Libyen, Tripolis 14. Oktober 2011 – Stunde Null der Befreiung

von John Schacher

Begonnen hatte es in der Nacht zum Freitag mit dem Aufruf der legitimen Regierung zu landesweiten, friedlich beginnenden Protesten gegen die Besatzungstruppen und das NTC-Regime. Seit den frühen Morgenstunden steppt nun in Libyen der Bär. Diesmal nicht in Badelatschen! Auf Mitglieder der NTC-Regierung hat Muammar Al-Quadhafi nun ebenfalls ein Kopfgeld ausgestzt: 500.000,- Dollar. Sabha wird in libyschen Quellen als befreit und die Belagerung von Sirte als aufgeweicht bis gebrochen gemeldet.

Als Hauptstadt Libyens kann Tripolis derzeit ja nicht bezeichnet werden, da Bani Walid zur vorübergehenden Haupstadt bestimmt wurde. Am Freitag gelang es dem Widerstand, ein großes Munitionslager der NATO-Rebellen in Tripolis in die Luft zu jagen. Das Stadtviertel Abu Salim ist vollständig befreit und wird von der libyschen Regierungsarmee gehalten. Das dortige Rebellen-Hauptquartier wurde ein Raub der Flammen. Eine Menge libysche Bürger, die vom NTC aus Gesinnungsgründen oder vielfach auch wahllos gefangengesetzt wurden, konnten aus zahlreichen Gefängnissen in Tripolis befreit werden, wo sie Folter und Mord ausgesetzt waren. Meldungen bestätigen, dass die NTC-Rebellen derzeit in Panik ihre Gefangenen töten, um keine Zeugen zu hinterlassen, weshalb die Gefängnisse erste Priorität sind. Vom Ost-Plateau der Stadt werden heftige Gefechte mit den sich zurückziehenden Rebellen gemeldet. In vielen Stadtteilen ist die Leitungswasserversorgung schon wieder abgestellt worden, den Bürgern wird geraten, sich Wasser-Notvorräte anzulegen.

Derweil haben die Stammeskrieger der Warfalla und Rishvana Tripolis vom Süden und Westen her umstellt, verhindern NATO-Nachschub und fangen flüchtende NTC-Rebellen ab. Auch die Stämme aus Zliten und Garyan, die gerade ihre eigene Heimatstadt erfolgreich befreien konnten, sind auf dem Weg nach Tripolis. Im Grenzgebiet zu Tunesien kam es zu Kämpfen, bei denen NTC-Rebellen den Kürzeren zogen: 25 Fahrzeuge wurden in der Sousse-Region zerstört, die tunesische Grenze ist derzeit für NATO-Kräfte unpassierbar.

Zwei Abschüsse von NATO-Helikoptern über Tripolis wurden heute gemeldet. Ein Chinook CH-47G-Transporthubschrauber soll direkt am Eingang zum Quadhafi-Compound Bal-al-Azizia niedergegangen sein, die beförderten 13 britischen SAS-Soldaten darin tot. Der Absturz soll gefilmt worden sein. Desweiteren gleich noch ein Chinook, diesmal aber mit 44 getöteten Insassen. Um bei Helikoptern zu bleiben: für Sirte werden seit dem Beginn der Belagerung 10 (!) abgeschossene Helis angegeben. Waidmannsheil!

Das Weisse Haus gab am Freitagabend bekannt, dass der amerikanische Botschafter in Tripolis verschwunden ist (CNN)!!! Das passt gut zu den Befehlen des Widerstandes für diesen Tag, die Botschafter der Verräternationen in Tripolis gefangenzunehmen. Ein großartiger Schachzug, da man die Herren Botschafter vermutlich nicht so einfach wie die gefangenen europäischen Söldner zur Beweisvernichtung schnell von den eigenen Leuten abschlachten lassen kann. Heute trat auch der britische Kriegsminister zurück – nicht etwa aus ethischen Gründen, sondern weil er wegen unseriöser Reise-Affären ins Kreuzfeuer geraten war.

