Journalisten von Telesur berichten die Wahrheit über Libyen

erschienen bei Correo del Orinoco International – 11. September 2011

Übersetzung Remo Santini

Diese Woche begrüsste Telesur ein Nachrichtenteam, das soeben von einer Reportage über den NATO-Krieg in Libyen aus der Hauptstadt Tripolis nach Hause zurückgekehrt war. Bei ihrer Ankunft auf dem Maiquetia International Airport in Venezuela prangerten die Journalisten die permanente „Erfindung von Lügen“ durch die Mainstreammedien an und beschuldigten die internationale Presse „der Fälschung von Argumenten, die für eine Verlängerung des Krieges gebraucht würden“. Die libyschen Menschen „sind mit Zerstörung, Krieg, Leiden und Tod überfallen worden, wo doch die Lösung des Konflikts mit friedlichen Mitteln hätte gefunden werden können“, bestätigte der Telesur-Journalist Rolando Segura, der die letzten vier Monate zusammen mit Kameramann Henry Pillajo in Libyen verbrachte.

Segura und Pillajo befanden sich unter dem Handvoll von unabhängigen Journalisten, die über Geschehnisse berichteten, die von den anderen weitgehend ignoriert wurden, wie etwa: NATO-Bombardierungen von zivilen Zielen; das wahllose Töten von schwarzen ausländischen Arbeitern durch die Rebellenarmee; der „Grüne Marsch“ von über einer Million Menschen durch Libyen, der eine Versöhnung zwischen der Regierung und den gegnerischen Truppen forderte; die Übernahme der öffentlichen libyschen Radiosender und wie sie durch die Rebellen zum Schweigen gebracht wurden; die erfundene Übernahme des Grünen Platzes in Tripolis Ende letzten Monat – die in Qatar gefilmt und durch die internationalen Mainstreammedien überall verbreitet wurde, mit dem Resultat, dass das Video mit Erfolg die Anerkennung des durch die NATO unterstützten Nationalen Übergangsrates NTC als „neue Regierung Libyens“ sicherte und die Angehörigen vieler libyscher Botschaften bewog, zu demissionieren.

Nach einem Raketenangriff der NATO vom 8. August, der 85 Zivilisten, darunter 33 Kinder, tötete, interviewte Segura von Telesur Abu Mimiar, den Bruder eines der Getöteten. Mimiar fragte den Telesur-Reporter, ob die Ermordung seines Bruders, eines einfachen Bauern, „der Schutz ist, von dem sie (NATO) sprechen? Oder ist es so, dass jene von uns, die Ghaddafi mögen und ihn unterstützen, keinen Schutz verdienen?“

50.000 Tote im libyschen Krieg

Segura zufolge, der am Dienstag an einem vom „Correo del Orinoco“ organisierten Forum sprach, „ist die Rede von etwa 1800 Getöteten durch die NATO-Bomben und als Folge des gesamten Konflikts von etwa insgesamt 50.000 Toten – Personen, die massakriert wurden als Folge dieser Invasion, dieser Aggression gegen Libyen.

Die Bombardierungen wie auch die Vorstösse der durch die NATO unterstützten Rebellen „wurden durch die Lügen der Massenmedien möglich gemacht, die eine redaktionelle Linie verfolgten, ohne überhaupt etwas zu überprüfen“, bestätigte Segura. Seguras Blog (http://rolandotelesur.blogspot.com/), in Spanisch, ist eine der einzigen unabhängigen Quellen für Nachrichten, Analysen und Bilder über die Auswirkungen des Krieges in Libyen gewesen.

Die Telesur-Equipe verliess Libyen letzte Woche, wobei sie während 36 Stunden in einem Boot von der libyschen Küste nach Malta reiste, einer Insel im Süden von Sizilien, Italien. Die beiden waren zusammen mit 50 anderen Passagieren in einem für 12 Personen gebauten Boot eingepfercht, von denen sich alle von dem kriegserschütterten Tripolis in Sicherheit zu bringen suchten.

