die Illusion des freien Willens

von Dr. med. Ulrich Mohr

Der freie Wille ist das Hätschelkind eines verängstigten Verstandes. Wer nicht fühlen und nur denken kann, ist zum Zweifeln vor allem über die Zukunft verurteilt. Da Zukunft nie sicher ist, liegt es nahe, alles unter Kontrolle bringen zu wollen. Und Zukunft ist nicht das nächste Jahr, der nächste Monat, die nächste Woche, ja noch nicht einmal der nächste Tag, die nächste Stunde oder Sekunde. Die Zukunft ist der NÄCHSTE Moment, jener mathematisch unendlich kleine Punkt auf der Zeitachse Deines Lebens. Grund genug also, sich ständig zu ängstigen. Doch dies gilt wohlgemerkt nur, wenn man „im Kopf festhängt“ anstatt entspannt seiner Intuition zu folgen.

Die Verlagerung der Lebensführung vom Kopf zurück in den Bauch ist somit die große Chance für eine echte Bereicherung des täglichen Lebens. An dieser Erkenntnis laufen nahezu alle neuzeitlichen psychologischen und psychotherapeutischen Modelle vorbei. Angst macht blind. Dabei sind die entlarvenden Fakten so öffentlich, wenn es um die vermeintliche Kontrollierbarkeit der Zukunft geht. Es ist alles Schall und Rauch. Doch wie gesagt, es gibt keinen Grund, davor in Angst zu erstarren. Es lebt sich sehr viel leichter, schöner und erfüllter, wenn man nicht mehr verkrampft diese Illusion des schöpferischen, freien Willens aufrechterhalten muss.

Gott/das Leben/die Einheit würfelt nicht. Für das menschliche Dasein gab es nicht, gibt es nicht und wird es nie den geringsten Freiheitsgrad geben. Allerdings gibt es dann auch keine Abhängigkeit. Das ist die zugleich gute Botschaft. Denn alles ist EINS, somit ist die Trennung zwischen Schöpfer und Schöpfung nichts als eine irrige Konstruktion des menschlichen Verstandes. Alles ist in-formierter Äther, in Gestalt gebannter sich ständig wandelnder Äther (ein Begriff für das teilchenlose Kontinuum, zu dem Einstein im Alter wieder zurückfand) . Alles Existierende ist Wirbel in einem unendlichen Feld. Allein die Bewegung erzeugt in der Wahrnehmung Raum und Zeit, als wohlgemerkt nur relative Größen. Erwarte nicht, dass Du das soeben Gesagte wirklich verstehen kannst. Seine Richtigkeit ist nur zu erahnen, weil der Verstand nicht mit Unendlichkeit umgehen kann. Er ist ein Kind der Spaltung, der Zwei-heit, des Zwei-fels und damit dieser polaren, materiellen Welt.

Alle verzweifelten Versuche, die beobachtbare Wirklichkeit in die Richtung freier menschlicher Schöpferkraft und Willens beugen zu wollen, erzeugen nur und ausschließlich Probleme. Die einzig denkbare Freiheit ist die Freiheit des Bewußt-SEINS jenseits der menschlichen Existenz. Allerdings stellt sich hier die berechtigte Frage, ob es jenseits von Raum und Zeit, überhaupt noch Sinn macht, von Dingen wie z.B. Freiheit zu sprechen. Ich sage, sicher nicht.

Die gängigen Erklärungsmodelle dieses Universums übertreffen sich gegenseitig in dem Versuch, die zwischenzeitlich offensichtliche Einheit aller Dinge zu respektieren. Andererseits will man sich auf Biegen und Brechen die Nische des freien Willens erhalten: „Meine Gedanken und mein Wille gestalten meine Zukunft.“ Wer so denkt und handelt, hat ein Weltbild mit Ausnahmen. Doch Naturgesetze kennen keine Ausnahmen. Der Mut auf den Verzicht dieser ökologischen Nische für den Verstand trägt hingegen reiche Früchte.

Ich schreibe das so radikal klar, weil ich der Überzeugung bin, daß wir Menschen an einem Punkt angelangt sind, wo wir uns dieser Tatsache öffnen und stellen können.

Das Wissen war in den großen Weisheitslehren der letzten Jahrtausende immer schon verborgen. Doch nur wer angstfrei genug ist, kann es sehen. So weit müssen wir allerdings nicht zurückgehen. Die Quantenphysik hat schon einige bekannte Physiker demütig werden lassen. Dem Laien gestattet sie nicht weniger dieselbe Chance.

Der Vorstoß der Physiker hat zum Erstaunen vieler Menschen unerwartet deutlich die zentralen Aussagen der großen Weisheitslehren und Religionen bestätigt. Demnach gibt es nicht nur keinen kleinsten Baustein der Materie. Es gibt noch nicht einmal die Trennung von Energie und Materie. Alles ist Energie in unterschiedlichem Schwingungszustand, alles ist eins, alles ist vernetzt, auf allen Ebenen.

Beeindruckende Versuche zeigten, daß die allerkleinste Veränderung an einem festgelegten Ort zeitgleich an jedem beliebigen anderen Ort der Erde zu zeitgleichen Veränderungen führt. Aus diesen Beobachtungen formuliert die Chaosphysik die vielfach zitierte Aussage, daß ein Schmetterlingsflügelschlag in China eine Lawine in den Alpen auslösen kann.

Wenn wir von der quantenphysikalisch nachweislichen Vernetzung der Dinge reden, wird es überflüssig von Aktion=Reaktion, Resonanz oder Karma zu sprechen. Denn auch der allerkleinste und „flüchtigste“ Vorgang ist Teil des Ganzen. Jede Bewegung kann daher nichts im Aussen bewirken, denn ein Aussen gibt es nicht.

Alles ist EINS, somit gibt es real kein Aussen und Innen, keine Ursache, keine Wirkung, immer nur ein „zugleich“ und ein „sowohl/als auch“. Die Trennung ist eine Folge der eingeschränkten menschlichen Wahrnehmung. Unsere Sinne suggerieren uns das, weil sie nur Bruchteile der Einheit wahrnehmen können. Das ist lebensnotwendig. Ohne diese Einschränkung der Sinne würden wir zugleich alles wahrnehmen und somit aufgrund von „Datenüberlastung“ sogleich handlungsunfähig werden wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange. Unser eingebildetes Getrenntsein ist also gleichzeitig Voraussetzung unserer menschlichen, irdischen Existenz.

Eine weitere Konsequenz dieser radikal klaren Sicht ist die Allgegenwärtigkeit der Ereignisse, die wir nach unserem Zeitverständnis als Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einordnen würden. Diesen Umstand kann man als Synchronizität bezeichnen, alle Ereignisse sind gleichzeitig existent (anschaulich dargestellt von Michael Talbot in seinem Buch „Das holographische Universum“, auch wenn seine Schlußfolgerungen am Ende in die obengenannte Falle tappen). Das EINE ist wie ein großes Fotoalbum. Alles ist da, nur auf verschiedenen Seiten. Auch Dein Leben kann daher nur ein Fotoalbum sein (siehe beispielsweise unter dem Stichwort Palmblattbibliotheken).

Es ist daher unsinnig und unlogisch von einer gestaltbaren Zukunft auszugehen. Im übrigen sollten wir nicht vergessen, daß sich das Bedürfnis nach Kontrolle, Manipulation und Veränderung ausschließlich aus der individuellen Bewertung von Ereignissen ergibt. Was gut und schön ist, will man wiederholen, was unangenehm, schlecht ist, will man vermeiden. Einzig aus diesen Bewertungen, die sich in den geltenden moralischen und ethischen Vorstellungen niederschlagen, erwächst das ganze „Elend“ der Menschheit. Die daraus erwachsenden Handlungsimpulse führen oft zur Kollision mit den Interessen anderer. Sie reichen vom einfachen Streit zwischen Nachbarn bis zum Weltkrieg.