Auch der Mitiga-Flughafen in Tripolis ist Schauplatz von heftigen Gefechten. Hier kommt das Problem zum Tragen, dass der Flughafen dank seiner großen Freiflächen mit dem dort vorhandenen High-Tech-Arsenal sehr gut zu verteidigen und demnach schwer einzunehmen ist. Doch die Lage muss bereinigt werden, und das so schnell wie der Wind, bevor die NATO reagieren und weitere Bodentruppen herankarren kann. Wenn dieser Befreiungsschlag gelingt, lässt sich eine langfristig angelegte Besetzung mit Blauhelmen vermeiden. Gefechte werden auch rund um das Rixos-Hotel (dessen Einnahme beabsichtigt ist), das Miltitärcamp 77, den Stadtteil Salah Eddin und das Gebiet Ben Gahir gemeldet. Auch am Grünen Platz wird heftig gekämpft. Der Großteil der NATO-Ratten habe sich im Hafengebiet verschanzt und warte auf bessere Tage. Einige Analysten glauben, das  Abdel Hakim Belhaj bereits tot ist; andere vermuten, dass er aus Furcht vor der Revolte mit seinen Leibwächtern aus Tripolis geflohen ist.

Hoffentlich gelingen heute im Schutze der Nacht alle strategischen Vorhaben des Widerstandes und lassen sich im Laufe der nun folgenden blutigen Tage stetig erweitern, damit die libyschen Helden ihre wohlverdiente Freiheit schon bald wieder in tapferen Händen halten können.

Die große Frage, die sich der Welt dann bald stellen wird und vor der die Herzen gewisser Herren bang beben, ist: Wo in aller Welt findet das Gerichtsverfahren gegen NATO und NTC statt?

Abschliessend noch eines: dass sich an einem solch ereignisreichen Tag wie heute auch die ein oder andere Falschmeldung eingeschlichen haben dürfte, ist uns allen hoffentlich klar… die objektive Suche nach der Wahrheit – der wir uns verpflichtet fühlen – bleibt immer unser Hauptanliegen.

In der letzten Sekunde des Films um 1.11 min sieht man die Wucht dieses Kampfes in erschütternder Form:







11 Gedanken zu „Libyen, Tripolis 14. Oktober 2011 – Stunde Null der Befreiung

  1. Der Sieger schreibt die Geschichte

    Großartiger Beitrag der hoffen lässt, danke dafür. Allerdings stimmt mit dem Artikelfoto etwas nicht, genauer gesagt mit dessen Schattenwurf. Der Seilschatten verläuft genau entgegengesetzt des Schattens, den der Soldat wirft. Aber ok, geschenkt. Die Informationen im Text sind das Entscheidende und die geben wirklich Grund zur Hoffnung, dass dieses Mega-Verbrechen endlich bald endet.

    Sollte es allerdings tatsächlich zur juristischen Aufarbeitung der Geschehnisse und Hintergründe kommen, gehörte die Lügenpresse ebenfalls auf die Anklagebank. Nur, was sollte man den smarten Schreibtischtätern schon vorwerfen können? Volksverhetzung? Vorsätzliche Irreführung der Öffentlichkeit durch Falschmeldungen? Solange die Mietmäuler sich hinter Floskeln verstecken wie: „unbestätigten NTC- Berichten zufolge sollen…haben,“ kommen die Agitateure wieder einmal ungeschoren davon, obwohl sie maßgeblich an der psychologischen Kriegsführung der NATO beteiligt sind und waren. Vielleicht wirft ja das Presserecht Lösungen aus, die die Kerle ebenfalls auf die Armsünderbank nageln.

  2. Nachtrag:

    Apropos, die Praxis, angesichts herannahender Befreiungstruppen die Gefangenen zu töten um Zeugen zu beseitigen, erinnert fatal an die Nazis, die wegen der nahenden Alliierten die KZ- Häftlinge ermordeten um Zeugen aus dem Weg zu räumen. Die Nürnberger Prozesse werden ein Revival erleben.

  3. Hallo Josch,
    den Begriff „Schreibtischtäter“ hast Du gut gewählt.
    Diese Leute muß man eigentlich gar nicht bestrafen, denn mit ihrer Art der Berichterstattung diskreditieren sie sich selbst. So kann man sich natürlich ganz gut selbst ins Aus befördern und einen ganzen Berufsstand in Verruf bringen…
    Selbst eingefleischte Foristen in den diversen Foren zeigen sich von dieser Art der Berichterstattung mittlerweile angeekelt.
    Wahrlich, es gibt Leute, die sind das beste Pferd im Stall ihrer Gegner!