Seit dem 19. März dieses Jahres haben die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Alliierten über 20.000 Einsätze über Libyen geflogen, wobei sie geschätzt etwa 9.000 Luftangriffe ausführten. Nur am letzten Sonntag allein führte die NATO 52 Luftangriffe aus. Die Schäden an der gut ausgebauten Infrastruktur des Landes – einschliesslich seiner Ölindustrie, Wasserversorgungsnetze, Lebensmittellager, Kommunikationsanlagen und das öffentliche Gesundheitssystem – haben eine steigende Verknappung an Essen, Wasser und Medikamenten bewirkt.

Telesur gegen ein neues Format von Krieg

Zu der am Montag versammelten Menge sprechend, lobte Andres Izarra, der venezolanische Minister für Kommunikation und Information, die Rolle Telesurs in Libyen und sagte, „der US-Imperialismus hat ein neues Format von imperialer Aggression kreiert“, und zwar durch Einsatz der „hegemonialen internationalen Medien“, um Regierungen zu dämonisieren, die sich der US-Aussenpolitik widersetzen. Er sagte, dieses neue Format beinhalte „die Anstiftung zu Farben-Revolutionen, Frühlings-Revolutionen in Ländern, von denen der Imperialismus behauptet, die zivilen Rechte seien dort eingeschränkt“. Die Dämonisierung ist gefolgt von einer internationalen Medienkampagne, um Anti-US-Regierungen zu stürzen und wird, wenn nötig, direkt von einer militärischen Intervention gefolgt.

Gemäss Izarra ist dieser neuen Methode, souveräne Staaten zu attackieren, „in Libyen bereits ein Teilerfolg beschieden“ und „ist in diesem Moment eine ernsthafte Bedrohung für Syrien“. Izarra lobte die Telesur-Reporter in Tripolis, die „eine Stadt zeigten, in der das Leben seinen gewohnten Gang ging“, während die internationale Presse darauf abzielte, „Ghaddafi als einen Diktator darzustellen, der sein eigenes Volk massakriert“, um den Krieg der NATO zu rechtfertigen.

Jordan Rodriguez, der Reporter von Telesur in Tripolis am Beginn der NATO-Bombardierungen, erzählte der Presse, dass die NATO zu jener Zeit die einzige Verantwortliche für die in Libyen stattfindenden Bombardierungen war und beschuldigte die internationalen Streitkräfte „des Mordes an unschuldigen Zivilisten, Frauen und Kindern“. Rodriguez betonte, dass während die NATO-Bomben weiterhin auf bewohnte Stadtgebiete fallen, „beobachten wir, wie grosse Sender wie CNN und BBC über die Präzision der NATO-Bomben berichten und nicht über die Auswirkungen, die diese Bomben auf das tägliche Leben der Einwohner Libyens haben“.

Gemäss Rodriguez hat Telesur „eine andere Seite des Konflikts gezeigt“. „Wenn wir (Telesur) mit Libyern aus ländlichen Gebieten und anderen Regionen sprachen, so drückten viele von ihnen eine grosse Wertschätzung für Muammar Ghaddafi aus. Wir sprechen hier über das ärmste Land des Maghreb, vor der Revolution. Der Beweis liegt in den Statistiken, in den wie High-Tech-Kliniken aussehenden Spitälern, achtspurigen Autobahnen und im besten Schulsystem,“ sagte er.

Rodriguez beschuldigte die USA und seine NATO-Alliierten des Aufhetzens, der Bewaffnung und des Trainings der Rebellensoldaten. Er sagte, dass wenn sie mit Anti-Ghaddafi-Rebellen im Gelände diskutierten, „sagten alle, sie wollten, dass Ghaddafi geht – konnten aber keine Begründung liefern“.

Nachdem die durch die NATO unterstützten Oppositionsgruppen nach vielen Wochen Bombenangriffe auf Tripolis die Regierungsbüros und den Präsidentenpalast besetzten, war Ghaddafi gezwungen, sich zu verstecken. Das Filmmaterial über den sogenannten „Fall von Tripolis“ wurde von den Mainstreammedien weitestmöglich verbreitet, und die Oppositionstruppen wurden praktisch umgehend als „neue Regierung“ von Libyen anerkannt.

