Libyen: die „Rakete der Jamahiriya“

von John Schacher

Saroukh el-Jamahiriya (Libyan Rocket) 2009



Hier abgebildet die 2009er Version von Muammar Gaddafis „Saroukh el-Jamahiriya (Libyan Rocket)“, einem Auto, das sein Debut schon 1999 gab, genau vor 10 Jahren.

Die “Libysche Rakete”, wie der Prototyp genannt wird, ist ein “eleganter Sedan”, mehr als 6 Meter lang, mit einem 3-Liter V-6-Otto.

Laut der BBC und Fox News verfügt der Wagen auch über Airbags, ein nicht näher spezifiziertes „elektronisches Sicherheitssystem“ und spezielle Stossfänger.

Das Auto kann mehrere hundert Kilometer mit platten Reifen zurücklegen, eine Eigenschaft, die in der libyschen Wüste von größter Bedeutung ist. Andere Sicherheitselemente verhindern einen Fahrzeugbrand nach einem Unfall.

Domenico Morali, Chef von Tesco TS SpA, einer Fahrzeug-Designschmiede in Turin, Italien, erzählte, dass Qaddafi die Besprechungen über das Design des Wagens liebte und auf der Verwendung von in Libyen erzeugten Materalien bestand, unter anderem Leder und Bezugsstoffe.

Der Wagen wurde in Tripolis am Ende des Gipfels der Afrikanischen Union vorgestellt.

Laut BBC wurde mit dem Bau einer Fabrik zur Fertigung des Wagens in/bei Tripolis im Oktober 2009 begonnen.

Wikipedia informiert aktuell hierzu:

Nach einem Bericht auf der arabisch-sprachigen Webseite 3nabi.com soll Gaddafi sogar bei den Machern der James-Bond-Filme angefragt haben, ob der Saroukh el-Jamahiriya zu Reklamezwecken in einem der nächsten Filme eine passive Nebenrolle erhalten könne.

Nach der Eroberung der Stadt Tripolis während des libyschen Bürgerkrieges durch Truppen der Rebellenarmee, hatte man beschlossen alle von Gaddafi ins Leben gerufenen Organisationen mit sofortiger Wirkung zu eliminieren und die Konten der libyschen Unternehmen wie auch die von Politiker auf verdächtige Transaktionen zu untersuchen, welche letztlich insbesondere Fälle von Korruption und Bestechung durch ausländische Unternehmen aufdecken sollten. Das Projekt des Saroukh el-Jamahiriya war damit offiziell beendet.

Quelle: aada-african-car.blogspot.de

7 Gedanken zu „Libyen: die „Rakete der Jamahiriya“

  1. Danke John.
    Es ist ja schön, dass man diese Ami-Fahrzeuge verbessert hatte, denn das ist in der Regel auch dringend erforderlich. Es sind sehr oft „Machtbox-Autos“ mit großem Benzinschlucker alter Technik und auch ansonsten eher als Vorzeigeobjekt vor dem Haus geeignet und wenn der Nachbar zwei hat, dann eben zwei mit Haupteigentümer Bank und etliche Nebenjobs und Kreditkarten, um die Zinsen zu stemmen, bis bei Wegfall eines Jobs das Kartenhaus des „American way of life“, der schon Geschichte ist, zusammenbricht.
    Ich hatte vor 18 Jahren auch mal einen Benzinschlucker aus den USA. Das macht man nur einmal oder besser gar nicht.

  2. Mich begeistern autops und Technik generell nicht und will anderen zugestehen, dass sie das toll finden, aber generell bin ich der Meinung, dass Staatskarossen abgeschafft gehören, als Beispiel der Spar- und Enthaltsamkeit und des Antiprolletismus.

    Prestigeprojekte sind doch etwas für eine Welt der Eitelkeit und des Prolletentums.

    Wenn es nach mir ginge, müsste Merkel einen Trabi fahren.
    Soweit ich weiß, ist hier Fidel ein Vorbild(?)

    Also ich habe vor fast 10 Jahren mein Auto abgemeldet und fahre nun Rad mit Anhänger und mich kratzt es nicht die Bohne, was andere darüber denken. Die finden dann solche Prestigeprojekte toll und haben Mitleid mit Radfahrer Dref. Aber Dref hat auch Mitleid mit Leuten, die auf so Gedanken kommen…

    1. @ Dref
      das Auto-Projekt war ein Symbol der inneren Stärke und des von Muammar eingeschlagenen Weges, alles möglichst auf dem afrikanischen Kontinent zu erzeugen, was dort benötigt wird. Mit dem Rad oder dem Trabbi wären die Strecken in Afrika wohl nicht mach- oder überlebbar…
      Fidel hatte weder das Geld noch die Ressourcen für so ein Projekt – ob der alternativ eine Fahrradfabrik auf Kuba betreiben liess, weiss ich nicht…
      herzlich
      jo

  3. Das war ja nur eine reine persönliche Ansicht und keine Kritik. Was bringt den Rockern in Libyen dieser Schlitten? Läßt sich da drauf eine Kanone montieren oder ein Kamel transportieren? Dort fährt man Toyota. Wo ist der libysche Toyota?

    Das ist halt Prestige, Prestige wie wenn sich Guttenberg Haargel reinschmiert. Braucht man nicht. Man braucht Volkswagen und nicht Prolletenwagen.

    Mag ja sein, dass Fidel auch ein eitler Prollet ist und von so einem Schlitten träumt. So sieht er mir aber nicht aus.

    Mag ja sein, dass meine Meinung hier nicht gefällt, aber Gaddafi ist – wie viele andere – halt auch sehr eitel.

    Das Argument mit Afrika, ist natürlich was wert. Aber ob der Nobelschlitten im Slum von Nairobi gut ankommt und die Hoffnung steigert, weiß ich nicht.

    Auf der anderen Seite war „Shaft“ für die Afroafrikaner auch ein wichtiges Symbol, aber den konnte auch jeder mit einem Fernsehen genießen.

  4. Weißt Du Jo! Die ganzen Videos von Libyen sind doch eine einzige Werbeveranstaltung von Toyota. Den Markt hätte Gaddafi bedienen können!
    So sehe ich das…

    Beispiel hier:

  5. @Dref
    Ich wollte es nur nicht so deutlich wie Du ausdrücken und Oberst Quadhafi zu seinem Geburtstag nicht die Freude über diese Autos verderben. 😉
    Ansonsten sehe ich auch das als Teil der Amerikanisierung oder kulturellen Indoktrination, was leider dann auch für zu viel „Verständnis“ für die USA in der Bevölkerung führt und die Verteidigungsbemühungen lähmen kann, vorher mehr US-Vertreter ins Land lässt, die bei dieser Doktrin natürlich zur Wahrnehmung der eigenen Interessen gegen die Interessen des Landes arbeiten, usw.

    In Deutschland haben zumindest einige dieser Autos wenig Chancen wegen der schlechten Qualität, bei Amerikanisierung seit Ende des II. Weltkrieges auch ohne diese Fahrzeuge.
    Natürlich teile ich auch ansonsten Deine Auffassung, dass man auf ein Auto verzichten kann oder sollte, wenn möglich, was jedem seine eigene Entscheidung ist. Man denke aber nur daran, wie der Autofahrer mit allen möglichen Steuern und weiteren Ausgaben gemolken wird. Gerade für Autobesitzer wird ja jeden Tag besonders deutlich, dass „Netto“ gar nicht gleich Netto ist.

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