Bewertungen sind unsinnig, aber lebensnotwendig, weil sie Spannungen erzeugen. Ohne Spannung gibt es keinen Strom, keine Bewegung und kein Leben. Bewertungen sind Illusion, denn alles ist Eins. Für Bewertungen braucht man hingegen mindestens zwei Pole. Wer das nicht nur mit dem Verstand erdenken kann, sondern mit dem Bauch erfühlt, wird sich sehr viel gelassener und lebendiger finden. Die Taoisten bezeichnen das sinngemaß als Sein im Fluß des Lebens, als „Wu Wei“. Es ist das Sein, frei von jeglichem Widerstand, frei schwingend zwischen den Polen von Freude und Trauer…

Die Essenz dieser Betrachtungen ist altbekannt: Wir SIND EINS mit allem. Die Trennung ist eine Illusion, die unsere begrenzten Sinne erzeugen. Unser Leben ist eine Reise zurück zur Wiederentdeckung eines Seinszustandes, den wir nie verloren haben, ja nie verlieren konnten. Ist nicht das alleine schon sehr tröstlich?

Wir werden durch geschicktes Heil, geschicktes Sal, Schicksal, mit anderen Worten durch die negativen, zerstörerischen, auflösenden Ereignisse des Lebens geradezu angesogen, zu diesem Zustand echter Liebe zurückzufinden. Mit Liebe ist dabei keineswegs die menschlich irdische Interpretation gemeint. Diese kleine Ausgabe der universellen Liebe genügt an dieser Stelle nicht. Universelle Liebe ist emotionslos, so brachial, brutal und blutrünstig wie andererseits liebkosend und betörend, ganz so, wie es der Moment erfordert (weiterführende Literatur: „Von der Brutalität der Liebe“ und Khalil Gibran „Der Prophet“, Von der Liebe).

Alle Energieebenen des Menschen korrespondieren miteinander, denn alles ist EINS. Sie sind sozusagen synchron „geschaltet“. Unser Körper spiegelt den erreichten Punkt unserer Ent-wicklung punktgenau.. Er zeigt uns, wo wir auf dem Weg der Wiederentdeckung der Liebe angelangt sind. Dabei sind es einzig und allein unsere bewußten und unbewußten Aktivitäten, die uns von diesem „Ziel“ trennen. Aktivitäten, die ausschließlich aus unseren Bewertungen erwachsen. Wer will schon gerne anerkennen, daß es für ihn richtig und wichtig sein könnte, krank zu werden, zu verhungern, zu verdursten, zu erfrieren, ermordet zu werden, und was wir sonst noch als Bedrohung empfinden mögen.

Der parallele, identische Informationsgehalt der Energiefelder „Gemüt/Wesen“ und „Körper“ gibt einmal erkannt dem Menschen die einmalige Gelegenheit, sein Innenleben am Körper abzulesen. Es ist keine psychoanalytische Erforschung der Tiefen des menschlichen Wesens mehr erforderlich.

Man kann es natürlich weiterhin tun, wenn man es kompliziert liebt. Das ist jedermanns gutes Recht, und das meine ich im vollen Ernst. Um Echt zu sein müssen wir immer unserem gefühlten „warmen“ Glauben und nicht unserem „kalten“ Denken folgen. Nur das hält die Dinge im Fluss (weiterführende Literatur: Simplonik-Handbuch und „Die menschliche Schule“). Es gilt somit, dass alle Veränderungen, die vom hochbeweglichen, kraftvoll-jugendlichen Zustand abweichen, Folgen blockierter Energie sind. Dazu gehört der tatsächlich gar nicht normale Alterungsprozess, wie ihn die Mehrheit heutzutage erfährt.

Welche Bedeutung haben nun diese Fakten für das konkrete Leben? Im ersten Augenblick sagt der beleidigte Verstand vielleicht: „Wenn das so ist, daß alles vorbestimmt ist, dann ist sowieso alles egal. Dann kann ich die Hände in den Schoß legen und mache nichts mehr!“ Wenn Du der hier geführten logischen Gedankenkette gefolgt bist, wirst Du nun schmunzeln. Wenn alles EINS ist, dann gehören diese schmollenden Gedanken genauso zum Gang Deines Lebens. Selbst die Betrachtungen dieses Artikels und wann sie Dich erreichen, gehören zum Plan, den niemand gemacht hat, denn alles IST EINS.

Doch genau das, sich schmollend in die Ecke setzen, kann und wird keiner tun. Ich tat es auch nicht, obwohl ich über 10 Jahre mit dem Thema gerungen habe, mich widersetzt habe, gezweifelt habe. Ich konnte es jedoch nicht mehr aus meinem Bewusstsein verbannen. Und es war gut so, denn am Ende ist die Hingabe an diese unumstößliche Wirklichkeit (Wahrheiten gibt es in meinem Sprachgebrauch so viele, wie es Menschen gibt) ungemein positiv und belebend. Ich habe erfahren, dass das Thema jede Bedeutung verliert, wenn man aufgibt. Es lebt sich so viel entspannter und damit fühlender und erfüllter.

Du wirst Dich tatsächlich nicht in die Ecke setzen, denn der fortwährende Strom Deiner Gedanken und Gefühle wird Dich in Bewegung halten. Deine gefühlten negativen Grundannahmen werden Dich in Bewegung halten. Sie sind der Antrieb Deines Lebens. Nur wenn uns etwas fehlt, setzen wir uns in Bewegung, siehe hierzu auch Artikel „Der letzte unentdeckte Ur-Krieg in Dir“.

Das Wissen, daß alle Handlungsimpulse aus oberflächlich-menschlichen Bewertungen entstehen, ändert nichts und löst nichts. Aber es macht ruhiger und wie schon gesagt, das Leben gefühlvoller. Dein Leben wird mehr ein Erleben auf der Reise ins Licht. Ausgestattet mit dem Wissen über die Illusion des freien Willens wirst Du Deinen Weg weitergehen, klarer, wacher, bewußter, ein bischen mehr Buddha im täglichen Leben.

Und weil es so unendlich wichtig ist, wiederhole ich Deinen Gewinn aus der aufrichtigen und kritischen Auseinandersetzung mit diesem „heissen“ Thema. Das Einverstandensein nach sorgfältiger Prufung der Fakten und der ihnen innewohnenden Logik wird Dir:

  • Vertrauen spenden und Gelassenheit vermitteln
  • Vertrauen spenden, daß Dein Weg, ein aus sich heraus wertvoller Weg ist, den niemand sonst gehen kann
  • Vertrauen spenden, daß Dein Weg, ein unverzichtbarer und untrennbarer Teil des Ganzen ist
  • Vertrauen spenden, dass Dein Weg früher oder später nach sinnen-voll erfahrenen und durchlebten Widerständen im EINEN der Liebe aufgehen wird
  • das Wissen erschließen, daß jeder andere Mensch gleichgültig, ob er seinen Weg als Pfarrer oder als Mörder, als Mann oder als Frau, als Schwarzer oder Weißer sein Leben geht, ein unverwechselbarer und unersetzlicher Teil des Ganzen ist
  • das Wissen erschließen, dass Dir jede Begegnung mit Situationen und Menschen alles über Dein aktuelles Innenleben vermittelt
  • zur inneren Öffnung, zum Echt-Sein gereichen, was mit der Bereitschaft einhergeht, auch mißliche Umstände wie Krankheit, Armut, Einschränkungen der verschiedensten Art anzunehmen und deren Wert zu erkennen – mit Erkenntnis des Sinns leidet es sich leichter
  • nicht zuletzt nahebringen, daß andere Weltbilder, andere Religionen, alle Therapien, überhaupt andere und scheinbar vollkommen gegensätzliche Anschauungen nichts anderes als individuelle Filter dieser einen alles umfassenden Wirklichkeit sind.

Alles ist eins, alles ist Liebe, auch das vermeintlich Negative! Alles ist so, wie es ist! Ich bin so, wie ich bin und das ist in Ordnung! Ich bin vollkommen, alles andere ist sachlich unmöglich.

