Libyen: Rebellen im Rückwärtsgang – Verstärkungen für die libysche Jamahiriya

Ibrahim al-Douri

von John Schacher

Während der NATO die Söldner ausgehen und auch rekrutierbares Kanonenfutter knapp wird, kommen auf Seiten der Jamahiriya kontinuierlich Verstärkungen ins Gefecht. Während immer mehr Stämme im Inland auf seiten der Loyalisten aktiv in die Kämpfe eingriffen, kamen auch zahlreiche libysche Flüchtlinge, die ihre Familien ins Ausland evakuiert hatten sowie Freiwillige aus den Nachbarländern Niger, Tschad, Algerien u.a. und verstärkten die grünen Reihen. Schwer in die taktische Waagschale legt sich der Eintritt der irakischen Befreiungsfront unter den von den USA ebenso heftig wie erfolglos gesuchten Ibrahim al-Douri, dem ehemaligen irakischen Premierminister unter Saddam Hussein. Diese Truppe ist im Kampf mit den High-Tech-Truppen aus USA gestählt und erfolgreich hervorgegangen, listenreich und erfahren. Weitere 10.000 Tuareg-Krieger sollen aus dem Niger, Mali und Algerien eingetroffen sein. In drei arabischen Ländern mussten eigene Rekrutierungsbüros für die Koordinierung des Stromes an Freiwilligen eröffnet werden, welche der libyschen Sache zur Gerechtigkeit verhelfen – und sicher auch Geld verdienen – wollen.

Auch die ägyptische Armee konnte kürzlich nichts gegen einen unerwünschten Grenzübertritt von mit den Oststämmen verwandten Kriegerverbänden tun, die – obwohl im Staatsgebiet von Ägypten ansässig – ihren libyschen Brüdern nun zuhauf zur Hilfe eilen. Da viele diese Kämpfer einsickern, sich nicht in geschlossenen Einheiten bewegen und auch die Rebellen eine erhöhte Personalfrequenz bzw. Verstärkungen nötig haben, werden auch viele Spione in die jeweilige Gegenrichtung delegiert. Hier die Spreu vom Weizen zu trennen, ist eine schwierige Aufgabe, welche auf Seiten der Regierungsarmee hoffentlich gründlichst erledigt werden wird.

Erst an den heldenmütigen Beispielen von Sirte und Bani Walid im Vergleich zum Tripolis-Angriff kann man klar erkennen, wieviel Kraft Verrat den Verteidigern gekostet hat. In wenigen Tagen war die unvergleichlich größere Stadt gefallen, ihre Bürger ein leichter Raub der blutrünstigen Meute. Wie anders Bani Walid, wo mittlerweile Rebellen scharenweise lieber schändlich desertieren, als sich den erst herausgeforderten grünen Helden dann auch im Kampf zu stellen.

Das nennt man „NIKE-Defense“: rennen, bis die Sohlen qualmen…..:


Aktuell meldet Telesur Kämpfe in der Stadt Karama nahe der tunesischen Grenze zwischen Quadhafi-Truppen und NTC-Rebellen. Milizen zur Unterstützung der Regierung werden gebildet. Einen Bildbericht von Telesur sehen Sie hier.

 

3 Gedanken zu „Libyen: Rebellen im Rückwärtsgang – Verstärkungen für die libysche Jamahiriya

  1. Bis auf die FAZ, gestern den Link unter einem älteren Blog eingestellt, hat natürlich, wie immer, niemand darüber berichtet.

    Wie sagte Don Camillo schon so treffend zu Peppone: „Dann vergeßt aber nicht, schnelle Rückwärtsbewegungen einzuüben!“

    Ich denke, die NATO wird sich Anfang Dezember auf leisen Sohlen davon machen und dann sehen wir weiter…

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