Vorwurf an die libysche Regierung

von Jörg v. Paleske

Der libyschen Regierung ist vorzuwerfen, daß sie nicht rechtzeitig – und sie hatte doch seit 1969 Zeit! – für eine ausreichende Bewaffnung gesorgt hat.

Die sehr preiswerten (und dafür womöglich technisch auch simplen) chinesischen Boden-Schiffs-Raketen Marke “Seidenraupe” (der Iran hat sich diese auch schon vor vielen Jahren beschafft) hätte man doch wenigstens kaufen können – statt so viel Geld den Goldman-Sucks-Bankstern in den Schoß zu werfen. Auch Boden-Luft-Raketen und so manches mehr (bombenresistente Informationstechnik) hätten auf dem Einkaufszettel stehen müssen. Und auch für eine ausreichende militärische Ausbildung und ausreichendes Training wäre selbstverständlich zu sorgen gewesen.

Schwäche

Interessant ist Gaddafis Rüge im “Grünen Buch” daß dort, wo ein Mehrheitswahlrecht oder Abstimmungsrecht bestehe (wie bei uns), angeblich immer nur ein Teil der Bürger vertreten wäre – der andere Teil sei ja niedergestimmt worden. Aber diese Ansicht zeigt, daß Gaddafi – und offenbar die Libyer schlechthin, vielleicht sogar alle Araber – Vertreter des „Konsensualprinzips“ sind. Auch die alten Inder zu Buddhas Zeiten (daher stammen meine Lesefrüchte zum “Konsensualprinzip”) hätten mit Graus von unseren „Kampfabstimmungen“ im Parlament gehört und sofort genau dieselbe Kritik wie Gaddafi geäußert.

Im alten Indien (vielleicht sogar heute noch?) gab es anstelle der Kampfabstimmungen eine fortlaufende Filibusterei – bis auch der letzte Gegner entnervt aufgab. Außerdem mußten fortlaufend “Zugeständnisse” an die Gegenseite gemacht werden. Und das ist eben ein erheblicher Nachteil des Konsensualprinzips! Denn ständig muß dann die Staatskasse bluten, fortlaufend bekommt irgendeine Kleinstadt, aus der ein wichtiger Abgeordneter kommt, einen Bahnhof oder Flugplatz – den niemand braucht. Und dies nur, weil immer um Zustimmung gebuhlt werden muß. So zerfleddert natürlich jede dynamische Entscheidung bis zur Unkenntlichkeit.

Insbesondere verrät Gaddafis Mißverständnis etwas über die Verhältnisse in (dem vormals friedlichen) Libyen – vielleicht sogar in allen arabischen Ländern. Denn ganz offensichtlich verstehen Libyer die Abgeordneten eines Parlaments als Interessenvertreter von nationalen Stämmen und Gruppen. Und nicht als Vertreter EINER Nation.
Wenn es der libyschen Regierung gelingen sollte, den abartigen, ausbeuterisch-imperialen Überfall insbesondere Frankreichs und Großbritannien zurückzuschlagen oder aber diesen Angriff auszuhungern oder ausbluten zu lassen (á la der “Lange Marsch”), dann darf sie nicht versäumen, dieser Zersplitterung der Nation zukünftig gezielt entgegenzuwirken.

Kolonial-Afrika 1914

Der Vordenker Gaddafi (er hat ja kein offizielles Amt, sondern ist allenfalls eine hochverehrte Respektsperson der Revolutionsausschüsse, die – auch ein Schwäche! – parallel neben dem gewöhnlichen Regierungs- und Verwaltungsapparat existieren), kritisierte das in Europa verbreitete parlamentarische System. Mit den Verhältnissen in der US-Diktatur kann man dieses System übrigens nicht vergleichen: In den USA können die Bürger noch nicht mal den Präsidenten (Chef der Exekutive) wählen, sondern nur Wahlmänner. Und diese sind an ihre Zusage, für einen bestimmen Präsidentschaftskandidaten zu stimmen, nicht einmal gebunden! Das US-System hat mit Demokratie nun wirklich gar nichts zu tun – und ganz genau das wollten die Gründerväter auch!

Die europäischen Nicht-Demokratien


Sieht man von Gaddafis Kritik ab, steht natürlich auf einem ganz andern Blatt, daß die europäischen Demokratien diese Bezeichnung gar nicht mehr verdienen, da sie längst zu Geheimdienstdiktaturen mutiert sind. Nicht nur die zur Meinungsfreiheit unbedingt gehörende Informationsfreiheit ist praktisch ausgeschaltet worden, indem sich unsere Geheimdienste (schon in den 1970er Jahren gab Gehlen das zu) faktisch der Medien bemächtigt haben. Auch wird heutzutage in der BRD jede Quelle bürgerlicher Meinungsbildung und (potentieller) politischer Aktivität von vornherein unterwandert – und dann von oben(!) beherrscht. So wie die NPD von Geheimdienstleuten im Vorstand(!) beherrscht wird ist dies auch der Fall bei den studentischen Organisationen (AStA, Jusos usw.). So was wie in den 1960er Jahre, als die Studenten (und viele andere) lebhaft am politischen Prozeß teilhatten, will man unbedingt ausschließen.