Die Stimme der Wahrheit

Gemäss der Präsidentin von Telesur Patricia Villegas planen die in Caracas ansässigen lateinamerikanischen Nachrichtenmedien in Libyen auf unbestimmte Zeit eine Equipe zu unterhalten, da die NATO ihre Bemühungen verstärkt, die Unterstützung für Ghaddafi zu zerstören und die pro-westliche „Übergangsregierung“ zu erhalten.

Villegas zufolge ist es immer das oberste Ziel des Senders gewesen, den Opfern eines Konflikts eine Stimme zu geben, wie das der Fall war während des Militärstreichs in Honduras von 2009, der versuchten Amtsenthebung des ecuadorianischen Präsidenten Rafael Correa von 2010, des Volksaufstandes gegen den früheren ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak, und nun seit neuestem, während der Bombardierungen von Libyen durch die NATO.

Wir kamen nicht zusammen mit den Invasoren (in Libyen) an“, bestätigte Villegas. „Wir kamen nicht zusammen mit den Gewehrkugeln an – aber andere Medienunternehmen taten es. Andere Medienunternehmen fahren in den Autos der Rebellen mit; andere werden durch private Sicherheitsfirmen bewacht. Dies ist nicht die journalistische Praxis von Telesur. Wir haben über diese Geschichte berichtet, seit sie begann“, sagte sie.

Gleichgültig ob der Führer (Ghaddafi) in Ordnung ist oder nicht, wir sind Zeugen von unglaublichen Akten von Aggression seitens der NATO gewesen; von NATO-Bomben, die nicht nur militärische Ziele sondern auch zivile angriffen“, bestätigte sie.

Chavez lobt Telesur

Über das Wochenende lobte der venezolanische Präsident Hugo Chavez die Berichterstattung von Telesur über den Krieg in Libyen, wobei er hervorhob, wie wichtig es sei, die durch das „US-Reich“ und seine Alliierten aufgezwungene Medienblockade zu zerbrechen, die sich auf internationale und lokale Mediennetworks erstreckt. „Ich will, dass wir den Telesur-Korrespondenten die Ehre erweisen, die höchste Ehre, die durch die Republik vergeben werden kann. Diese Leute sind jene, die die Wahrheit berichten“, sagte Chavez. „Unsere Anerkennung und Bewunderung geht hinaus an Telesur und seine Korrespondenten in Libyen – was für ein Mut!“ sagte er.

Quelle: Correo del Orinoco International

3 Gedanken zu „Journalisten von Telesur berichten die Wahrheit über Libyen

  1. Einen Dank an die mutigen Journalisten!

    Die hiesigen Zeitungen, klein wie groß, berichten über Libyen nur sehr spärlich….in Internetforen wird zwar Libyen, Gaddafi und Rebellen diskutiert, wobei sich die Bezeichnung von Gaddafi von beleidigend bis sachlich wieder geändert hat, aber es gelingt nicht, in Zeitungen einen Leserbrief unterzubringen, obwohl sich in Leserbriefen in der Regel ein buntes Spektrum findet….

    Ich denke, auf Dauer wird es dem Mainstream nicht gelingen, die komplette Berichterstattung zu unterdrücken – der Wahrheit eine Gasse!

  2. Ich sehe keinen anderen Ausweg, als dass Afrika die USA und Europa als gemeinsamen Feind erkennt, sich zusammen schließt und sich die ganze Lügenpropaganda des Westens in einem Weltkrieg bereinigt.

    Denn stände Afrika nicht unter der ständigen Knute des Westens, wäre der Kontinent aufgrund seiner Bodenschätze längst zur unbezwingbaren Supermacht aufgestiegen.
    Ob das am Ende besser wäre, als das was wir heute haben, lasse ich mal dahin gestellt. Aber allein die Gastfreundschaft Afrikas erzwingt mir ein ja, es wäre besser gewesen.

    Nun, da die Ölreserven knapp werden und Peak-Oil offensichtlich überschritten ist, wird sich die Welt – besonders der Westen – ohnehin auf große, sehr nachteilige Änderungen einstellen müssen.

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