    Die Propanda im Nationalsozialismus, die bestimmt sehr ausgeklügelt war, bezeichnete Churchill häufig als „syphilitischen, betrunkenen Paralytiker“. Der so Diffamierte heizte der Gegenseite aber ganz ordentlich ein…

    Und der „verückte alte Mann“ aus Libyen? Er ist allen Falschmeldungen und Unkenrufen (beides darf sich der Mainstream in Zukunft gerne schenken, glaubt sowieso keiner mehr; die Leute lachen schon…) immer noch da.
    Und wenn er nicht in Dollars bezahlt, so kann er es in einer auf der ganzen Welt konvertiblen Währung bezahlen, in Gold, dass er teilweise mitgenommen hat.
    Wetten, dass sich, angesichts des Elends, der Eine oder Andere finden wird, der sich dieses Kopfgeld gerne verdienen wird?

  4. Mein heutiger Kommentar bei meta-tagesschau, dem Lügenblog der ARD :

    „Aha, jetzt also Tripolis mit seinen „fröhlichen“ Menschen

    15. Oktober 2011 – 13:33 — kein Freund

    Wo ist denn Herr Armbruster? Wo sind die gefangenen Söhne Gaddafis? Wo ist die Einnahme der Stadt Sirte? Ah, ja, richtig, ….es fehlt nur noch ein gaaanz kleiner Fleck, den wir noch nicht haben. So ähnlich Hitler zu Stalingrad und ihr NAZISCHWEINE von der ARD seid die Nachfolger von Julius Streicher. …und ihr wißt ja, welche gerechte Strafe diese Kriegstreiber und Volksverhetzer dann ereilte. Ihr fordert Benimmregeln ein, nachdem ihr die User und Leser und Gebührenzahler monatelang belogen und beleidigt habt – durch eure NATO-Schreiberlinge „tagtest“ usw. ihr Kriegtreiber bekommt eure Strafe und kommt ja nicht damit, ihr hättet im Auftrag eures Chefs gehandelt. Die Leute haben die Schnauze voll von euren Lügen und euch. NAZISCHWEINE“

    wurde natürlich nicht gebracht, was mir ehrlich gesagt auch egal ist. ARD und ZDF unterstützen einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg und bagatellisieren Kriegsverbrechen. Das alles noch mit Zwangsgebühren. Ich würde sagen es reicht. Man hat eigentlich die Pflicht, dieser Nazibande vom „öffentlich rechtlichen Fernsehen“ das Wasser abzugraben.

  5. Ein weiterer großer Schritt in Richtung Wahrheit:
    Lizzie Phelan and Dan Glazebrook – “Stop-the-War-Coalition”
    Oxford Town Hall

    Das wohl bis dato bedeutendste Anti-Libyen-Kriegs-Propaganda-Video

    Dan Glazebrook (unabhängiger Analyst), Lizzie Phelan (Journalist) und Harpal Brar (Politiker und Schriftsteller) demaskieren in einer dringend benötigten analytischen Gegendarstellung mit klaren und direkten Äußerungen die Propaganda in Bezug auf “Libyen, Afrika und den Imperialismus” in einer öffentlichen Versammlung der in Oxford einberufenen “Stop the War Coalition”. Phelan und Brar sind erst kürzlich aus Libyen zurückgekehrt und bieten bedeutende Einblicke aus erster Hand. Dieses Video wird die MSM-Propaganda wohl sehr in Verlegenheit bringen. Gut gemacht. Und so mancher Zweifler wird jetzt hoffentlich wissen, wo es langgeht.

    http://www.oddo-wolf.at/index.php/2011/10/lizzie-phelan-und-dan-glazebrook-oxfords-stop-war-coalition/

    Expect Us!
    Once we were weak; but now we stand tall.
    Millions of citizens, heeding the call.
    This “Stop-the-War” video into the world we send.
    The warcrime in Libya must now have an end.

  6. Das Video ist aber auf Englisch. Nicht alle Leser sind so gut im Training, als dass sie lückenlos alles verstehen könnten. Wäre ja eine noble Fleißaufgabe, den Film mit deutschen Untertiteln zu versehen und erneut zu streamen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.