Nun ist aber alles noch schlimmer als in den 1970er Jahre geworden. Nachdem die (jedenfalls in der BRD) früher noch stark faschistoiden Geheimdienste (Verfassungsschutzämter, BND, MAD usw.) unter Bruch der Verfassung die Herrschaft an sich gerissen hatten, haben sie heute weitgehend verloren. Denn sie SELBST wurden unterwandert – ausgerechnet von den Apparaten des liberalistischen US-israelischen Imperium!
Folgerichtig tanzen DER SPEI-GEL, die ZEIT, Stern, Springer, Bertelsmann usw. usf. nicht mehr nach BND-Pfeife sondern nach der US-israelischen. Gerade deswegen greifen diese Giftblätter die Regierung Merkel-Westerwelle an. Ich bin nun definitiv kein Fan von Merkel-Westerwelle. Aber gerade für deren richtige Entscheidung, dem Libyen-Überfall weitgehend (zumindest) fern zu bleiben, wurden diese doch wochenlang von den vorgenannten MSM und sogar den Staatsfernsehsendern geschmäht und verprügelt. Wochenlang hetzten diese Blätter und Sender für den massiven Kriegseintritt der BRD!

Resümee


Der gerade unter Helmut Schmidt (sein über Horst Herold damals ausgesprochene Ziel: “DER GLÄSERNE MENSCH”) eingeführte verfassungswidrige Geheimdienst- und Überwachungsstaat, hatte unsere Demokratie derart geschwächt, das der Einmarsch US-amerikanischer und israelischer Schlapphüte (engl.: “spooks”) nicht mehr abzuwehren war.

Auch die deutschen Konzerne wurden unterwandert: Die “Deutsche Bank” heute ist nicht mehr die “Deutsche Bank” der 60er und 70er Jahre. Auch wenn diese Bank damals schon ein Problem war – heute ist alles viel schlimmer. Ein Wirtschaftsminister Karl Schiller konnte damals wenigstens noch weitgehend – auch wenn die Konzerne schon damals ein erhebliches Problem darstellten – eine staatswohl-orientierte Politik durchsetzen. Heute ist die Schlacht längst verloren. In den anderen europ. Ländern scheint es sich ganz ähnlich zu verhalten.

Gaddafi kritisierte also die europäischen “Demokratien” aus den falschen Gründen – und aus den richtigen Gründen kritisierte er sie leider nicht. Auch hat er die libysche Regierung nicht ausreichend angehalten, das Land in einem verteidigungsfähigen Zustand zu halten – gerade im Hinblick auf die von ihm selbst doch – im Ergebnis richtig! – so kritisierten europäischen “NICHT-Demokratien”.

8 Gedanken zu „Vorwurf an die libysche Regierung

  1. Hi Jörg!
    Man muss dem Vorwurf zu Beginn (Bewaffnung) aber entgegenhalten dass die libysche Armee – und natürlich auch die Bevölkerung – bisher Unglaubliches leistete. Also so schlecht bewaffnet sind sie dann auch wieder nicht. Als ich so am 22.08. die Invasion von Tripolis mitbekam, hätte ich es niemals für möglich gehalten dass die Sache heute noch nicht gegessen ist. Dabei muss man ja beachten dass Libyen keine 7 Millionen Einwohner hat. Das sind weniger als Baden-Württemberg!

    Zu Deinen demokratischen Gedanken kann ich Dir nur zustimmen, wobei ich aber erwähnen muss, dass ich als Hauptschüler und ehem. Schulschwänzer ein wenig überfordert bin.

