Franklin Lamb: Unheils-Mond über der Großen Syrte

erschienen bei Almanar und Mathaba

Übersetzung John Schacher

Bad Moon Rising over Great Sirte Bay

geschrieben von Franklin Lamb
in Sirte, Libyen

Der Beobachter gräbt mit seinen besandalten Füssen wohlig im Sand eines kühlen Strandes am Mittelmeer, hingekauert neben einem Lagerfeuer mit einer geistreichen Gruppe immer noch schwer bewaffneter „NATO-Rebellen“ und erfährt hierbei, dass sich die Erfahrungen der vergangenen acht Monaten für viele Libyer, die mit oder für die NATO kämpften, ziemlich verschieden von dem darstellten, was die westlichen Mainstream-Medien uns glauben machen wollten. Und was viele von uns, die den vergangenen Sommer in der westlibyschen Quadhafi-Hochburg verbracht haben, auch geneigt waren, ihnen zu glauben.

Zwei Personen aus meiner neuen Bekanntschaft stammen von der rechtlichen Fakultät der nun wieder zurückbenannten „Universität von Benghazi“ (deren alter Name nach der 1969-er Fatah-Revolution in Garyounis geändert worden war). Sie und die sechs weiteren Männer hatten an den meisten Kämpfen in Libyen zwischen Februar und Oktober 2011 teilgenommen. Unser Treffen war von einem Rebellen-Kommandanten namens “Samal” arrangiert wirden. Zuvor hatte ich Samal völlig zufällig am Busbahnhof im ägyptischen Alexandria getroffen, wo – wie in Kairo – viele NATO-Rebellen gerade mit R&R (Rest and Recuperation) beschäftigt sind. Sein Besuch in Ägypten war Samal´s erste Pause nach einer Militärdienstzeit von acht Monaten, erklärte er. In seinem anderen Leben ist er als Teilzeit-Bibliothekar an der Universität beschäftigt und plant, im Januar mit dem Beginn des akademischen Jahres seine Studien fortzuführen. Wie die meisten Studenten in Libyen verlor er ein volles akademisches Jahr, da die Schulen wegen des libyschen Aufstandes geschlossen wurden und will nun weiter an seinem Diplom in Computerwissenschaften arbeiten.

Samal gibt bereitwillig zu, dass er, wie viele Libyer, gar nicht so sehr gegen Muammar al-Gaddafi persönlich war, sondern vielmehr gegen viele aus dem Umfeld „des Führers“, die Vorteile von ihren Positionen, Verbindungen und der Immunität nahmen und reihenweise Verbrechen gegen die Öffentlichkeit begangen haben. Das Interesse dieses Beobachters an diesem Thema verstehend und wieder zurück in Misrata, organisierte Samal ein paar Tage später ein Treffen mit einigen seiner Freunde in einem Café an der Mittelmeerküste des Golfs von Sirte. Das „Abu Nasser“ liegt am Rande des Dorfes Qasr Abu Hadi, wo Muammar Gaddafi in einem Zelt geboren wurde und wo er als Junge aufwuchs, bis seine Eltern ihn zur in Sabha gelegenen weiterführenden Schule fünf Jahre lang nach Süden schickten. Es war in Sabha, wo der angehende Nasser-Revolutionär Berichten zufolge seine Vorliebe für das Geschichts-Studium entwickelte, einer lokalen Jugendgruppe bei- und später in die libyschen Streitkräfte eintrat.

Nach einem tollen Essen von würzigen libyschen Couscous mit großen Stücken vom Lamm auf den Knochen im „Abu Nasser“ begann es dunkel zu werden. Da bemerkte ich, dass Samal in Richtung nordöstlicher Horizont tief in den Golf von Sirte blickte. Als der Vollmond aufging, schlug er vor, ein Lagerfeuer am Strand zu machen, um auch weiterhin unsere Diskussion unter den Sternen führen zu können. Ehrlich gesagt, konnte Samal nichts perfekteres vorgeschlagen haben für diesen Mann aus Oregon, der als Kind so manchen Abend neben Lagerfeuern am Strand der oft kalten und stürmischen Küste von Oregon oder an den Ufern des Kellogg-See´s in der Nähe des Lamb-Familiensitzes am Lake Road  in Milwaukie zugebracht hatte.