Ulrich Mohr
www.menschenverstand.net

19 Gedanken zu „die Illusion des freien Willens

  1. Der freie Wille ist das Hätschelkind eines verängstigten Verstandes.

    Der freie Wille (Betonung auf „Freiheit“) ist ein Postulat, kann also nicht bewiesen aber vorausgesetzt werden. (Die Voraussetzung lässt sich natürlich auch bestreiten.)
    Merke: So geht Philosophie.
    Freier Wille in der Geschichte der Philosophie pdf
    http://www.wissiomed.de/mediapool/99/991570/data/Freier_Wille_in_der_Geschichte_der_Philosophie_und_Religion.pdf

    Nach Immanuel Kant, einem der bedeutendsten deutschen Philosophen:
    „Ein solches Postulat, ist zunächst die Willensfreiheit. Abgesehen von der psychologischen Freiheit, welche nach Kant nur ein innerer Determinismus, ein Bedingtsein des Handelns durch Triebfedern, nur die »Freiheit eines Bratenwenders« ist, muß es eine absolute Freiheit als Autonomie des Willens geben, soll dieser sittlich sein können (Das Kantsche: »Ich kann, denn ich soll« wird hier gerechtfertigt). Die sittliche Freiheit ist die Unabhängigkeit von allem Naturgesetzlichen, auch von der psychologischen Gesetzlichkeit, die Fähigkeit des Vernunftwillens, rein sich aus sich selbst zu bestimmen, sich selbst das Gesetz zu geben,(…) Eine solche Freiheit ist kein Gegenstand sinnlicher Erfahrung, muß aber ethisch gefordert werden.“
    http://www.textlog.de/kant-81.html

    Der Wille ist bei Kant zweifelsfrei definiert:
    „KANT bestimmt den Willen als Kausalität der Vernunft, als Vermögen, nach Prinzipien zu handeln, ein in der Vernunft begründetes Begehrungsvermögen (…), ein Vermögen der vernünftigen Wesen, »ihre Kausalität durch die Vorstellung von Regeln zu bestimmen« (Krit. d. rein. Vern. S. 38). »Verstand und Wille sind bei uns Grundkräfte, deren der letztere, sofern er durch den ersteren bestimmt wird, ein Vermögen ist, etwas gemäß einer Idee, die Zweck genannt wird, hervorzubringen« (…). Der Wille ist ein Vermögen, »der Vorstellung gewisser Gesetze gemäß sich selbst zum Handeln zu bestimmen« (…). Reiner Wille ist ein solcher, der nicht sinnlich- empirisch, sondern »ohne alle empirische Bewegungsgründe, völlig aus Prinzipien a priori« bestimmt wird (…). Der Wille »ist nichts anderes als praktische Vernunft«. Der vernünftige Wille ist »ein Vermögen, nur dasjenige zu wählen, was die Vernunft unabhängig von der Neigung als praktisch notwendig, d. i. als gut, erkennt« (…).“
    http://www.textlog.de/5472.html

    Ich fasse vorläufig mal zusammen:
    1. Über Freiheit und frei sein lässt sich trefflich streiten
    2. Der Wille ist eine Möglichkeit des Handelns aus dem Denken

    Zu den o.g. Begrifflichkeiten „Verstand“ und „Vernunft“:
    „Der Verstand ist in der Philosophie das Vermögen, Begriffe zu bilden und diese zu Urteilen zu verbinden. Die heutige Verwendung des Begriffes wurde maßgeblich von Immanuel Kant geprägt, der dem Verstand häufig die Vernunft gegenüberstellt, ihn aber auch von der Wahrnehmung (siehe auch Empirie) unterscheidet.“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Verstand
    „Der Begriff Vernunft bezeichnet in seiner modernen Verwendung die Fähigkeit des menschlichen Denkens, aus den im Verstand durch Beobachtung und Erfahrung erfassten Sachverhalten universelle Zusammenhänge in der Welt durch Schlussfolgerung herzustellen, deren Bedeutung zu erkennen, Regeln und Prinzipien aufzustellen und danach zu handeln. (…)
    Die in der Neuzeit, angestoßen von Meister Eckart und Luther, sich entwickelnde Verwendung wurde von Immanuel Kant in der Kritik der reinen Vernunft so formuliert, wie sie in der Moderne weitgehend üblich geworden ist. Danach ist die Vernunft das oberste Erkenntnisvermögen, das den Verstand, mit dem die Wahrnehmung strukturiert wird, kontrolliert und diesem Grenzen setzt bzw. dessen Beschränkungen erkennt. Sie ist damit das wichtigste Mittel der geistigen Reflexion und das wichtigste Werkzeug der Philosophie.“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Vernunft

    Ich halte fest: „Verstand“ umschreibt eine bestehende Fähigkeit, „Vernunft“ die Art und Weise diese Fähigkeit praktisch anzuwenden.

    Damit sie angewendet werden kann, bedarf es allerdings des Willens (s.oben) dazu. Bei Kant, der nichts weniger als sittliches Handeln und den sittlichen Menschen forderte, ist das in einer seiner berühmtesten Aussagen so formuliert:
    Immanuel Kant – Freier Wille
    http://www.youtube.com/watch?v=4LB5YFmxlXQ

    Es zeigt sich also, dass dieser Autor offensichtlich nicht recht hat: „Der freie Wille ist das Hätschelkind eines verängstigten Verstandes.“ (Zitat, Dr. Mohr)
    Noch schlimmer: Er schliesst vielleicht von sich(?) auf Andere, indem er freien Willensträgern, die doch – nach Kant – zunächst ihrem Verstand (und sodann selbstverständlich der Vernunft folgen), „Angst“ unterstellt und rät ihnen geradezu ab ihren Verstand zu gebrauchen!

    Wer nicht fühlen und nur denken kann, ist zum Zweifeln vor allem über die Zukunft verurteilt.

    Wer sagt denn, dass Denken nur ohne Fühlen (Gefühl) geht? Zumindest bei Kant ist das Gefühl (die Sinnlichkeit) Teil des Denkens, das den Verstand ausbildet und zu vernünftigem Handeln führt:
    „Ohne Sinnlichkeit würde uns kein Gegenstand gegeben, und ohne Verstand keiner gedacht werden. Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind. Daher ist es ebenso notwendig, seine Begriffe sinnlich zu machen (d. i. ihnen den Gegenstand in der Anschauung beizufügen), als seine Anschauungen sich verständlich zu machen (d. i. sie unter Begriffe zu bringen). Beide Vermögen oder Fähigkeiten können auch ihre Funktionen nicht vertauschen. Der Verstand vermag nichts anzuschauen, und die Sinne nichts zu denken. Nur daraus, daß sie sich vereinigen, kann Erkenntnis entspringen“,“ ff.
    http://www.textlog.de/32629.html

    Und warum sollte man gerade über „die Zukunft“ keine Zweifel (nicht zu verwechseln mit: Angst) haben, nachdem einem doch der normale Menschenverstand über die Schau der Gegenwart genug Hinweise darauf gibt, dass die Zukunft noch viel übler werden kann, falls die massgebenden Gegenwartsveranstalter nicht in ihrem Tun aufgehalten werden?

    Wer die Hosen so voll hat wie Dr. Mohr, der sollte besser in ein christliches oder buddhistisches Kloster gehen, um dort seinem geliebten „Schöpfer“ besonders nah sein zu können, statt Anderen den Rat zu geben das Denken einzustellen und bloss noch „entspannt seiner Intuition zu folgen“. Was nichts anderes heisst als sich den Herrschenden komplett zu ergeben und jeden Widerstand einzustellen. In seinen eigenen Worten:

    Alle verzweifelten Versuche, die beobachtbare Wirklichkeit in die Richtung freier menschlicher Schöpferkraft und Willens beugen zu wollen, erzeugen nur und ausschließlich Probleme. Die einzig denkbare Freiheit ist die Freiheit des Bewußt-SEINS jenseits der menschlichen Existenz. Allerdings stellt sich hier die berechtigte Frage, ob es jenseits von Raum und Zeit, überhaupt noch Sinn macht, von Dingen wie z.B. Freiheit zu sprechen. Ich sage, sicher nicht.

  2. @ Beobachter

    D’accord!

    Was sagt der Text eigentlich aus, hinterläßt er etwas?
    Das ist ein Vortrag eines Seminarleiters, eine Predigt für einen geschlossen Kreis Gleichgesinnter. Da gibt es keinen Freiraum, keinen Ansatz für eine Auseinandersetzung. Wie selbstverständlich zitiert er irgend etwas herbei, das nun mal so sei, wie es ist. Punkt. Ohne Begründung. Mit Verlaub, das sind Versatzstücke, völlig einerlei irgendwo herausgerissen aus dem Zusammenhang. Da läßt sich folglich auch nichts gewinnen. So folgen denn auch nach der Vorstellung nur Behauptungen. Ohne Herleitungslogik und jegliches dialektisches Prinzip.

