Anmerkung zum AIPAC Kongress

von Johannes Löw

Der Friedensfürst-Obama-Trick scheint abermals aufzugehen.

Die Welt wird mit Nachrichten geflutet, Netanjahu habe sich nicht durchsetzen können, die USA zu einem Kriegszug gegen Iran bewegen zu können.

Dieweilen sich republikanische Kandidaten in blutrünstiger Kriegsrethorik übten, habe Obama deutliche Worte gefunden, einen Angriff auf die Islamische Republik eine Absage zu erteilen:

»Wenn einige dieser Leute meinen, wir müssten einen Krieg starten, dann sollen sie das sagen und vor dem amerikanischen Volk vertreten.«; »Diejenigen, die so etwas befürworten oder die Kriegstrommel schlagen, sollten dem amerikanischen Volk klipp und klar erläutern, was die Kosten und was die Vorteile wären.«; »Es geht nicht nur um das Problem israelischer Interessen, dies ist ein Problem amerikanischer Interessen.“; „Es ist darüber hinaus nicht nur ein Problem der Folgen für Israel, wenn vorzeitig gehandelt wird. Es gibt ebenso auch Folgen für die Vereinigten Staaten.« wird er zitiert.

Uns wird ein Bild von Scharfmachern und dem vernünftig Einlenkenden suggeriert. Die Scharfmacher sind Personen, welche über keinerlei Entscheidungsgewalt verfügen, der Einlenker jener, dessen Befehl für einen Angriff gesetzliche Voraussetzung ist und zwischen ihnen steht – der Israeli.

Man kann es auch anders interpretieren: es ist eine Komödie, die vor dem Volk, der gesamten Weltöffentlichkeit aufgeführt wird, um die Schritte zu einem längst beschlossenen Kriege so zu verankern, dass der brave Pressekonsument seine Unterstützung als eigene Entscheidung wahrnimmt!

Der Weg nach Teheran führt über Damaskus!“ ist längst erkannt worden. Es zeichnet sich eine Strategie ab, erst Syrien anzugreifen. Dadurch wird Teheran gezwungen zu reagieren – und der Krieg kann auf den Iran ausgeweitet werden.

Gleichzeitig hält die istaelische Armee sich aus Syrien raus und fällt direkt über den Iran her.

Die Wahlen in den USA werden erst im November stattfinden. Das ist des „vorzeitigen Handelns“-Pudels Kern – Amerikaner sind leicht für einen Krieg aufzuhetzen, aber genauso leicht schlägt die Stimmung um, wenn der Gegner empfindlich zurückschlägt.

Militärisch gesehen war der Libyenkrieg eine gnadenlose Niederlage für die NATO.

Sicher, die Zivilisation des Landes ist vernichtet, die staatliche Struktur zerschlagen und Colonel Gaddafi und ein Teil seiner Familie ermordet.

Aber bedenkt man, dass die gewaltigste Militärmacht aller Zeiten 8 Monate gebraucht hat und dabei jedes denkbare Kriegsverbrechen begehen musste, bis hin zur Bombardierung von Kornspeichern mit Depleted Uranium und dem Einsatz von chemischen Waffen, Weißem Phosphor und Senfgas in Sirte und Beni Walid, während ihr Gegener ein Land mit 6 ½ Millionen Einwohnern und rein konventioneller Bewaffnung ohne Luftwaffe war, dann wissen die Generalstäbe, dass sie eine militärische Katastrophe erlebt haben.

Russland und China haftet nun die Schande an, Libyen geopfert zu haben – aber sie ziehen freilich ihre Konsequenzen.

Und die Führungskräfte der NATO können hochrechnen, wenn sie kaum mit einem militärisch fast wehrlosen Land fertig werden, welche Preis sie zu bezahlen haben, wenn sie sich mit den kriegserfahrenen Militärmächten Syrien und Iran anlegen.

Dann Russland: um Medwedjew ist es still geworden seit Libyen. Die Inszenierung einer „Weißen Revolution“, welche sich Washington immerhin ca. 30Mio. US-Dollar hat kosten lassen, um die Präsidentschaftswahlen zu manipulieren, ist schon im Ansatz so kläglich gescheitert, dass sie noch nicht einmal erwähnenswert ist. In Moskau feierten mindestens 130.000 am Roten Platz den Wahlsieg Putins, zu einer Kundgebung gegen ihn konnten gerade mal 14.000 mobilisiert werden, und die gingen auch gleich wieder nach Hause, als ein paar Militante anfingen, die Polizei zu provozieren. Über die Ereignisse in Petersburg überhaupt Informationen aufzutreiben war fast unmöglich; die Rede ist von etwa 100 Anarchisten, die randaliert haben und festgenommen wurden.