Die Verbindung der libyschen Machtpole läuft über die Öffnung der “Great Sirte Bay” zwischen einem Punkt nahe Benghazi und den westlichen Vorläufern des Golfs bei Misrata.

Einer der Dozenten an der juristischen Fakultät von Benghazi erzählte uns, dass „unser Führer“, sich dann schnell und selbstbewusst mit dem Begriff „der Tyrann“ korrigierend, das Camping genau hier am diesem Strandstück (wohin Samal uns gebracht hatte) sehr genossen hatte. Er erzählte uns, dass al-Quadhafi es liebte, Besuchern die „Great Sirte Bay“ – wie er sie nannte – zu zeigen, wo er zu schwimmen pflegte. Gaddafi würde den Besuchern über die historische Rolle des Golfs von Sirte beim Rauswurf des amerikanischen Militärs in der Mitte der 1980-er Jahre erzählen,  als die libysche Luftwaffe die von Präsident Reagan gesandten US-Flugzeuge verjagte, die die berühmte rote Linie Quadhafis (er nannte sie geschickt die „Line of Death „) ausloteten. Die Linie des libyschen Staatschefs lief geradlinig über die Mündung der „Großen Syrte Bucht“ bei 32 Grad, 30 Minuten nördlich zwischen Punkten nahe Benghazi und der westlichen Landzunge der Bucht bei Misrata. Diese rote Linie signalisiert Libyens Anspruch auf eine exklusive Fischereizone von 62 nautischen Meilen (115 km) – (die Bucht von Sirte verfügt über die weltweit größte Population von Thunfischen, weshalb während des Ramadan in diesem Jahr, als durch die Kämpfe in unserem Hotel keine frischen Lebensmittel mehr verfügbar waren, JEDES Iftar-Essen (Fastenbrechen) aus einem Berg von Thunfisch in Dosen bestand, so dass dieser Beobachter ihren Anblick nun nicht mehr ausstehen kann). Gegenüber der UN erklärte Libyen, aufgrund der natürlichen Konfiguration sei der Golf von Sirte in der Tat libysches Hoheitsgewässer, wie von Gaddafi zuerst im Jahr 1973 behauptet wurde. Laut al-Gaddafi resultierte Libyens historischer Sieg in der „Großen Syrte Bucht“ aus der 1984 erfolgten „Vertreibung der US-Armee aus der Gegend“. Die US-Regierung verurteilte Libyen damals zwar für „illegale Aneignung von hoher See“, entschied dann aber, dass die Sache keinen Krieg wert sei und liess der Angelegenheit ihren Lauf.

Einige meiner Gesprächspartner am Strand hatten seit Ende Februar 2011 gekämpft. Samal und zwei andere waren in 6 der wichtigsten Schlachten gewesen, einschließlich, Brega, Misrata, Zawia, Tripolis, Bani Walid und Sirte. Ich fragte die Gruppe, ab wann die Rebellen begannen daran zu glauben, sie könnten ihre Gegner letztlich besiegen. Ahmed antwortete unmittelbar: „Nach der dritten Schlacht von Brega konnten wir sagen, dass die al-Gaddafi Kräfte ihr Herz nicht in diesem Kampf hatten. So um den 20. Juli, schätze ich.“

Ahmed´s Kollegen pflichteten bei und einer fügte hinzu:

“Es war wie eine Wiederholung, als die israelischen Truppen in Jahr 2006 aufgaben und gegen die Hisbollah im Libanon verloren. Die israelischen Streitkräfte konnten offenbar nicht an ihre Mission glauben. Viele dieser Gaddafi-Jungs auch nicht. Wenn Du auf dem Schlachtfeld bist, kannst du die Verfassung deines Feindes spüren, auch wenn du ihn nicht sehen kannst. Während der dritten Schlacht um Brega kämpften wir auf kurze Distanz in den Wohngebieten und die meisten von Gaddafis Truppen zogen sich nach Ras Lanuf zurück. Einige blieben noch in ein paar Gebäuden zurück, aber sie waren keine Bedrohung mehr für uns.

