Libyen: NATO verlängert ihr „Mandat“ selbst – wieder drei Monate Bomber-Harris?

von John Schacher

Wie zu erwarten stand, hat die Nordatlantische Terrororganisation – noch vor dem Stichtag 29. September – ihr Zivilschutzprogramm für Libyen verlängert. Einen solchen Selbstbedienungskrieg, in dem jede Bombe vorab vom Gegner cash bezahlt wurde, hat es noch nie gegeben. Gerade darüber dürfte sich Muammar Al-Quadhafi wohl täglich schwarz ärgern. Doch auf dem Boden, abseits der Diplomatie (den Lügen), geht es stetig voran mit der libyschen Sache. Leider aber auch mit der Zerstörung des schönen Landes am Mittelmeer.

Die gewaltige Geldmenge von weit über 100 Milliarden Euro „eingefrorener Gelder des Regimes von Muammar Al-Quadhafi“ genügt für einen 5-Jahres-Krieg. Und solch ein Krieg wurde deshalb geplant. Dass niemand mehr auf den Gedanken kommt, auch nur einen Cent der gestohlenen Gelder zurückzufordern, bei denen es sich ja in Wirklichkeit um libysches Volkseigentum und nicht Quadhafis Vermögen handelt. Die Rechnung für „kriegerische Leistungen“ und was sonst so genehm ist, schreibt die NATO selbst und bucht anschliessend bei der „Brother-Leader-Treuhand“ ab. So einen Einsatz darf man sich als NATO nicht entgehen lassen, da verlängert man das UN-Mandat nicht bei der UN mit üblichem Prozedere, sondern einfach gleich im Brüsseler Hause NATO. So muss man lästige kubanische, südamerikanische, russische oder sonstige Fragen nicht ertragen. Wunderlich. Jedoch ist einer politischen Lösung dieses Konfliktes längst so viel in den Weg gelegt worden, dass die Lösung nur auf dem tatsächlichen Boden Libyens stattfinden kann. Alles andere ist sicher als „vergebliche Liebesmüh“ zu bezeichnen. Bestes Beispiel ist das gestrige Einknicken der Afrikanischen Union (AU), die den NTC jetzt „widerstrebend“ anerkennt. Einzig Kuba hat mit klarem Blick seine Botschaft in Libyen geschlossen und diplomatischen Kontakt mit dem mörderischen NTC strikt abgelehnt. Bravo Cuba, Bravo Fidel!

So steht nun dieser Tage auch der Westen Libyens hell in Flammen, doch von dort aus ist die Nachrichtenübermittlung offenbar nahezu unmöglich, da seit langem aussagefähige Berichte ausbleiben. Sowohl aus Tobruk als auch aus Benghazi werden letzter Tage fortgesetzt heftige Gefechte zwischen libyschen Freiheitskämpfern und den NATO-Rebellen gemeldet. Diese Versuche die neuen Gewaltherrscher loszuwerden, haben viel mit der Ausdünnung der westlichen NATO-Garnisionen wegen Verlegung vieler Kämpfer nach Bani Walid, Sirte und Sabha zu tun. Der dortige Personalverschleiss war und ist enorm. Allein vorgestern soll in einem Hinterhalt anlässlich eines Rückzugsgefechtes eine ganze Brigade NATO-Rebellen unschädlich gemacht worden sein. Man spricht auf verschiedenen Quellen von 3000 Mann. Ebenso wurden viele erfolgreiche Scharfschützeneinsätze aus Brennpunkten gemeldet.