Das bischen Gezeter über Wahlbetrug mag ja dem einen oder andern böswilligen Fernsehzuschauer gefallen, die Wahl war die transparenteste und überwachteste, die je stattgefunden hat und jeder Vorwurf kann juristisch überprüft werden, die Militärführungen aber wissen: Putin und Sjuganow haben 80% der Wählerstimmen hinter sich vereinen können, und das ist in jedem Falle ein Votum gegen den Westen!

Wir wissen nicht wie Moskau reagieren wird, aber einem Angriffskrieg gegen Syrien und Iran werden sie nicht tatenlos zusehen. Putin hatte als letzte ministerpräsidentliche Amtshandlung eine umfassende Modernisierung der Streitkräfte angeordnet.

Neuerdings taucht auch noch ein französisches Problem auf: dem mutmaßlichen CIA-Agenten Sarkozy werden schlechte Chancen eingeräumt, noch einmal in den Elyséepalast einzuziehen, was bedeutet, dass ab April auch Frankreichs Beteiligung an einem Waffengang unzuverlässig wird; ich habe die Franzosen als Menschen kennengelernt, die sich lieber um ihre eigenen Belange kümmern, ihren täglichen Trott zwischen Kaffee & Croissant und Rotwein am Abend und Überfälle ihrer Armee auf andere Länder eher als störend empfinden – ob sich ein frisch gekürter Präsident gleich zu Beginn seiner Amtszeit unbeliebt machen will bezweifle ich; und der „Philosoph“ Levy ist zwar ein Pressegespenst, aber seine akademische Reputation in Frankreich reicht noch nicht einmal an die eines talentierten Erstsemesters ran; ohne Sarkozy ist er gar nichts.

Viel mehr Bedeutung als in den oben zitierten Sätzen lag in Obamas Aussage, dass Israel das „souveräne Recht“ habe, über seine Sicherheitsinteressen alleine zu entscheiden.

Vielleicht mehr als alles andere schätze ich seine Aussage, dass Israel in der Lage sein muss, sich selbst gegen jede Bedrohung zu verteidigen“ quittierte dies auch der israelische Netanjahu.

Bekommt Israel Probleme, könnten die USA der Damsel in Distress zu Hülfe eilen. Das militärische Aufgebot für einen Angriff ist installiert. Als Retter in der Not kann Washington sich möglicherweise dem eigenen Volk ein wenig besser und länger verkaufen. Aber unübersehbar hat das Werkzeug Obama kalte Füsse. Er hält den schwarzen Peter in der Hand, und es ist keiner da, dem er ihn zuschieben kann. Er treibt ein Spiel auf Zeit. Und die wird knapp. Die Todesschwadronen der „Freien Syrischen Armee“ können zwar Terroranschläge verüben und Scharmützel mit der Syrischen Armee provozieren, aber sie und ihr „Syrischer Nationalrat“ sitzen in der Türkei fest. Das reicht um Pressespektakel aufzuziehen, aber die Generäle der NATO und der US-Army kennen die Fakten und die Risiken. Im Februar hatte sich eine Mehrheit der Syrer trotz Lebensgefahr durch terroristische Aktionen am Referendum über eine neue Verfassung beteiligt. Dadurch bestätigt konnte die Armee die Nester der importierten Terroristen zerschlagen. Will Obama angreifen, so muss er das vor den geplanten Parlamentswahlen im Mai tun. Aber das Pentagon weiß jetzt schon, dass mit einer Unterstützung durch die syrische Bevölkerung nicht zu rechnen ist. Die wollen Stimmzettel in Urnen werfen und nicht Bomben auf Menschen. Und wie will man einen syrischen Nationalrat, der in Istanbul residiert, dessen Mitglieder ebenso anonym wie es die des NTC es nach wie vor in Libyen sind als einzige legitimie Vertretung Syriens verkaufen, wo doch eine nach westlichen Standards gewählte Regierung in Damaskus exisitert?

AIPAC und die israelische Regierung treiben die USA, sich bar jeder Vernunft sehenden Auges in ein Abenteuer zu verrennen, das nicht nur die Gefahr in sich birgt, die halbe Welt in Brand zu setzen, sondern ihren eigenen Untergang bedeuten kann.

Es ist nicht von Ungefähr, dass alle 16 Geheimdienste der USA im Laufe der letzten Monate menrfach an die Öffentlichkeit getreten sind und deutlich machten, dass der Iran „keine Entscheidungen“ darüber „getroffen“ hat, Nuklearwaffen herzustellen, ebenso wie eine Kampagne führender US Militärs, die Amerikaner aufzurufen, einen Krieg gegen den Iran abzulehnen.