Rashid warf ein,

“Nach Brega wussten wir, dass wir früher oder später gewinnen würden, weil wir uns Kampf nach Kampf fragten, wo denn die reguläre libysche Armee blieb? Wir kannten einige von ihnen persönlich, aber wir sahen sie nie. Wir fragten uns, was mit ihnen geschehen war. Schließlich merkten wir, dass Gaddafis Autorität gesunken und seine Truppen weggeschmolzen waren. Das wurde am 23. August deutlich gemacht, als wir in Tripolis so wenig Widerstand fanden. Eigentlich waren wir schockiert. Seine Armee hatte ihn verlassen.”

Samal bemerkte,

“Ja, aber denken Sie daran, dass wir offen zugeben, ohne die NATO nicht einen einzigen Monat überdauert haben zu können. Bitte glaube auch nicht, dass wir in Liebe zur NATO entbrannt sind, obwohl viele Libyer für unser Land einen NATO-Beitritt zu wünschen scheinen und einige in der NATO und unserer Übergangsregierung dies auch wünschen. Die NATO weiß, dass unser Land eine perfekte AFCOM-Basis wäre, um Afrika neu zu kolonisieren und alle fortschrittlichen Projekte für die afrikanischen Länder gewaltsam zu beenden. Bitte glaube nicht, dass wir nicht wissen, was die NATO-Staaten von Libyen und unseren Nachbarn wollen. Sie wollen aus Libyen und der gesamten Region das Öl und die natürlichen Ressourcen, sie wollen Militärbasen auf unserem Boden und sie möchten, dass wir Israel akzeptieren. Sie planen dies alles zu erreichen, indem sie Araber dazu bewegen, andere Araber zu töten und Muslime zum Kampf gegen andere Muslime führen.“ 

Ein Geschichts-Professor fügte hinzu:

Wie wir in den letzten Monaten sahen, wollen die USA und ihre Verbündeten versuchen, die Rolle der westlichen Länder auf Bereitstellung von Unterstützung aus der Luft mit Bomben, Drohnen und Spezialeinheiten zu begrenzen, ohne ihre regulären Truppen zu schicken. Dies ist der NATO-Plan. Wir sahen ihn deutlich in unserem Land und vielleicht werden wir dasselbe in Syrien bald in einer anderen Form wiedersehen„.

Kamal, ein Medizintechniker erklärte:

“Viele der Gadhafi-Loyalisten in Tripolis and Westlibyen, die von NATO-Bomben getötete Zivilisten gesehen haben übersahen dabei, dass die NATO auch viele von uns Rebellen getötet hat, auch Zivilisten in den östlichen Regionen des Landes. Es ist uns verboten, darüber zu sprechen, aber die NATO hat viele Fehler gemacht. Wir nannten sie „die Bande, die nicht sauber bomben kann“ und viele aus unserer Truppe, einige Hundert würde ich sagen, wurden von der NATO durch Bomben getötet. Eine noch viel höhere Anzahl von Zivilisten kam in den von uns kontrollierten Gebieten durch NATO-Bomben ums Leben. Oft fürchteten wir die NATO mehr als die Gaddafi-Kämpfer. Menschenrechtsgruppen sollten untersuchen, was damals wirklich geschah, denn der NTC wird es sicher nicht machen.”

