„wir lassen uns nicht erpressen“?

erschienen bei michael winkler

Unsere türkischen Freunde marschieren an der Grenze zu Syrien auf. Panzer, Kampfhubschrauber und natürlich keine uralten Phantoms, sondern moderne F-16, welche sogar unsere jüdischen und amerikanischen Freunde fliegen, wenn ein paar böse (und wehrlose) Terroristen ins Gras gebissen werden sollen.

Wobei, die richtig feinen Sachen haben die Amerigauner nicht rausgerückt, diese tollen Dinger, mit denen Obama direkt vom Schreibtisch aus Menschen wie im Videospiel umnieten kann. Die Türken müssen noch echte Soldaten schicken, mit echten Gewehren, Panzern usw. Zumindest, wenn sie einen echten Krieg führen wollen.

Weil wir gerade bei den Türken sind: Die Herrschaften wollen die neue EU-Ratspräsidentschaft nicht anerkennen. Die wird seit dem ersten Juli von Zypern ausgeübt, von Griechisch-Pleite-Südzypern, während Nordost-Zypern bekanntlich Türkisch-Zypern ist und nicht mal EU-Mitglied. Das Existenzrecht Südzyperns ist natürlich weder Staatsräson noch ein besonderes Anliegen des BRD-Regimes, und atomwaffenfähige Unterseeboote bekommen die Zyprioten ebenfalls keine geschenkt. Jedenfalls ist es ganz lustig, eine Ratspräsidentschaft zu haben, die jedesmal den Hut rumgehen lassen muß, wenn sie nach Brüssel fliegen will.

Der Mann von Goldman-Sucks, Mario Monti, ist vielleicht nicht fähig, ein Land wie Italien qualifiziert zu führen, eine Trulla aus der Uckermark über den Tisch ziehen kann er jedoch wunderbar. Merkel ist zwar hervorragend, wenn es geht, Untergebene und Konkurrenten über die Klinge springen zu lassen, doch diese waren bisher deutsche Volldemokraten, das war allenfalls geistige Leichenschändung. Der schöne Satz „Wir lassen uns nicht erpressen“ gilt nur dann, wenn ein paar deutsche Urlauber als Geiseln genommen werden.

Merkel hat sich erpressen lassen, mit dem lächerlichen Hinweis, daß die deutsche Opposition auf ein Ergebnis warte, um dem Fiskalpakt zuzustimmen. Judas Ischariot hat für seinen Verrat wenigstens 30 Silberlinge bekommen, Merkel gar nichts. 120 Milliarden für den sogenannten Wachstumspakt waren schon vorher ausgehandelt worden, ansonsten hat sie die Erlaubnis für die Damen und Herren Abgeordneten mitgebracht, rechtzeitig in den Urlaub zu fliegen.

Dabei wäre die umgekehrte Erpressung viel einfacher gewesen: Entweder Ihr kommt mir entgegen, oder unser Parlament geht in die Sommerpause. Italien und Spanien müssen dann leider bis Oktober durchhalten, bevor der ESM in der BRD verabschiedet wird. Und ohne das Placet der BRD gibt es keinen ESM und damit keine Hilfen. Schöne Ferien wünschen, Umdrehen, ein paar Schritte gehen – und ob des Wutgeheuls freundlich nachfragen, ob man einen Arzt holen soll. Fünf Minuten später wären Rajoy und Monti handzahm gewesen und weitere 15 Minuten später hätte Merkel als Siegerin nach Hause fahren können. Aber dazu muß man ein bißchen mehr beherrschen als deutsche Volldemokraten wegzubeißen.

Quelle: Michael Winkler

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