    Ich habe Deinen Kommentar – der sich ja inzwischen zu einem Artikel transformierte – auch bei mir gepostet:
    http://forum.die-fremden-welten.de/viewtopic.php?f=232&t=1240&p=14189#p14189

    Mir gefallen solche Dinge am Wegesrand immer wieder ganz besonders…

    Zudem eine Frage, falls Du das jetzt lesen solltest: Ist es möglich dass wir uns von United Mutations kennen?
    Ich war früher dort als Fred aktiv und habe da einen Jörg in Erinnerung…

  2. Seh ich genauso,trotz der großen sozialen Errungenschaften Lybiens ist Gaddafi in meinem Augen ein riesengroßer Penner,weil er den militärischen Schutz der Reichtümer seines Landes sowie der seiner sozialen Errungenschaften völlig verpennt hat.Als soveräner Staat hatte er die Möglichkeit u. auch die Pflicht sich die nötigen Dinge rechtzeitig zu beschaffen.Wenn NATO Mörder selbst mit ihren niedrig u. langsam fliegenden Kampfhubschraubern scheinbar unbehelligt sich über diesem Land bewegen können ist das ein absolutes Armutszeugnis für diesen „Oberst“ Gaddafi.Statt Oberst wäre für ihn in militärischer Hinsicht eher „Unterst“die passende Bezeichnung

  3. @Dref
    Ich gebe Dir zu, daß auch ich dachte, die libysche Regierung sei am Ende. Und es freut mich sehr von dieser – von mir – unerwarteten Widerstandskraft zu erfahren.

    Zu Deiner Frage: Nein ich habe auf „die Fremde Welten“ bisher nicht gepostet. Die Einstellung des Artikels bei Euch feut mich aber!

  4. Den Artikel finde ich deshalb auch gut und habe es in von mir einmal gegründeten Facebook-Gruppen gepostet, da gezeigt wird, wie sich diese US-israelische Unterwanderung für uns alle negativ auszahlt und weil, wie der unterwanderte BND mit Krokodilstränen unter Versuch China als Feindbild zu schaffen feststellt, der Untergang des Imperiums nicht aufzuhalten sei. D.h. doch für uns, lieber ein schreckliches Ende jetzt, lasst sie fallen, als ein Schrecken ohne Ende, mit Kriegen ohne Ende bis zuletzt alles noch schlimmer ist. Wie war das doch mit den 92% die zu viel sind? Gehören da nicht Sie und ich sicherlich auch dazu plus unsere Kinder?

  5. Man muss zur militärischen Entwicklung aber auch im Auge behalten, dass dies nun ein Blauhelm-Einsatz gegen ganz Nordafrika geben könnte. Will heißen, dass sich evtl bis zu 100000de Freiwillge zur Unterstützung zusammenfinden und auch Geld für Waffen auf verborgenen Wegen zur Verfügung gestellt wird. Dies könnte die Fehler Gaddafis in der Aufrüstung ausgleichen.
    Von dem Genozid an Schwarzafrikanern und der einkehrenden Neukolonialisierung sind schließlich alle betroffen. Ich denke nicht dass afrikanische Staaten direkt eingreifen, aber evtl indirekt helfen. Zudem fühlen sich afrikanische Stämme auch an keine Regierung gebunden und kochen ihre eigene Suppe.
    So wie es aussieht könnte das ein Blauhelmkrieg gegen Schwarzafrika geben, wobei die Blauhelme selbst zur reinen und offensichtlichen Persiflage mutieren und ihre wahre Fratze zeigen!

  6. P.S. Dabei muss man aber auch noch bedenken dass dies den Machern der Nato bewusst ist und sie eine solche Entwicklung mit allen Mitteln verhindern wollen. Dieser Krieg könnte noch weitaus perverser verlaufen als bisher.
    Die Leidtragenden sind ganz klar die Bewohner!
    Der Schuldige, die Aggressoren!

  7. Es ist zu vermuten, daß diese Front USA-GB-Frankreich bald auseinanderfält.
    Denn die europ. Staaten kochen wieder jeder ihr eigenes Süppchen – wie um 1900. Denn die monopolare Welt zerfällt derzeit genauso wie noch von 20 Jahren gerade die bipolare Welt. Italien z. B. hatte eigentlich gar kein Interesse am Überfall auf Libyen. Nachdem Frankreich und Großbritannien gmeiensame Manöver machen (und die BRD ausschließen) kungelt diese schon mal ein bißchen mit Moskau: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,786487,00.html.

    Drittweltländer können sich dann Verbündete suchen -zum Schutz gegen imperialistische Überfälle.

  8. Exakt! Genau in die Richtung dachte ich auch schon. Die Menschenfresser verdauen sich selbst. Und das unkontrolliert und unvorhersehbar!
    Da ist sogar das Stammesdenken in Afrika durchschaubarer.
    Berlusconi hielt vor Kurzem ja ne Rede, wo er ganz klar sagte dass die Sache in Libyen von Bleichgesichtern inszeniert wurde. da dachte ich mir auch wieder, was ihn da wohl geritten hat, bzw. auf welchem Pferd er gerade Hoffnung zu sehen glaubte…

    „Drittweltländer können sich dannn Verbündete suchen – zum Schutz gegen imperialistische Überfälle.“

    Aber auch durch dieses Problem untereinander zusammenfinden!

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