Unter dem großen Vollmond über der „Great Sirte Bay“ und bis tief in die Nacht hinein teilten die Gastgeber dieses Beobachters ihre ehrlichen Ansichten über eine Vielzahl von Themen mit, von denen nun einige folgen:

Sie prophezeiten, dass es in Algerien zum nächsten „arabischen Frühlingsaufstand“ kommen wird. Die Rebellenkämpfer berichteten, das einige libysche und ausländische Islamisten, letztere hauptsächlich in saudischem Sold stehende Salafisten, schon von Libya nach Algeria gezogen sind, wo die Regierung seit 1992 die Islamisten verfolgt. Zwischen 1988 und den späten 1990-er Jahren wurden mehr als 200.000 Zivilisten getötet, 20.000 Menschen verschwanden, ohne jemals wieder von ihnen zu hören und zig-tausende wurden verwundet. Diese Zahlen lassen die gegenwärtigen Todeszahlen in Libyen und dem arabischen Frühling klein erscheinen. Der kommende Aufstand in Verbindung mit der erwarteten Reaktion der algerischen Regierung könnte fürchterlich werden.

Einer der Gründe ist, dass großer Ärger gegenüber der Bouteflika Regierung wegen deren umfangreichen Waffenlieferung an das Quadhafi-Regime sowie bezüglich des Schutzes für Mitglieder der Quadhafi-Familie gibt. Algerien wird weiterhin ein sehr kühle Beziehungen zur neuen libyschen Regierung pflegen. Auch gibt es den Verdacht der massiven Unterstützung des wachsenden libyschen Widerstandes seitens Algerien. Der NTC seinerseits würde einen Aufstand in Algerien unterstützen, glauben Samal und seine Freunde.

Samal und seine Freunde sprachen über ihre Enttäuschung bezüglich der Tatsache, dass Großbritannien, Frankreich, die USA und andere NATO-Länder in Libyen derzeit wie die Heuschrecken ausschwärmen, um lukrative Verträge zum Wiederaufbau von Misrata, Brega, Sirte, usw. zu schliessen, nachdem sie und ihre NATO-Flugzeuge jene zerstört hatten. “Das ist Haram (unrein)!”, klagt Ahmad an. “Sie zerstörten unser Land und wollen uns nun für den Wiederaufbau bezahlen lassen. Ich wünschte, wir könnten den Wideraufbau ohne Profite für NATO-Länder bewältigen. Das ist dasselbe wie mit der verrückten amerikanischen Präsidentschaftskanditatin, die den Irak für den Tod der US-Besatzungssoldaten zahlen lassen wollte. Die USA müssten den irakischen Familien jeden einzelnen der mehr als 1 Million toten Iraker bezahlen. Und zusätzlich natürlich alle Schäden durch ihre Bombem im Irak.”

Es besteht die Möglichkeit, dass Libya das Gleich erleben könnte wie der Kongo nach dem Sturz des Diktators Mobutu. Samal bemerkt einige Parallelen und die Möglichkeit, dass viele Libyer Quadhafis Abgang tatsächlich bedauern, wie auch viele im Kongo bezüglich der Abwesenheit des 33-jährigen Herrschaft des starken Mannes Mobutu Bedenken haben. Auch da Al-Quadhafi seinem zerstückelten Land eine Art von Einheit, ein Gefühl Libyer  zu sein, kostenlose Bildung, kostenlose medizinische Hilfe, Wohnbauförderung und den Frau ihre Rechte gegeben hat, die nun in Gefahr sind. Ahmed erklärt: „OK, wir sind „frei“, was nun? Jeder sagt, wir seien reich. Warum fühlen wir uns so schlecht? Welche Art von Regierung werden wir haben? Ich bin für eine starke einheitliche Regierung, wie sie Patrice Lumumba in den Kongo gebracht hat. Viele wollen ein föderales System. Wir haben es zu erschaffen. Jetzt ist unsere größte Herausforderung das Führungs-Vakuum. Werden wir bedauern, dass Gaddafi weg ist? Sicherlich werden dies viele tun. Nicht alle von uns Rebellen hassten Gaddafi, doch sie hasste seine Schergen, die außer Kontrolle geraten waren und ihre eigenen kleinen Imperien schufen. Daher kommt es, dass viele jetzt sagen, dass in die neue Regierung keine ehemalige Handlanger Quadhafis dürfen. Sie waren das Hauptproblem, nicht Al-Quadhafi selbst.“