    Christliche Bezüge sehe ich da nicht vorschimmern, eher fernöstliche Referenzen, aber auch diese nur herhaltend für seine Prophetie. Postmoderne Esoterik in etwa. Was wird hier aufgebaut, was wird hier zerstört, mit solchem absoluten Anspruch? Da spricht der Geist der NWO sich aus: Alles ist gleich, alles intuitiv, alles leicht. Und Krankheit selbstverschuldet, alles ist erklärbar mit einfachsten Mitteln. Und immerzu diese suggestive Sprache/Haltung, mit der mich der Vortragende unter eine Decke ziehen will. Nie kommt er überhaupt auf die Idee, ich könne seiner Sicht nicht zustimmen, immerfort erstellt er die Ausgangslage, wie eine Mauer. Wie sollte ich da zu Wort kommen, bzw. Gedanken entwickeln können?

    Ich will Herrn Dr. med. Mohr ja seine Erfahrungen nicht absprechen, aber was im Alltag mit Patienten sich alles herauskristallisiert, muß zwangsläufig nicht zu solchen Erklärungsmustern generieren.

    Schade, hier werden Themen angesprochen, die wahrlich grundsätzlicher Natur sind.

    Mit Kant habe ich eine Nuß zu knacken, das ist konzentrierte und gegossene Sprache, das ist Kulturleistung, zeitlos. Er schöpfte aus einem riesigen Fundus von Jahrhunderten, er faßte als Spätgeborener zusammen. Danach Epochenwechsel. Und in Kant spricht sich noch das religiös Christliche aus.

    Und jetzt sollen wir also das alles vergessen, damit wir uns einfach wohlfühlen.
    Wir tragen gerade unsere Kultur ab, es bleiben nicht mal mehr die Fundamente übrig. Auf was sollte da noch gebaut werden können?

    Und: Da steigt kein Phönix aus der Asche! Nur Chaos und Tod. Oder muß Libyen etwa sich noch selbstreinigen?

    Ich bemerke, ich werde immer kurzgehaltener, wenn ich schreibe. Diese Wegbrechen von Selbstverständlichkeiten um mich, macht einfach nur noch sprachlos.

  3. Das Gefühl der Trennung mit dem Ganzen bringt Leid auf vielen Ebenen und untergräbt allerdings die Vernunft.

    „Der Wille »ist nichts anderes als praktische Vernunft« – und…

    dabei werden Prioritäten gesetzt.

    Vernunft kann aber an sich nicht wirklich ohne ein grundsätzliches spirituelles Geistestraining, welches das Wohl des gesamten Planeten beinhaltet existieren, da wir ansonsten nur auf das reagieren, was für uns nur persönlich oder wirtschatlich Sinn ergibt, Zwang bei der Arbeit. Wenn wir der reinen Vernunft Folge leisten könnten, einer Vernunft, die das Beste zum Wohle allen Lebens auf dem Planeten beinhalten würde, ganz ohne Zwang, dann würde die Welt wahrscheinlich besser aussehen durch wohlwollende Entscheidungen (Raubtier-Kapitalismus wäre ein Tabu).

    So aber liegt die Welt in den Händen religiös trainierter, aber nicht immer spirituell entwickelter Menschen (leider sag ich das mal arroganter Weise so), einfach, weil religiös und rein wirtschaftlich trainierte Menschen sehr oft Entscheidungen treffen, die unvernünftig sind und indirekt sogar oft „Gott spielen“, indem sie alles in unserer Welt hin zu eher „leblos“ verändern, sogar unsere Nahrung/Wasser/Luft/Land/Gene, und immer wieder diese Profit-Kriege zulassen etc. – untermauert durch ein Lügengeflecht, welches zu durchbrechen oft Jahrhunderte dauert (durch Geheimhaltung der wahren geschichtlichen Beweise).

    Es wäre ideal, wenn die Machthaber der Welt in allen führenden Positionen eine ethisch unkorrumpierbare Haltung zu den Problemen der Welt entwickeln würden, die auf Weisheit und Vernunft basiert, damit gewisse Täuschungen, auch die der Vernunft alleine, (z. B. durch falsche Schlussfolgerungen), besser erkannt werden können.

    Ich plädiere auf spirituell trainierte Vernunft in Verbindung mit Weisheit, die sich für das Leben und nicht nur materiellen Profit einsetzt. Wie so was aussehen könnte, kann man ja gemeinsam erarbeiten. Unsere kollektive Weisheit sollte da zu Rate gezogen werden, denn gemeinsam wissen wir mehr – also nicht nur einen einzigen Experten befragen, sondern auch normale Menschen mitreden lassen, denn schließlich sind es wir, die die Suppe der Unvernunft auslöffeln müssen.

    Vernunft und Weisheit und Liebe bilden eine Einheit die es gilt zu fördern. Politiker, Bankiers, und Konzernbosse, denen nur der Shareholder und Stakes im Leben etwas bedeuten, ohne Rücksicht auf Verluste sind ein gutes Beispiel für große Intelligenz in Verbindung mit Unvernunft (=gegen das Leben/Natur ausgerichtete Entscheidungen), die ganz und gar nicht auf nicht Weisheit basieren (Weisheit erscheint eher lebensbejahend). Die tiefere Liebe wird unter den Tisch gekehrt und belacht (da es nicht wichtig ist in der NWO und bei den NGO’s).

    Wie gesagt, es ist klar erkennbar, daß das Gefühl des „Getrennt-SEINS“ vom Ganzen zu falschen Entscheidungen führt. Es gilt eine Balance zu entwickeln zwischen Gemeinschaft und Individuum und geistigen persönlichen Erkundungen und Frei-RÄUMEN (spirituellen Untersuchungen, die frei sind von Indoktrination und Dogma und Wertungen), damit wir herausfinden können, was uns in Harmonie bringt mit dem, was uns alle als Ganzes immer umfaßt (umarmt regelrecht – eben das Leben an sich ist eine Totalumarmung von „Gott“ (?) – oder der „Ursprungs Weisheit“ :-).

    Patanjali hat in seinen Sutren dazu mehr zu sagen und vieles was er sagt, kann unsere westliche Spiritualität, z.B. der Runen/dem mystischen Christentum nur hervorheben.

    http://www.wellnessverband.de/herz/stress/sutras-teil1.pdf

    Viel Glück bei der Findung einer Balance zwischen Vernunft, Weisheit, und Liebe. Vielleicht wird diese Suche helfen unsere getrennte Existenz als Einheit zu erkennen – als „Heil“ sein im Sinne von innerer Heilung.

    Ich finde das viele Konzepte in den alten Sutren von Patanjali durchaus in der Politik anwendbar sind.

    Sehr interessanter Beitrag heute. Der Beitrag über die Vernunft (Emanuel Kant) ist auch super interessant.

    Vielen Dank!
    —————————————
    „Your true meaning cannot be grasped or captured by words. You can never be equated with any words, because you are prior to words.“ ~Shrii Nisargadatta Maharaj

    Don’t let the past steal your present. ~Cherralea Morgen

  4. @ Mondhase
    Mit Kant beschäftige ich mich auch nur peripher, aber was ich (an Wenigem) gelesen habe ist mir logisch, ohne dass es unbedingt aufdringlich und ausschliesslich (dogmatisch) auf mich wirkt.

    Man merkt, dass es dir nicht so gut geht. Falls das ein „Trost“ sein kann: Ich stecke seit der Jugend (und die ist ziemlich lange her) mal mehr, mal weniger in einem Dauertief, das sich immer wieder auch an äusseren Wahrnehmungen der Umwelt und der vorgefundenen Zustände entzündet. Habe herausgefunden, dass es vermutlich in einer etwas besseren Welt auch nicht soviel anders wäre, dass das ein Teil meiner Persönlichkeit ist. Man muss lernen mit den Dingen (wie sie sind) zu leben, wenn man sie nicht ändern kann, sonst kann man schnell daran zerbrechen. Hoffe, das war jetzt nicht zu direkt.

