Libyen/UNO: Keine 400 Fragen

Springer beißt sich an Wulff fest. Die Welt (Springers BILD für Besserverdienende) lenkt von den wirklich wichtigen Fragen der Weltpolitik ab und  heuchelt dem Volk am untauglichen – weil politisch bedeutungslosen – Objekt die ach so demokratie-verteidigende vierte Gewalt vor. Wenn ich die bis zum Erbrechen voyeuristische Fragenkaskaden von 400 (!) Fragen und Dutzenden Nachfolgefragen der Springer-Geier  zu einem Hauskredit von Christian Wulff sehe, stellt sich mir nur eine Frage:
Warum stellt die „Welt“ nicht mal angesichts der wirklich demokratie- und friedensbedrohlichen Vorgänge in der UNO den deutschen Verantwortlichen nicht eine einzige Frage? Es verlangt ja niemand sich wegen Kriegspropagandisten wie Cohn-Bendit die Finger schmutzig zu machen. Mein Vorschlag: Fragen Sie doch nur halbwegs so penetrant z. B. Herrn Theodor Rathgeber, den deutschen Unterzeichner (Nr. 20) des Briefes im UN-Menschenrechtsrat und die anderen nach ihrer Rolle zu Zeiten der Vorbereitung des NATO-Kriegs gegen Libyen in der UNO.
Nur 10 Fragen:
  1. Als sie am 21. 2. 2010 in Genf den Brief an Barack Obama, Catherine Ashton und die UNO mit der Forderung  unterschrieben, in Libyen „Alle verfügbaren Massnahmen und Druckmittel zu nutzen, um die Gräueltaten im ganzen Land zu beenden.“  (We urge you to use all available measures and levers to end atrocities throughout the country),welche Beweise lagen Ihnen da für „Bombardierungen des eigenen Volkes“ durch Gaddafi und die weiteren Behauptungen der libyschen Opposition vor?
  2. Wurden von Ihnen die Behauptungen des Schweizer Staatsbürgers, aber libyschen Oppositionsvertreters Sliman Bouchuiguir von der Libyan League for Human Rights, der seine Zahlen (6000 von Gaddafi ermordete Zivilisten, im Februar!) vom NTC bekam, im UN-Menschenrechtsrat geprüft?
  3. Halten Sie Sliman Bouchuiguir für eine vertrauenswürdige Quelle?
  4. Wer, wenn nicht Sie, prüfte die „Beweise“?
  5. Warum gab es keine Frist zur Überprüfung durch die UNO vor Ort?
  6. Wer legte Ihnen den Brief vor?
  7. Wie lange wurde er diskutiert bzw. hatten Sie Zeit die Vorwürfe zu überprüfen?
  8. Haben Sie später irgendwelche Beweise für die Vorwürfe gefunden?
  9. Ist Ihnen bekannt, dass der TV-Sender Sky von Saif Al Islam aufgefordert wurde, ihm die Orte der vom Sender ebenfalls behaupteten Gräueltaten wie Bombardements zu zeigen und es keine solchen Orte gab?
  10. Was haben Sie oder der Menschenrechtsrat unternommen, um die – gerichtsfest beweisbaren – Gräueltaten der NATO und der wie auch immer genannten Kampftruppen in Libyen zu untersuchen oder wie im Falle des Briefs vom 21. Februar solche zu verurteilen und „den Einsatz aller Mittel“ zu fordern?
Weil es die Presse nicht macht, habe ich Dr. Rathgeber geschrieben. Seine Antwort werden wir, falls er zustimmt, vollständig veröffentlichen. Doch die Leser von „HdF“ kennen viele Menschenrechtsorganisationen, denen diese Fragen ebenfalls gestellt werden sollten.
Springer kann mit 400 Fragen Staub aufwirbeln, um zu vernebeln. 
Wir wollen mit ein paar wenigen Fragen für Klarheit sorgen.
 PS.