„Diese Gastgeber zeigten dem Beobachter viele tolle Fotos, die sie auf ihren Kamera-Handys in den vergangenen Monaten geschossen hatte. Beim Vorführen eines Fotos von bärtigen Kämpfern erklärte Ahmad, dass die westlichen Medien diese Bärte sahen und sofort daraus „Al-Qaeda“ schlossen. „Das ist überhaupt nicht wahr und wir lachten, als wir diese falschen Berichte gesehen haben“, fuhr er fort „die Ursache, warum die Medien so viele Bärte sahen, ist der einfachen Grund, dass wir nicht genug Zeit hatten, uns zu rasieren. Wenn ich etwas freie Zeit hatte, nutzte ich sie zum Putzen meiner Waffe oder ruhte aus, statt mich zu rasieren. Wie Sie sehen, trage ich nun keinen Bart mehr. Das Gleiche gilt für viele meiner Freunde. Ja, es gibt reichlich Al-Qeada unter uns. Und ich möchte hinzufügen, dass jeder Al-Qaida-Kämpfer während des Kampfes 100 von uns wert ist. Sie sind sehr gut ausgebildet und sehr erfahren mit Sprengstoff. Ich weiß nicht, wie sie es machen, was sie mit einfachen Geräten fertigbringen, zudem haben sie keine Angst zu sterben. Doch sie haben uns hier in Libyen nicht unter Kontrolle. Ob sie schließlich fertigbringen, wird die Zeit zeigen.“

Alle brachten ihre Besorgnis über den wachsenden Einfluss des Persischen-Golfs-Staates Katar zutage, dem sie bestätigen, den Aufständischen Millionen an Dollar, Waffen und Kämpfer geschickt und Flugzeuge gegen Gaddafi-Loyalisten genutzt zu haben, während Katar jedoch die Salafistischen Gruppen favorisierte.

Meine Gastgeber drückten ihre tiefe Besorgnis über das aus, was sie als tiefes politisches Vakuum in Libyen erkennen und was sehr schädlich und gefährlich für die nationale Einheit ist. Ihre einmütig vorgetragene Meinung war, dass der Start einer neuen gesetzgebenden Versammlung innerhalb der nächsten paar Monate benötigt wird, sehr viel früher als der NTC mit ins Jahr 2013 verschobenen Mehrparteienwahlen vorschlägt.

Die Kämpfer dachten, es bestehe keine Möglichkeit, dass alle Rebellen-Miliz ihre Waffen in absehbarer Zeit abgeben würden. Einer der Gruppe bestand darauf: „Ich werde keine meiner Waffen abgeben, und ich, wie meine Freunde, haben viel von ihnen einschließlich schultergestützer Raketen versteckt. Ich behalte sie, bis ich überzeugt bin, dass die neue Regierung wirklich dem Volke dient.“ Sie diskutierten darüber, wer die neue nationalen Armee befehligen wird und dass dies eine schwierige Entscheidung sei, die zu internen bewaffneten Konflikten führen könne.

Sie gingen der Tatsache nach, dass Al-Quadhafi immer noch viele Anhänger sowohl in Libyen als auch ganz Afrika hat. Meine Gastgeber dachten alle, dass die von Loyalisten neu gebildete Libyen Liberation Front  in den kommenden Monaten eine wichtige Kraft werden könnte. Sie empfahlen einen Dialog mit der LLF, etwas, was die Obama-Regierung und die NATO im Einklang dem Gaddafi-Regime in den vergangenen acht Monaten konsequent verweigert hatten. Sie erkannten an, dass ein Dialog zwischen der libyschen Regierung und den Rebellen im März die Tragödie der anschließenden 7 Monate hätte vermeiden können.