    @ Fatima
    Der Hinduismus ist dem germanischen Menschen näher als jede andere „Weltreligion“, mich beeindruckt die Vielheit seiner Richtungen und die Toleranz untereinander und gegen andere Glaubensschulen. Zum anderen binden die Hauptrichtungen an das Abstammungsprinzip, demnach kann Hindu nur sein wessen Vater ein Inder ist. Die Toleranz auf der einen und das Strikte auf der anderen Seite sind bemerkenswert.

  5. @ Beobachter

    Mir geht es in zunehmendem Alter eigentlich immer besser, lieber Beobachter. Da ich nunmehr einen nicht kleinen Zeitraum überblicken kann, nehme ich die Änderungen stark war. Das geht ja nun nicht nur mir so. Ich beobachte, daß es starke Veränderungen gegeben hat, die vor Jahrzehnten undenkbar waren. Wo ist die Friedensbewegung? Wo ist der Verstand? Lese ich das Deckblatt der ZEIT letzte Woche, wird mir schlecht – mit dieser Zeitung bildete ich mich durch den damals noch hervorragenden Wirtschaftsteil beispielsweise. Beruflich habe ich den Wechsel in der ZEIT mitbekommen, dies Beispiel mag für vieles gelten.

    Herr Mohr wühlt mich auf, da ich beruflich viel mit Coaches und Fortbildungsseminarleitern zu hatte. Nach dem Motto „Finde Deinen Weg, und das Geld fließt zu Dir“. Von Betriebswirtschaft aber keinerlei Vorbildung, durch die Bank. Früher diskutierte man mit Fachwissen, heute ist das in die Esoterik-Schiene abgeglitten, allerorts, selbst die Kirchen. In der Pause liest man Tintenherz statt Hanser-Akzente. Ich sehe da direkte Zusammenhänge mit dem Schlucken der brachialen Lügen in den Medien.

    Aber vor allem: Was hat jetzt das eine mit dem anderen zu tun? Doch nicht, daß wenn ich mich mehr öffne, ich dann eine andere Wahrnehmung besäße, die mir einen liebevolleren Umgang mit Herrn Mohr erlauben würde?

    Und Kriegsängste sind nun real geworden. Und diese Ängste sind berechtigt und auch wichtig.

  6. @Beobachter: Das schönste Geschenk aus fernöstlichen Glaubensvorstellungen ist für mich die Meditation (nicht das was passieren muß-sie hilft einfach nur zu sein).

    Im Grund glaube ich, daß unsere Ahnen (die Weisen aus vergangenen Zeiten-die Rishis in Sanskrit) uns sagen wollen, dass wir nach Innen gehen sollten um uns zu entwickeln, denn dort liegt unsere Beziehung zur Ewigkeit, und obendrein durchschauen wir alle Manipulationsversuche der primitiven Medien sofort, da wir von Innen heraus unterscheiden können was unmenschlich ist und was nicht (Viveka=Unterscheidungsvermögen in Sanskrit). Wir können viel tiefer leben und das Leben genießen, denn wir wissen was ne Story ist, die von jedem anders geschrieben und erfahren wird, und wir diese nicht mitleben müssen, es sei denn wir wollen die Story für uns mal näher erforschen, was auch wichtig ist.

    Die deutsche Geschichte gibt uns die einmalige Möglichkeit sich spirituell zu entwickeln, denn wir wissen das ein Land jederzeit genommen werden kann und so auch unsere Verdienste und unsere Ehre und unser Selbstwertgefühl. Da wo wir sind, eben HIER und das in totaler heilender „Bliss“ (anandam) oftmals, haben wir schon durch die alten Runen-Übungen gelehnt, die eine eigene Art des Yoga darstellt. Im HIER kann uns niemand was anhaben, weder Staat, noch andere Gruppierungen, oder gar andere aufgezwungene Negativität durch die Geschichte. Unser Geist wird uns durch Ausdehnung und Erweiterung helfen uns zu befreien und anzunehmen wie wir sind, egal wie wir sind. Durch die eintretende Entspannung heilen wir uns selber.

    Das folgende Bild erinnert mich an Pshupati, „the Lord of the Beast (Herr über die Tierewelt“ – Warum? weil wir in der Versenkung so viel Frieden ausstrahlen, daß wilde Tiere zur Ruhe kommen und sich in der Schwingung baden.). Es kommt aus Skandinavien.

    http://i48.photobucket.com/albums/f230/foreskinboob/5-1.gif (800 AD) aus Skandinacien

    Hier verglichen mit Pashupathi von Mohenjo Dharo of c.3000 BCE

    http://www.spagyricarts.com/page6/files/pashupati-0028shiva-as-yogi0029-seal_sm-002800a9harrapa.com.jpg

    Es wird vermutet, das beide Personen (Yogis) in meditativer Versenkung sind. Siehe auch die runenähnliche Inschrift aus Mohenjo Dharo – alles sehr interessant.

  7. @ Mondhase
    Über diesen Autor sind wir uns ja absolut einig.

    Ich mochte nur ausdrücken (und bin darin vielleicht nicht verstanden worden), dass die Wirklichkeit die eine und ihre Veränderung eine andere Sache ist.
    Erstere folgt materiellen Bedingungen, die wir objektiv nicht beeinflussen können, auch wenn wir ein (sehr kleiner) Teil der Realität sind. Aber wir sind eben nicht massgebend, und darauf kommt es an. Es ist der ganz normale Geschäftsverlauf der Geschichte, die jeden Tag stattfindet und irgendwann, in zehn Jahren oder mehr, auch anfängt so zu heissen.
    Das zweite, unsere gegenwartsbezogene Wahrnehmung, unser Denken und unsere Wünsche auf die Zukunft, sind subjektiv. Bei aller Authentizität (im Sinne von echt und wahrhaftig sein) und subjektiv empfundenen Berechtigung unserer Ansprüche „an die Welt“ dürfen wir aber nie vergessen, dass der Lauf der gegenwärtigen Politik (national und international) und die Geschichte nach anderen Gesetzen funktioniert und auf unsere Sicht und Ideen keine Rücksicht kennt. Unsere Subjektivität entfaltet selten eine objektive Wirkung, eigentlich nur dort, wo Massen sich wirklich bewegen.

    Viele denken, sie könnten die gegenwärtige Politik und den Gang der Zeit beeinflussen, weil die augenscheinlichen Zustände das nahelegen, weil sie das so wollen oder müssten, und weil sie einfach Recht haben. Sie widmen sich dann nur diesem Anliegen, halten das schon für den Sinn ihres Lebens, reiben sich auf und scheitern auf die eine oder andere Weise.

    Wir sind dem Leben verpflichtet, das ist unsere Natur und der eigentlich Grund warum wir überhaupt eine Zeitlang auf der Welt sind. In diesem Leben seine Aufgaben zu tun (z.B. selbst neues Leben zu erzeugen, die Ahnen zu erinnern und den Nachfahren und Jüngeren alte Werte zu vermitteln, so gut wie es heute noch möglich ist), das ist der erste und der letzte Sinn, warum wir überhaupt existieren. Und das ist allerdings schon eine grosse und schwierige Aufgabe, wie wir, auf uns allein gestellt, spätestens im Erwachsenenalter immer neu feststellen. Viele scheitern schon an dieser Stelle, flüchten sich in Drogen oder Traumwelten. Eben die Ungerechtigkeiten und Widersprüche, denen wir dabei begegnen, führt uns ja zur Beschäftigung mit politischen, sozialen und allen möglich gesellschaftlichen Themen. Sich selbst geistig zu entwickeln, nach mehr Wissen über die Zusammenhänge zu streben und spirituelle Erkenntnisse zu erlangen fällt endlich in die letzten Lebensabschnitte, hier sehe ich das Feld der Religiosität am besten aufgehoben.

