Libyen: NTC-Basis zerfällt

von John Schacher

Die Versammlung der libyschen Amazighs (auch Berber genannt) ruft dazu auf, die Verhandlungen mit dem NTC auszusetzen. Dies ebnet den Weg für Verhandlungen mit dem grünen Widerstand weiter. Morgenluft für Saif al-Islam? Auf der anderen Seite sind nahezu alle libyschen Kriegs-Parteien in breiter Front über die Regierungsbildung empört und sinnen auf Rache für die gebrochenen Versprechen.

Abdelhakim Belhadj beispielsweise hat den kompletten NTC mit dem Tod bedroht, nachdem er von der Regierung ausgeschlossen wurde.

Die Stämme des Ostens bereiten sich derzeit vor, den NTC anzugreifen, falls dieser nicht bereit ist, die Regierungsmannschaft zu ändern.
Die Zintan-Milizen kontrollieren der Flughafen in Tripolis und haben Belhadj festgenommen, weil sein Pass abgelaufen war. Danach liessen sie ihn wieder laufen. Es wird vermutet, dass er auf Befehl von Abdullah Naher arrestiert wurde, da dieser Belhadj als Agenten Katars einstuft. Die Abspaltung von Zintan ist auch im Stammesgebiet zu beobachten: gestern wurden alle NTC-Fahnen eingeholt und die eigene Stammesfahne gesetzt.

„Libyen wird nicht vom NTC regiert. Keiner von ihnen befindet sich in Libyen.“

Alle Mitglieder des NTC sind entweder auf Malta oder in der Türkei, in Tripolis oder Benghazi wären sie nicht sicher. Doch durch die Abwesenheit zerfällt die Macht der NATO-Operettenregierung an der Basis zusehends.

Der Bruder von Abdelhakim Belhadj wurde bei der Teilnahme am Angriff auf die von der NATO so sehr bestrafte libysche Stadt Bani Walid tödlich verwundet. Dies erklärt auch seine Ankündigung einer Strafexpedition, bei der Belhadj wohl die kürzliche Schiesserei in Bani Walid nur vorschiebt, um seinen Bruder nun rächen zu können. Bei dieser Schiesserei wurden 5 Rebellen getötet, einige verwundet, einige gefangengenommen. Zwei der Toten wurden von einem tapferen Hausvater beim Versuch in sein Privatheim einzubrechen erschossen. Am Freitag kam es nun zu ersten Folgeauseinandersetzungen der Belhadj-Brigaden mit den Warfalla in Bani Walid, wo sich das Agressionsverhalten der Medien wieder drastisch zeigte:

“Wir haben heute wieder mehrmals Journalisten gesehen, die erst persönlich herumgeschossen haben und dann als „Reporter“ berichteten, wie sehr sie gewünscht hätten, die (von ihnen verursachten) Vorfälle vermeiden zu können”.

Bani Walid wird hauptsächlich von Mitgliedern des größten libyschen Stammes, den Warfalla, bewohnt. Die Einwohner haben derartige Schmerzen, Aggressionen, Zerstörungen und Massaker nicht  verdient. Jedermann fragt sich, ob das die Form sein soll, wie „Demokratie“ gebracht wird…

Beim folgenden Video scheinen sich die Bürger über die Rückbaumassnahme jedenfalls aufrichtig zu freuen – nähere Umstände noch unbekannt…:


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