In der folgenden Woche erhielt dieser Beobachter eine zusätzliche Bestätigung aus mehreren glaubwürdigen Quellen, dass zwischen dem 10.11.11 und dem 16.11.11 ganze 28 NATO-Staaten vom NATO-Hauptquartier angewiesen worden waren, in jeder ihrer Botschaften jede stattfindende VISA-Anwendung jedes libyschen Bürgers, welcher ihr Land besuchen will, in der Anwendung einzufrieren. Innerhalb von 24 Stunden hat die Botschaft eine Kopie der VISA-Bescheinigung und eines der beiden benötigten Fotos zusammen mit dem Antrag zu INTERPOL für die mögliche Erteilung einer „red notice“ zu senden. Dies bedeutet Festnahme und Inhaftierung für den Antragsteller, eine Entscheidung des NTC in Bezug auf einen Auslieferungsantrag für die Person zurück nach Libyen vorbereitend. Abdel Hafiz Ghoga, stellvertretender Vorsitzender der Nationalen Übergangsregierung Libyens ist laut Quellen aus Tripolis die treibende Kraft hinter diesen Entscheidungen. Das NATO-Projekt zeigt klar, dass die NATO hat ihre Aggression gegen Libyen noch nicht beendet hat. Zudem ist es grundsätzlich rechtswidrig und stellt eine Zurückweisung dar, eine nach internationalem Recht zwangsweise Rückführung einer Person in ein Land, wo er oder sie Verfolgung zu befürchten hat. Bis heute arbeiten internationale Menschenrechtsorganisationen an genau diesem Vorhaben.

The Al-Hamedi family house bombed by NATO.
This aggressive attack has killed the whole family of IOPCR chairman; his wife Ms. Safaa Ahmed Mahmoud, his innocent daughter Khaleda Khaled Khuwaildi (6 years), his innocent son Khuwaildi Khaled Khuwaildi (4 years), and 9 others from women, children, relatives and neighbors.

 

Khaled Al-Hamedi am Grab seiner Frau und Kinder

Eine dieser betroffenen Personen, mit dem sich der Beobachter vor kurzem außerhalb Libyens traf, ist  am 27.11.11 zu einer Gerichtsanhörung in Brüssel als Zeuge gegen die NATO vorgeladen. Betreffs der Abschlachtung der Khaled Hamidi-Familie aus Sorman, Libyen vom 20. Juni 2011.

Das Haus der Familie wurde von drei amerikanischen MK-83-1000 lb.-Bomben und zwei Raketen ausgelöscht. Der Grund war laut NATO, ohne dabei ein Fünkchen Beweis für ihre falsche Behauptung anzubieten, dass dieses Haus der Familie ein Command and Control-Center für Quadhafi-Loyalisten gewesen sei (eines der 49 unbewiesenen C & C-Center, die von den NATO Brussels-Neapel Media-Briefings über die letzten 7 Monate gemeldet wurden). Die von der NATO am 20. Juni 2011 Ermordeten sind:

Khaled Hamedi’s schwangerer Frau Safa, ihrem drei Jahre und einen Tag alten Sohn Khweldi und ihre viereinhalb Jahre alte Tochter Khaleda, wie auch ihr sechs Jahre alter Neffe Salam und weitere 13 Familienmitglieder und Freunde, die dort alle nach der Familienfeier anlässlich des 3. Geburtstages des Sohnes übernachteten.