    Das Credo meiner Ausführungen lautet genau genommen sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen, wo es allein um den Bestand, das Wohl und die staatliche Organisation des Volks geht. Die existentiellen Entscheidungen liegen, wie gesagt, nicht in unserer Hand. Ich frage mich sowieso, wann und wo sie schon jemals in den Händen des Volks gelegen hätten, das war vielleicht in Germanien vor zweitausend Jahren einmal der Fall, aber später?
    Selbstverständlich soll man denen da Oben widersprechen und sich ihnen verweigern wo das möglich ist, aber das darf auch nicht zur absoluten Vereinzelung, zu lebenslangem Kerker oder zum Selbstmord führen.
    Auch unsere Vorfahren mussten mit Masse unter jedem gesellschaftlichen System, unter jeder politischen Herrschaft ihre Plicht gegen das Leben (so nenne ich es mal) – nicht gegen das System! – tun, weil ihnen etwas anderes auch gar nicht übrig blieb. Warum sollte uns das heute anders ergehen. Nur die Egozentrik des modernen Menschen bringt die Meinung oder Überzeugung hervor, ausgerechnet wir seien während unserer eigenen kurzen Lebenszeit dazu berufen das Schicksal unseres Volks und unseres Vaterlands entscheidend zu bestimmen.

    Aber wie ich jetzt besser sehe bist du bodenständig oder stehst fest genug im Leben, sodass ich mir keine ernsten Sorgen machen musste.

  8. @ Fatima

    Im Grund glaube ich, daß unsere Ahnen (die Weisen aus vergangenen Zeiten-die Rishis in Sanskrit) uns sagen wollen, dass wir nach Innen gehen sollten um uns zu entwickeln, denn dort liegt unsere Beziehung zur Ewigkeit,

    Ja, natürlich.
    Der Hinduismus in seinen Hauptrichtungen ist Ahnengedächtnis. (das schliesst Ahnenverehrung ein. Deshalb gibt es auch nur einige kleinere Richtungen – „Sekten“ -, die sich für Ausländer öffnen und sie, manchmal auch aus kommerziellen Gründen, am Wissen teilhaben lassen. Denn ein Nicht-Inder kann normalerweise nicht Hindu sein und es auch nicht werden, da seine Ahnen eben keine Inder waren)
    Er lehrt – sehr vereinfacht – sich als Teil einer Generationenkette zu verstehen, eingebettet in einen Zyklus von Geburt, Leben und Vergehen. Dem unterliegt nicht nur der Mensch sondern die ganze Welt dauernd, mit allem was sie ausmacht und hier existiert (Wasser, Steine, Erde, Pflanzen, Tiere, der Himmel…). Das heisst, wenn diese Welt einschl. der Natur und des indischen Volks einmal untergeht wird eine neue entstehen, die wiederum dort anfängt wo ihre Vorläuferin vor vielen Jahrtausenden begonnen hat.
    Nichts anderes glaubten und dachten die Vorfahren der heutigen Deutschen, bevor die christlichen Prediger ins Land kamen und ihnen eine fremde Botschaft brachten. Das ist der Inhalt von Ragnarök.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Ragnar%C3%B6k
    http://www.lokis-mythologie.de/ragnaroek.html

    Das Studium der religiösen Schriften und die Forschung nach dem Sinn allen Lebens bei allmählichem Rückzug von den Alltagsplagen ist im Hinduismus für die dritte Lebensphase (1. Kindheit und Sozialisation, 2. Heirat und Ehe) dauernd vorgesehen, man nennt sie auch „die Waldjahre“.

    Die Ahnenverehrung als wesentliches Moment von Religiosität, die ausser den Kult an sich die aktive Fortsetzung der Traditionen verlangt, ist ursprünglich heidnisch-germanisch und hat im Volksglauben einige Spuren hinterlassen, die noch heute zu sehen sind. Insbesondere in den christlich-deutschen Bestattungsbräuchen und im volkstümlichen „Aberglauben“ finden sich – verfremdet – Reste der ursprünglichen Ahnenverehrung. Jürgen Rieger hat das, mit Parallelen zu Chinesen und Japanern, bei denen das ursprüngliche Ahnengedächtnis noch tief verankert ist, sehr eindrucksvoll beschrieben:
    http://www.pommerscher-buchdienst.de/buecher/brauchtum-und-mythologie/schriften-der-artgemeinschaft/rieger-ahnenverehrung.html

    Mir persönlich hilft die Beschäftigung mit solchen Themen meine Stellung im Leben und zum Leben zu finden und manche Dinge, bei aller Wut und Empörung über das was Herrschende in Vergangenheit und Jetztzeit anrichteten und weiter anrichten, etwas gelassener (nicht: gleichgültiger!) zu nehmen. Es hilft sich einzuordnen in ein ewiges Geschehen und das scheinbar Unvermeidliche zu ertragen.
    Insoweit denke ich schon, daß wir in der Art zu denken ein bischen verwandt sind. 😉

    Nur für dich, schöne Musik

  9. WOLLEN, so sagt mir als Ich-kann-Schule-Lehrer das Herkunftswörterbuch, kommt von WÄHLEN.
    Wählen ist ein Geistesakt. Ich wähle Trinken, nehme den Becher in die Hand und trinke – so ergibt Wollen Sinn. Wenn ich tausendmal immer fester wähle, geht davon der Durst nicht weg. Einmal wollen = wählen, einmal trinken, mehr ist für die Lösung des Problems nicht nötig.
    Freundlich grüßt
    Franz Josef Neffe

  10. Wo gibts denn Steinmehlbrot zu kaufen?
    Das muss munden, außerdem möchte ich ewig leben und zwar zuu gesund..
    Ich möchte auch noch gaanz viel darüber seitenlang lesen.
    Ist ja soo einleuchtend.
    namm namm namm.

  11. @Beobachter
    Danke für dieses schöne Posting. Ich merke, daß Runen in mir resonieren… aber diese Resonanz, die Buchen-Stäbe der Runen, wenn sie ihr Geheimnis raunen, raunen wie das Sanskrit-Aphabeth.

    Der Klang der Runen ist ganz ähnlich. Auch merke ich, daß die nordischen Ahnen gut waren im HIER und JETZT zu versinken und in mystische natürliche Meditation zu kommen – auf animistische Weise fast.

    Übrings hat Dr. Spencer Wells hat heraus gefunden dass 99% der Menschen von den gleichen Ahnen her kommen. Interessant! Sie sind dann auf Wanderung gegangen. Dennoch, ich bin neugierig mehr zu lernen.

    Ich sieht manchmal so aus, daß die Drawidians eher in Indien waren als die Arier (vom Iran) und anscheinend das tantra entwickelt haben, aber darüber lässt sich streiten. Die Veden, die das Kastensystem aufbauten, waren ein Rückschritt für die Menschheit, denn wir alle haben Potentiale für Erleuchtungszustände… nicht nur die Brahmanen (Aryans)… auch ist Gott nicht näher bei ihnen als bei einem Unantastbaren. Genauso wenig ist Gott näher an dem auserwählten Volk. Das alles ist Unsinn. Zwar haben wir verschiedene intellektuelle Potentiale, aber jeder mystisch veranlagte Mensch, auch wenn er nicht intellektuell veranlagt ist, kann sich in mystische Ekstase mit „Gott“ (was immer die Wahrheit ist) zeitweise vereinen und dadurch innere Güte entwickeln – was ja das Ergebnis ist von dem inneren spirituellen Erfahrungspotential, was das Geburtsrecht aller Menschen ist und glücklich macht. Die Offenheit des Ganzen was Unfassbar ist, liegt oft in der Einfachheit. Nichts schliesst sich jedoch aus, alles scheint zusammen zu co-existieren. Lassen wir das Leben leben und es öffnet sich alles von selbst.

    http://youtu.be/oRVhgJjJwTw

    Wir sollten alle unsere Alternativen zusammenfassen, damit wir mehr von einander lernen können.

    Magical Consciousness (Jean Gebser/Jessie Shaw)
    http://www.youtube.com/watch?v=hxuIT8WbQ3g

    Gutes Buch: http://www.amazon.de/Ever-Present-Origin-Aperspectival-Manifestations/dp/0821407694/ref=sr_1_4?s=books-intl-de&ie=UTF8&qid=1333254813&sr=1-4

    Gebser erklärt wie das Bewußtsein der Ahnen, das Magische der Vergangenheit immer im JETZT, immer in der Gegenwart verweilt. Ken Wilber hat viel von Jean Gebser an für seine Integrale Inspiration geborgt. Wir können lernen, alles was ist durch integral zu erfahren. Frag mich nicht wie das geht? Ich bin eher im HIER und kultiviere das Gegebene. Meditation gehört dazu und das Ruhen in dem was gegeben ist.

    http://www.youtube.com/watch?v=Blum9thR_Fs&feature=related
    Ganz Present hier ♡

  12. ..Ochje, wie magisch das alles..
    Aber westliche Single- Mädels mittleren Alters brauchen das Weltenseele- Gesumse und es sei ihnen gegönnt.
    Peace and Law!

