiesen. Allerdings sei das Vorgehen der Streitkräfte »sehr hart« gewesen. Dabei dürfe nicht vergessen werden, daß die bewaffneten Männer Dutzende Menschen in den vergangenen Monaten in dem Ort getötet und erheblichen Sachschaden angerichtet sowie Angst und Schrecken unter den Einwohnern verbreitet hätten. Zuletzt hatten die Aufständischen Transformatoren zerstört, die den Ort mit Strom versorgen.

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Quelle: junge Welt

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