In der Zwischenzeit unterstützen am 15.11.11 die Senatoren John Kerry, Joe Lieberman, John McCain und Marco Rubio gemeinsam die Senate Bill 317, deren Zweck es ist, die US- und NATO-Truppen für ihre „außergewöhnliche Tapferkeit und Professionalität zu loben.“

Als der Horizont durch die roten Strahlen der aufgehenden Sonne durchbrochen wurde, zerstreute sich unsere Gruppe. Ich wanderte alleine durch einige der Straßen von Sirte inmitten von völlig zerstörten Gebäuden, in denen nicht einmal eine wilde Katze zu sehen war. Immer noch tief aufgewühlt von dem, was ich von den „Rebellen“ während der Nacht zu hören bekommen hatte und der Ähnlichkeit ihrer Ansichten mit dem, was ich in diesem Sommer in den Pro-Gaddafi-Gebieten des westlichen Libyen erlebt hatte. Ich fühlte mich taub und fassungslos.

Und ich fragte mich, “zu was um der Liebe Gottes willen waren diese Monate des nutzlosen und unmoralischen NATO-Gemetzels überhaupt gut?“ 

Ein Unheils-Mond steigt über der Großen Syrte-Bucht auf.

Franklin Lamb is doing research in Lebanon. He is reachable c\o fplamb@gmail.comHe is the author of The Price We Pay: A Quarter-Century of Israel’s Use of American Weapons Against Civilians in Lebanon. Dr. Lamb is Director, Americans Concerned for Middle East Peace, Wash.DC-Beirut Board Member, The Sabra Shatila Foundation and the Palestine Civil Rights Campaign, Beirut-Washington DC
Shatila Palestinian Refugee Camp
Beirut Mobile: +961-70-497-804
Office:  +961-01-352-127

Source: Al-Manar Website

19-11-2011 – 11:23 Last updated 22-11-2011 – 14:22

5 Gedanken zu „Franklin Lamb: Unheils-Mond über der Großen Syrte

  1. Sind halt junge Leute, die ihre eigenen Erfahrungen machen werden.

    Es ging also gegen das korrupte Umfeld Gaddafis. Jede Wette, das sich die Burschen noch nach diesem korrupten Umfeld zurücksehnen werden, im Vergleich zum „Umfeld“ und zum eigentlichen Machtzentrum ihrer neuen Herren.

    Das wird ohne Zweifel ein bisschen dauern, aber es kommt wie das Amen in der Kirche. Gute Idee, die Waffen aufzuheben.

    Ich meine, das sich die Leute kein Urteil über Gaddafis Armee erlauben können. Dazu hatten und haben sie garnicht den Überblick. Gaddafis Armee war klein und die NATO-Ratten haben aus der Luft alle schweren Waffen, Panzer etc. zusammengeschossen. Was soll man da erwarten? Gerade die Einschätzung der Jungs zu Tripolis stimmt ganz offensichtlich nicht. Über Sirte und Bani Walhid muss man auch nichts sagen. Wie kommt denn so ein Widerstand da zustande? Aus dem Nichts oder weil die Leute Gaddafi verlassen hatten?

    Netter glaubwürdiger Bericht, ohne tiefere analytische Bedeutung der militärischen Lage. Dagegen ein sehr gutes Stimmungsbild der jungen NATO-Ratten. Mußte ich mal loswerden – wieso sollen die Leute, welche bis vor kurzem noch Ratten waren, heute keine mehr sein? xD

  2. Danke für den ausführlichen Bericht.

    Den jungen Herrn beginnen schon, ein bischen die Augen aufzugehen….mal abwarten, bis sie richtig klar sehen, dann bleibt nur noch ein Heulen und Zähneklappern…..

  3. Ich kann Erwin Kaletzki und DerLesenden nur zustimmen. Die jungen Burschen vergessen auch noch eines: Gaddafi hat diese Korruption ja selbst als Problem erkannt und versucht sie mit der Korruptionsbehörde zu bekämpfen

    Wer etwas gegen diese entgleisten regionalen Führer tun hätte wollen, der hätte diese eliminieren und nicht das Volk erschießen sollen.

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