Die „rote Linie“, welche von Israel gefordert wird, bereits anzugreifen, wenn nur die potentielle Fähigkeit vorhanden wäre, Atomwaffen zu entwickeln, träfe auf jedes Land zu, das eine Technische Universität und einen metallverarbeitenden Betrieb besitzt.

Es ist nicht Sache eines Soldaten, sich in Politik einzumischen. Aber es ist Aufgabe eines Offiziers, militärischen Sinn und Unsinn abzuwägen, ehe er Untergebene in die Schlacht wirft und er wägt nicht nach den Trends der Pressekampagnen ab. Er hat sein Worst-Case-Scenario.

Die Presse betreibt das Geschäft der AIPAC.

Bleibt die Frage; wer profitiert von diesem absehbaren Worst-Case?

Denn einer gewinnt immer, und das formuliert die Frage um: Wer ist der lachende Dritte?

10 Gedanken zu „Anmerkung zum AIPAC Kongress

  1. Bei Schall und Rauch steht übrigens auch:
    „Ranghohe US-Militärs schalten Inserat gegen Irankrieg

    Am gleichen Tag an dem Obama sich mit Netanyahu im Weissen Haus traf (Samstag), erschien in der Washington Post ein ganzseitiges Inserat, in dem ehemalige ranghohe US-Militärs und Geheimdienstexperten sich gegen den Irankrieg aussprechen.

    „Herr Präsident, sagen Sie Nein zum Krieg der Wahl gegen den Iran!“

    Weiter sagen die Generäle und Geheimdienstler, eine militärische Aktion gegen den Iran wäre „nicht nur unnötig, sondern auch gefährlich.“

    … Offensichtlich gibt es gewisse Kreise im amerikanischen Militär und Geheimdienst, die sich sehr grosse Sorgen machen, es kann zu einem „Präventivschlag“ gegen den Iran kommen und sie drücken mit dem Inserat öffentlich ihre Bedenken aus. Die Folgen wären tatsächlich katastrophal.

    Beim Treffen in Washington hat Obama Israels Regierungschef Netanyahu die Unterstützung der USA im Streit mit dem Iran zugesagt. Bis jetzt besteht Obama noch auf eine diplomatische Lösung, wie er es bezeichnet, obwohl von Diplomatie nichts zu sehen ist. Ein verschärftes Embargo ist keine Diplomatie, sondern bereits ein Krieg auf Wirtschaftsebene.

    Laut Obama will er die Sanktionen wirken lassen und er verlangt von Israel deshalb Zurückhaltung. Aber ob sich Netanyahu daran hält ist fragwürdig, …
    Alle Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, ausser Ron Paul, versprechen einen Angriff gegen den Iran, sollten sie gewählt werden. Auch der Oberkriegshetzer John McCain, führendes Mitglied im Verteidigungsauschuss, will unbedingt angreifen. Der Senator will sogar vorher noch Syrien mit Luftangriffen plattmachen, wie er am Montag forderte. .. “
    —————-

    Ja und dann soll man nicht „Normalbürger Michel und Lieschen Müller“ fragen oder darüber sprechen, denn die leben natürlich wie hinter dem Mond infolge unserer Medienblockade der Wahrheit und der Lügen-Propaganda und fühlen sich sogar noch wohl dabei bisher, mal von der letzten Benzinpreiserhöhung abgesehen. Es ist schon schlimm, dass hier in Deutschland geschwiegen und gelogen wird von unserer auch gegen Deutschland gerichteten Presse und GEZ-zwangsbezahltem öffentlichen Fernsehen betreffs Dingen, die „gewissen Kreisen im amerikanischen Militär und Geheimdienst“ zurecht große Sorgen macht infolge der katastrophalen Folgen.

  2. Ich sagte es bereits zu einem der letzten Blog-Einträge: Wahlshow ist nützlich, sich in Position zu bringen, die brenzlige Zeit liegt eindeutig jetzt gerade in diesen Tagen und Stunden. Alle Entwicklungen der Tage zeigen nur eines: der Plan läuft, wie ein Uhrwerk. Mich macht das mittlerweilen atemlos. Und so etwas wie das Panzer-Parken der Engländer paßt nun mal wie ein Bausteinchen zum nächsten.