Für jene die immer noch behaupten, in Libyen herrsche jetzt Demokratie und Freiheit und lachende Gesichter, wie der ARD-Nahost-Propaganda-Leiter Armbruster, für den bringen wir demnächst Erlebnisberichte aus dem Libyen von heute.

Quelle: Hinter der Fichte

2 Gedanken zu „Libyen/UNO: Keine 400 Fragen

  1. Interessant – und verblüffend – ist die Haltung der russischen deutsch- und englischsprachigen online-Zeitung RIA Novosti ( http://de.rian.ru/ ).

    1.) Nicht anders als unsere Nato-Medien zog sie stets über Gaddafi her. Auch jetzt wird die Nato-Vasallen“regierung“ stets als „Regierung“ oder als „Übergangsrat“ und der zusammengewürfelte Putschistenhaufen als „libysche Streitkräfte“ bezeichnet ( sieh z. B. http://de.rian.ru/security_and_military/20120104/262402250.html ). Die libyschen Widerstandskämpfer werden hingegen werden oftmals einfach als „Gaddafi-Anhänger“ bezeichnet.
    Oder auch dieser Hetzartikel von Novosti, in welchem den damaligen libyschen Streitkräften einfach mal per Verdacht chemische und biologische Kampfmittel angedichtet wurden: http://de.rian.ru/security_and_military/20110404/258750859.html .

    Während der heißen Phase des Libyenkrieges sprachen chinesische online-Zeitungen immer (zu Recht!) von der „libyschen Regierung“. Novosti sprach hingegen – im Schulterschluß mit den Nato-Medien – immer nur von „Gaddafi“. Auch wurden die gewalttätigen ausländischen Söldner und die libyschen Putschisten von Novosti immer zärtlich „Rebellen“ genannt. Auch die eklige Hetze, daß „Gaddafi“ angeblich Massenvergewaltigung der libyschen Frauen gezielt als militärischen Schachzug einsetze, mochte Novosti nicht auslassen und sprang begeistert auf diesen Lügenzug auf.

    2.) RIA Novosti untersteht als Staatssender dem russischen Präsidenten.
    Präsident Medwedew bestimmte und bestimmt auch die Außenpolitik, da diese in Rußland (eigenartigerweise) in das Ressort des Präsidenten fällt.

    Als Medwedew die damalige Stimmenthaltung Rußlands im Sicherheitsrat in seiner Novosti erläuterte (http://de.rian.ru/politics/20110321/258630491.html), lobte er die Resolution praktisch sogar als richtig: „Wir halten diese Resolution nicht für falsch… Mehr noch. Diese Resolution widerspiegelt im Großen und Ganzen unsere Vision des Geschehens in Libyen, allerdings nicht in allen (Aspekten).“
    Und zur offiziellen Nato-Bodeninvasion in Libyen forderte (!) er nie Nato geradezu auf(!): „Wir werden nicht an Operationen zur Sperrung des Luftraumes teilnehmen, wir werden auch keine Kontingente (nach Libyen) schicken, sollte diese Operation – Gott bewahre! – auf dem Festland fortgesetzt werden.“
    Das war praktisch eine Voraus-Ankündigung der russischen Duldung einer etwaigen Nato-Invasion in Libyen!

    3.) Diese erstaunlichen Nato-Kampagnen des russischen(!) Senders RIA Novosti – bzw. seiner online-Zeitung – setzt sich nun auch hinsichtlich Syriens und dem Iran fort! Letzten Donnerstag goß Novosti Öl ins Feuer der haltlosen Anschuldigung eines be3absichtigten Atombombenbaus :
    „IRANS ATOMBOMBE RÜCKT NÄHER: NEUE NUKLEARANLAGE IN BETRIEB“ – http://de.rian.ru/opinion/20120112/262447543.html

    Putin kommt bei RIA Novosti genauso schlecht weg wie beim SPEI-GEL. Heute wieder: „PUTIN IM WAHLKAMPF: UNHALTBARE VERSPRECHEN…“ – http://de.rian.ru/politics/20120117/262480577.html

    WAS ist eigentlich in Rußland los?

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