  13. Wie ich in vielen Unterhaltungen immer wieder feststellen muss, ist die ERFAHRUNG des selbständigen Geschehens nicht argumentativ vermittelbar. Zwar wäre es rein theoretisch möglich, mittels logischer Untersuchung des Gedankenflusses dessen Eigenständigkeit herauszuarbeiten, doch braucht es dann halt immer jemanden, der in der Lage ist, diese Schlüssigkeit nachzuvollziehen.

    So bleibt also weiterhin bestimmend, welche Erfahrungen der Einzelne mit sich selbst macht. Weiters hat er keine Möglichkeiten, zu erfassen.

    Wer es nicht erleben konnte, dass und wie Entscheidungen von selbst passieren, dem bleibt natürlich auch keine andere Wahl, als weiterhin davon auszugehen, dass er selbst Regie führt.

    In meinen Übungsabenden und in der Therapie kann ich jedoch immer wieder erleben, welch Erleichterung und Befreiung dadurch möglich wird, dass die Menschen der Ich-Illusion bewusst werden und unerschütterliches Grundvertrauen entwickeln, eben WEIL eh alles geschieht, wie es geschieht.

    So entstanden auch diese Zeilen von mir einem Impuls, der aus der Tiefe kam und wieder einmal weiß ich nicht, wozu er gut sein soll…

    Alles Liebe, Werner Hör

  14. Hallo Jo,

    danke für das Feedback! Und ich vergaß zu betonen, wie schön der Text von Dir diese, wie Du auch sagst, WICHTIGE Thematik beschreibt!

    Hast Du eigentlich Kontakt zu Dr. Galuska?
    In der Klinik Heiligenfeld kommt dieser transpersonale Ansatz ja schließlich offiziell zur Anwendung…

    Herzlichst, Werner

  15. Hallo Jo,

    herzlichsten Dank für das einstellen dieses – wie ich finde – wichtigen Artikels – gerade in dieser Zeit, in der wir gerade leben…..

    Ich finde auch, dass durch unsere Umwelt die Entseelung der Menschen ständig vorangetrieben wird….
    Entseelung durch ein durch und durch unfaires System gegen Mensch und Familie, gegen Wohlstand, für Siechtum, Arbeit fürn Appel und n Ei…

    Die Menschen werden aufgrund soviel Leid und vor den Kopf gestossen werdens zwangsläufig Gefühlskälter, weil sie sonst die Umwelt nicht ertragen können!

    Ich selbst habe mich seit 2005 darum bemüht, „wieder *Mensch* zu werden“, weil ich mich zum damaligen Zeitpunkt eigentlich nicht mehr gespürt hatte, und deshalb viel zu oft viel zu kühl reagierte…. Gefühle wie Trauer kannte ich nicht, nur von meiner Umwelt…. Dies war, als 2003 meine Grossmutter verstarb… oder ein paar Jahre davor mein Grossvater…. da wurde mir zum Ersten Mal eigentlich richtig bewusst im Nachhinein, wie wenig ich mich eigentlich spüre…. unglaublich, aber wahr…. ich war unfähig, das Gefühl der Trauer zu empfinden!…

    Mittlerweile weiß ich (OK, genauergesagt *vermute* ich), daß ich von Haus aus einfach sehr sensibel auf der Gefühlsebene bin, und deshalb im Kindesalter sozusagen Gefühlsmäßig „zugemacht“ habe, damit ich meine wiedersprüchliche und Lebensfeindliche Umwelt ertragen konnte!
    *DIREKTE* Konsequenz war dadurch, daß ich größtenteils den „Draht zu mir selbst“ verlor….
    Ich war seelisch so sehr verhärtet, daß ich mich fast ausschließlich durch beinharte Selbstreflektion über meine Umwelt selbst erkennen musste, weil mir mein eigenes Gefühlsspektrum ja kaum zur Verfügung gestanden hat…. dass ich kleinweise zu Gefühlen kam könnt ihr Euch inetwa so vorstellen, wie wenn man zu einem gewissen Thema ein dickes Telefonbuch hat und ein anderes Dickes Telefonbuch darüber liegen hast….
    Wenn ich die Gefühle wissen wollte zu einer Situation, wie ich mich dabei fühlte, musste ich mich sozusagen mit einem Brennglas und der Sonne bewaffnet geduldig auf den entsprechenden Punkt konzentrieren für längere Zeit, um mich durch meine Gefühlskälte (=Telefonbuch) „durchzubrennen“ und dann jeweils für das *eine* Ereignis nach und nach herauszufinden, was ich *eigentlich* in der Situation gefühlt hatte…. (=bis zur Richtigen Seite im Telefonbuch „durchgebrannt“)
    schwer vorstellbar, aber so war es in etwa, daß ich nach und nach wieder mit meinen Gefühlen und Gefühlsleben in Berührung kam ab ca 2005….

    Bis 2011 gelang es mir so, drei grosse Konfliktherde in meinem Leben zu lösen, die mir sehr viel „Energie“ abzogen bzw gebunden haben…
    einer davon war der Dauerkonflikt mit meinen Eltern, der mich sehr schwer belastet hatte, *trotz* meinen kaum mehr vorhandenen Gefühlen, ein Dauerkonfliktherd mit einem sehr engen Freund, der auch gelöst werden konnte *ohne* Blessuren und zum Wohle aller betroffenen, und eine dritte Sache, wo ich nicht genau weiß, was es eigentlich war….
    Auf jedenfall waren diese drei gelösten Konflikte wie drei Große Steine, die mir im wahrsten Sinne vom Herzen abgefallen sind…

    Ab mitte 2011 kam ich dann auch intensiver mit der spirituellen Seite in Berührung, und lies mir diesbezüglich auch helfen, weil ich erkannte, daß dies zum Loslassen ein wesentlich effektiverer Weg ist und war, als die von mir angewandte Methode….
    Dies war für mich deshalb wichtig, weil ich so erkannte, daß die Essenz des Lebens ganz schnörkellos gesagt „Licht und Liebe“ zu sein scheint, und mit Einsatz dieser auch man sich selbst heilen kann, wenn man einmal verstanden hat, um *was* es eigentlich in unserer Existenz geht….

    Naja aufjedenfall kam da ab ca Mitte 2011 bei mir ein Prozess in Gange, wo ich innerhalb von ca 8-10Monaten die gröbsten und groben Sachen alle loslassen konnte, die mich (schwer) belasteten …. ob bewusst, oder auch unbewusst….

    Dies hatte zur Folge, daß ich von meiner Grundeinstellung immer positiver wurde, und ich auch nach und nach immer weniger selbst negativ darauf reagierte, wenn mir wer unangenehm war, oder bei Sachen, wo ich mich früher geärgert hätte….
    Mir fiel auf, daß es mir nach und nach immer leichter gefallen ist, die Leute so zu aktzeptieren, wie sie sind…. auch wenn ich immer wieder „Rückfälle“ hatte, die wohl jeder so bei dem Weg hat….

    Ich bin froh und erfreut darüber, daß ich mich seit ca September 2011 und danach wieder nach und nach mehr selbst gespürt habe, und mich nach diesen ehrwürdigen Monaten zum Ersten Mal wieder wie ein Mensch gefühlt habe, der ein Gefühlsspektrum hatte….
    Für mich war es tatsächlich eine neue Erfahrung, mal richtig trauern zu können mit Tränen, oder auch mal herzhaft lachen zu können! — Kaum zu glauben, aber sowas kannte ich *nicht* wirklich! —

    Das interessante war, daß ich beim loslassen und Aufarbeiten meiner „Vergangenheit“ im Gefühlsspektrum scheinbar alles an Gefühlen, Emotionen und Ausdruck von dessen „nachgeholt“ habe, was ich nicht ausgedrückt hatte…
    … ihr könnt Euch denken, daß dabei die letzten Monate oft schubweise Lachen, weinen, Trauer, schluchzen usw alles an Gefühlen an die Oberfläche gekommen ist, was durch meine damalige Gefühlskälte – dem sich nicht „spürens“ – nicht an die Oberfläche zum „verarbeiten“ kommen konnte….