    Und die Stimmung auf der Straße bei uns hier? Ein Beispiel: Will mir so ein Zeitungsabo-Verschenker ein Tageszeitung in die Hand drücken, und ich, im Reflex: „Ich nehme keine Kriegshetze an!“. Wie reagiert der Mann nun? Er lächelt vertrauensselig und sagt, das sei doch in allen Zeitungen so. Was sollte ich da sagen – nichts mehr. Das ist Dekadenz, Ende. Beim Kirchenchor heut sag ich schon gleich gar nichts mehr, nachdem ich mal betretenes Schweigen verursacht hab, die haben mich nicht verstanden, nicht verstehen können, soweit ist es. In der U-Bahn glotze ich nur noch manchmal auf die Titelseiten beim Gegenüber, gestern hat eine Dame verlegen das Blatt gefaltet, ich stierte sie völlig nackt an, F.A.Z. mit Putingedresche. Herr Hörstel hat im Radio-Interview mit Irib das angesprochen, daß man sich spaltet. Nur sehe ich im Gegensatz zu ihm keinen nennenswerten Widerspruch bei den Leuten, ich seh nur Menschen, die nicht mehr reagieren können, völlig vereinnahmt und unfrei. Das kann nicht gutgehen.

    Ich bin ganz schön erhitzt, aber die Tage zehren an mir. Und ich bin mir mittlerweile völlig darüber im klaren, daß es um Rußland und China geht, Iran und Syrien oder auch Libyen sind Initiierung. Ich merke gerade, ich stemme mich gegen Giganten, ich sollte zu Bette gehen. Gott sei mit uns, anders kann ich nicht mehr sagen, Jo.

    1. @ Mondhase
      Sich gegen Giganten zu stemmen, traut sich auch nicht jeder! Der geistige Schmerz zehrt halt sehr an den körperlichen Kräften… schlaf gut, geniess dieses Geschenk – andere haben Albträume wegen ihrer bösen Taten. Und Gott sei mit uns, ja!
      herzlich
      jo

  3. „Die „rote Linie“, welche von Israel gefordert wird, bereits anzugreifen, wenn nur die potentielle Fähigkeit vorhanden wäre, Atomwaffen zu entwickeln, träfe auf jedes Land zu, das eine Technische Universität und einen metallverarbeitenden Betrieb besitzt.“

    Ups…laut ElBaradei..Amanos Vorgänger… sind 40-50 Staaten technisch dazu in der Lage, innerhalb kurzer Zeit Atomwaffen herzustellen…auch wir könnten…aber tun es nicht.

    Wollen die Israelis die denn alle angreifen???

    Das wäre spätsetens dann der 3. Weltkrieg.

    Laut NVV ist aber die alleinige Fähigkeit noch nicht verboten, nur die TATSÄCHLICHE Herstellung.

  4. Ich glaub nicht mal, dass das mit irans A-Waffenprogramm stimmt.
    Wie war das 2003 mit Irak und Massenvernichtungswaffen???
    Was, wenn man wieder „danebenliegt“ ??

    Das wäre 2x der gleiche Fehler.
    Aber diesmal mit gefährlicheren Konsequenzen, leider auch für Israel.

    Bitte bringt euch nicht selber unnötig in Gefahr.
    Ein gut gemeinter Rat aus einem verbündetem Land:-)

    Bitte löst das ohne Krieg. im Interesse aller Länder. Ich befürchte, dass dieser krieg nicht in Nahhost bleiben wird.
    Das kann einige Nummern größer werden.

    Und: Atomanlagen angreifen?? Soll sich Tschernobyl oder Fukushima wiederholen un das mehrfach?? Das ist auch für die Umwelt eine Riesen-Katastrophe, von den vielen toten Menschen mal abgesehen und viele Krebskranke. Das würdet ihr doch auch nicht wollen…

    Laut CIA baut Iran keine A-Bombe
    (Tagesanzeiger.ch)

    Was, wenn die wirklich keine wollen???

    Iran mit so einer Bombe wäre bestimmt nicht so blöd, die einzusetzen. Die Antwort wäre doch die gleiche.

    Einige provozieren leider..(klar ist nicht schön) die wollen euch aber nicht wirklich vernichten…das kann ich mir nicht vorstellen.

    Isreaelische Regierung: Euer Volk will keinen Krieg

    http://www.israelovesiran.com/your-thoughts/

    Es gab auch positives Echo aus Iran. Auch das iranische Volk will keinen krieg.
    Politiker beider Länder: Begrabt euer Kriegsbeil 🙂

    Give peace a chance. 🙂

    Ich habe nicht vor, Ängste zu schüren, warne aber eindringlich vor so einem Krieg. Man muss kein Experte sein, um zu wissen dass ein krieg Israel vs. Iran eskalieren könnte.

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