Mit der Rückeroberung der Stadt Tarhuna im Osten von Tripolis schliesst sich der Kreis um die täglich heiss umkämpfte libysche Hauptstadt wieder ein wenig enger. Wie diese militärischen Kunststücke trotz der erdrückenden NATO-Lufthoheit am laufenden Meter vollbracht werden, wird Eingang in die Militärgeschichte finden. Apropos Tripolis, was dort die Rebellen tagsüber so treiben, hat InomineX treffend verarbeitet:


Dass diese marodierenden Horden dann schnell mal das Aufwachen vergessen, eine zwingende Folge. Ebenfalls von InomineX:


Heute nacht werden aus Tripolis heftig tobende Kämpfe gemeldet, im Stadtteil Abu Salim seien wieder die grünen Flaggen gehisst worden. Dieser Stadtteil war der am heftigsten umkämpfte während des NATO-Überfalls. Auch aus Sabha wird ein erfolgreiches militärisches Manöver gemeldet: Man liess die feindliche Kolonne in der Hoffnung einer friedliche Übergabe tief in die Bebauung vorstossen und schlug dann heftig von den Flanken zu. Dieser Hinterhalt führte zur wilden Flucht der Rest-Rebellen, die sich je nach Quelle 50-100 Kilometer zurückgezogen haben sollen, jedenfalls ordentlich weit weg sind.

Hinterlassenschaften der Rebellen bei Sabha - Bild: allainjules.com

Nachdenklich macht die offizielle Ankündigung der libyschen Frauen-Kommitees von Bani Wali, Sirte, Sabha und weiteren Städten, ab nun auch zu den Waffen zu greifen. Bei Bildern wie diesen von Leonore´s Blog nicht unverständlich. Und wo wir gerade bei NATO-Kriegsverbrechen sind: eine humanitäre Hilfslieferung der Türkei per Großraumflugzeug nach Bani Walid bestand kürzlich darin, 100 Special Forces am Fallschirm abzusetzen. Das ganze ging für die NATO gründlich in die Hose: 17 nicht gleich erschossene Special Forces wurden gefangengenommen. Bei Leonore ist auch der englische Text der UN-Resolution 2009 und vieles mehr zu finden.

Auf verschiedenen Blogs war in den letzten Tagen auch die Rede von einer aus Richtung Niger kommenden Befreiungsarmee, bestehend aus Tuareg und libyschen Flüchtlingen unter der Führung von Saadi Quadhafi. Lassen wir uns überraschen, denn für Überraschungen sind der alte Wüstenlöwe, der verdient zum General beförderte Löwenjunge Khamis Quadhafi und die löwenmutigen Freiheitskämpfer in Libyen immer gut. Allah sei Dank!


 

3 Gedanken zu „Libyen: NATO verlängert ihr „Mandat“ selbst – wieder drei Monate Bomber-Harris?

  1. Mir fällt es auf, dass immer, wenn die Gaddafigetreuen auf dem Vormarsch sind und Erfolge erzielen, die gesamte Medienlandschaft (Printmedien, TV und z.T. auch das Internet) sich in Schweigen hüllt….gestern nichts in ARD, ZDF, usw.
    Man kann sich also denken, was los ist…

    Was nun Oberst Gaddafi selbst angeht, so trägt die Bezeichnung völlig zu Recht. Er ist ausgebildeter Offizier, der einen Teil seiner Ausbildung in England absolvierte.
    Aber er hat seine Herkunft nie vergessen, ein echter Beni Arab, ein Sohn der Wüste, der sich im „Meer ohne Wasser“ verbirgt, in dem alles in Bewegung ist…
    Was ihn sicher auch noch antreibt, ist der Tod von Teilen seiner Familie. Im Nahen Osten hat die Familie einen ganz anderen Stellenwert und wer ein Familienmitglied umbringt, darf mit dem Schlimmsten rechnen….Rache…bis sie vollendet ist.

    Es wäre doch vielleicht mal ganz nützlich, sich näher mit der Mentalität dieser Menschen zu beschäftigen….

  2. Das Oberpervese ist der erste Abschnitt. Wie sie mit dem libyschen Volksvermögen den Vernichtungsfeldzug und die Kolonisation Afrikas finanzieren. Wunderbar herausgehoben und geschrieben!

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