    Für mich war dies nach und nach wie eine schrittweise „Erlösung“ und nach und nach fühlte ich mich auch immer wieder „ganz“ und wie ein Mensch mit Gefühlen… und vorallem fühlte ich mich nach und nach immer mehr authentisch….

    Ich sage mal, daß ich mich erst seit ca Februar 2012 wieder als Mensch mit Gefühlen empfinde, und auch als vollständiger Mensch…. die Zeit davor war ich eigentlich mehr ein Schatten meiner selbst… unpersönlich….

    Kaum zu glauben, daß jemand einen Großteil seines Lebens sich selbst nicht wirklich gespürt hat, nämlich geschätzte 28 Jahre von 29 3/4 Jahren!

    Meiner Ansicht nach ist der Hauptgrund unserer Existenz spiritueller Natur…. ich glaube an Reinkarnationen und an GOTT, wobei wir ja alle ein Splitter Gottes sind, der in die Materie gegangen ist (die 3te Dimension), um zu lernen….
    … um zu lernen, auch in den wiedrigsten Situationen sich selbst und andere so anzunehmen, wie sie sind….
    … um diejenigen trotzdem wohlwollend und im positiven fördernd zu unterstützen, das negative akzeptierend und wegcoachend mit Verständnis und Nachsichtigkeit….
    … selbst mit guten Beispiel voran gehen, damit das Umfeld folgt…

    Ich habe auch in letzter Zeit mal nachgedacht, *was* sich eigentlich geändert habe, daß ich mittlerweile mit meiner Umwelt jetzt eigentlich ganz gut zurecht komme, und sich viele Konflikte auch eigentlich aufgelöst haben, die früher oft Thema waren:
    …. ich habe festgestellt, daß *ICH* mich geändert habe, und vorallem mich selbst so akzeptieren, annehmen, und ja – auch lieben – kann, wie ich bin….
    Früher fühlte ich mich öfters mal einsam…. interessanterweise kenne ich mittlerweile dieses Gefühl der Einsamkeit eigentlich nur mehr sporadisch!
    … ist doch interessant, oder?

    Ich habe gelernt, daß es aus meiner Sicht keine Peinlichkeiten im Leben gibt…. sondern nur mehr oder weniger Unangenehme Wahrheiten, die man sich selbst eingestehen muss, sie annehmen und loslassen… wobei letzteres oft der schwierigste Teil ist / zu sein scheint….

    So bin ich die letzten paar Jahre weitergekommen….

    Mittlerweile würde ich mit keinem Millionär oder gegen sonst ein Geld der Welt mehr tauschen wollen, weil ich finde, daß Positivität und geistig-körperliches Wohlbefinden unbezahlbar ist, und auch nicht kaufbar ist….

    Herzlichste Grüße,
    Helmut

    1. Lieber Helmut,
      vielen Dank für Deine Offenheit! Damit hilfst Du denjenigen massiv, die in einer ähnlichen Entwicklung stecken, wie Du sie gemacht hast und kannst bestimmt einiges an Unsicherheiten und Ängsten abtragen, die sonst im „unforschten Neuland“ der eigenen Psyche herumschwirren würden.
      Das Aufwachen und Ausbrechen aus eigener Prägung und täglichem Trott, die Entstehung des wirklichen Individuums mit eigenen Werten und Bodenhaftung ist eine Gnade, die nicht jeder an sich erleben darf. Trotzdem ist es eine schmerzhafte Zeit voller Höhen und Tiefen, in der man sich ständig selbst hinterfragt und oft die „einfach gestrickten“ Gemüter beneidet, die fern von qüälenden Fragen und Selbstkritik ein gleichmässiges Leben führen und augenscheinlich zufrieden damit sind.
      Veränderungen kann man dort aber nicht erwarten… Für uns ist das Leben jeden Tag ein Lernen und Wachsen, Stürzen und Wiederaufstehen, Taumeln und Tanzen, spannend bis zum Schluß… und wer wie Du in Resonanz mit seinem Leben steht, wird daran nicht zerbrechen, sondern mitschwingen.
      herzlich
      jo

  16. @Beobachter:
    Du schriebst:
    „Der freie Wille ist das Hätschelkind eines verängstigten Verstandes.“

    Ich sehe es eher so, dass:
    „Der verängstigte Verstand ist das Hätschelkind des freien Willens.“

    Dies hat meiner Ansicht nach den Grund, weil je bewusster man sich seiner Selbst und den einen jeden von Uns sich umgebenden Konflikten ist, umso weniger lässt man sich in Konflikte anderer hineinziehen, und kann selbst ruhig und gelassen sein und auch bleiben…

    Ich habe (bei mir) festgestellt, daß ich meistens in Konfliktsituationen die mich selbst betroffen haben, eigentlich hauptsächlich von meinen Ängsten, Vermutungen, alten Verletzungen, und und und „gesteuert“ wurde… also sozusagen vom da noch größtenteils unbewussten Teil meines Selbst…
    Ich habe im Prinzip ab ca 2005 mir nach und nach Meine eigenen Konflikte bewusst ins Gedächtnis gerufen, und so nach und nach meine unbewussten Verhaltensmuster ins bewusste Gedächtnis transportiert, sodass ich mir meiner oft „automatischen“, impulsiven, und unhinterfragten Handlungen, Gefühlen, Gedanken bewusst werden konnte, sie analysieren, und mir meiner eigenen Fehler und Schwächen bewusst werden konnte… so ist es mir gelungen, nach und nach mich selbst und meine Umwelt besser zu verstehen, weil mir immer mehr das *wieso* bewusst wurde….

    Als ich dies erkannte, lösten sich bei mir nach und nach die Probleme von selbst auf, weil ich erkannte, daß im Grunde genommen *jeder* eigentlich das von seinem Stand aus und Bewusstsein aus bestmögliche macht – nach besten Wissen und Gewissen….
    Dies wurde mir bewusst, als ich erkannte, daß genauso auch ich selbst viel „Bockmist“ gebaut habe in meiner Unvollkommenheit, und dies eigentlich auch nach besten Wissen und Gewissen gemacht habe, und trotzdem viel schief gegangen ist….
    Ich dachte mir dann, wiso es nicht bei anderen auch so sein könnte, daß im Prinzip jeder Mensch das bestmögliche für seine Umwelt und geliebten Menschen will….
    Ich erkannte mich selbst in anderen….

    Ab da fiel es mir wesentlich einfacher als zuvor, die Menschen so zu akzeptieren wie sie sind, auch wenn es mir bei manchen tiefen Verletzungen immer noch viel Zeit und kleinweises Verständnis nach und nach abverlangte, daß ich mit schlimmen, tiefen Verletzungen fertig werden konnte, weil immer wieder Gedanken und Gefühle von Vorwürfen und Anschuldigungen hochkamen…

    Dies war für mich ein „springende Punkte“ an denen ich erkannte, dass ich mich selbst im Grunde genommen in anderen mit meinen Fehlern und Unvollkommenheiten spiegele….

    Ich erkannte, daß die ganzen Dinge, die mich bei anderen störten, im Grunde genommen Unvollkommenheiten / Schwächen / oder sonstige „empfindliche Stellen“ bei mir „in Resonanz brachten“ oder aktivierten, und ich mich um diese Teile meiner Selbst kümmern musste, wenn ich weiterkommen wollte bei meiner persönlichen Entwicklung, und positiver zu werden…

    Klingt komisch, stellte allerdings immer wieder die Gültigkeit dieses (scheinbaren) Gesetzes fest, indem ich bei erkannten „Problem“ und Loslassen desjenigen dieses „Problem“ im Nachhinein nicht mehr als „Problem“ wahrnahm, wenn ich später wieder mal in vergleichbare Situationen gekommen bin!
    … kaum zu glauben, oder?

    Herzlichste Grüße,
    Helmut

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