Archiv für den Monat: Juni 2011

USA: AKW unter Wasser

Seit 14. Juni ist das AKW Fort Calhoun von den Wassermassen des Missouri eingeschlossen Foto: AP

von Reimar Paul

Ein Atomkraftwerk säuft ab, und möglichst niemand soll es mitbekommen. So ließe sich das Szenario umschreiben, das sich derzeit im US-Bundesstaat Nebraska abzeichnet. Dort hat das Wasser des infolge tagelanger Regenfälle stark angeschwollenen Missouri das AKW Fort Calhoun schon vor mehreren Tagen völlig eingeschlossen. Die Betreiber versuchen, das Reaktorgebäude mit Pumpen und Sandsäcken vor einer Überflutung zu schützen.

Luftaufnahmen von dem von den Wassermassen umspülten Kraftwerksgelände lassen keinen Zweifel daran, daß die Lage zumindest ernst ist. Gleichwohl haben überregionale US-amerikanische und europäische Medien bislang kaum über den Vorfall berichtet. Die der Piratenpartei nahestehenden »Anti-Atom-Piraten« verwiesen am Montag auf pakistanische Quellen, wonach US-Präsident Barack Obama eine Nachrichtensperre verhängt haben soll. Gegenüber Lokalzeitungen in Nebraska versuchten der AKW-Betreiber OPPD und die Atomaufsichtsbehörde NRC den Eindruck zu erwecken, als sei die Lage unter Kontrolle. Behördensprecher Victor Dricks sagte, er gehe davon aus, daß in Fort Calhoun angemessene Schritte eingeleitet worden seien, um die Sicherheit des Kraftwerks und der Beschäftigten zu gewährleisten. OPPD-Vizepräsident Tim Burke versicherte, die Flutbarrieren würden auch weiteren Regenfällen und einem Anstieg der Flut standhalten. Es gebe keinen Anlaß zur Besorgnis.

Das sehen atomkritische Experten in den USA und Deutschland anders. Sie befürchten, daß eindringendes Wasser die Kühlung des Reaktors beschädigen könnte. Der Atomingenieur Arnold »Arnie« Gundersen beurteilt die Situation bereits jetzt als äußerst kritisch und warnt insbesondere vor einem Dammbruch. In diesem Fall könne ein Unfallablauf wie in Fukushima nicht ausgeschlossen werden. In den Abklingbecken des AKW Fort Calhoun lagert hochradioaktiver Atommüll der letzten 20 Betriebsjahre.

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Syrien: Assad ruft weitere General-Amnestie aus

Bascher Assad mit seiner Frau Asma

Syriens Präsident Baschar al Assad hat am Dienstag eine neuerliche umfassende Amnestie versprochen.

Mit diesem Schritt will die Regierung in Damaskus den Spannungsgrad im Land senken, das seit März von Massenprotesten erschüttert wird.

Wie das syrische Staatsfernsehen am Dienstag berichtet, soll sich die Amnestie auf alle Verbrechen erstrecken, die vor dem 20. Juni dieses Jahres begangen wurden. Darunter fallen auch Gesetzesübertretungen bei den Protestaktionen innerhalb der letzten Wochen. Zudem sollen politische Häftlinge und sogar Mitglieder der in Syrien verbotenen Organisation „Muslimbrüder“ auf freien Fuß gesetzt werden.

Inzwischen sind tausende Anhänger des Regimes auf die Straßen in Damaskus gegangen, um dem Präsident Al Assad ihre Unterstützung zu bezeugen. Demonstriert wird auch in einigen anderen Städten im Norden und im Süden des Landes.

Zuvor hatte Al Assad am 31. Mai eine Amnestie erlassen.

Quelle: RIA NOVOSTI

Die Konterrevolution im Nahen Osten

von Thierry Meyssan

Ein saudischer Clan – die Sudairi – steht im Zentrum der konterrevolutionären Welle im Nahen Osten, welche die Vereinigten Staaten und Israel lanciert haben. In einem umfassenden Überblick, der in Folgen in einer führenden russischen Tageszeitung erschienen ist, zeichnet Thierry Meyssan aus Damaskus ein allgemeines Bild der Widersprüche, welche die Region in Unruhe versetzten.

Innerhalb von Monaten sind in der arabischen Welt drei Regierungen gefallen: In Libanon hat das Parlament die Regierung von Saad Hariri gestürzt, während die Volksbewegungen in Tunesien Zine el-Abbidnie Ben Ali vertrieben und dann Hosni Mubarak in Ägypten festgenommen haben.
Mit diesen Regimeänderungen gingen Demonstrationen gegen die Vorherrschaft der Vereinigten Staaten und des Zionismus einher. Politisch profitierten sie von der Achse des Widerstandes, die auf der staatlichen Ebene durch Iran und Syrien, auf der nicht staatlichen Ebene durch die Hizbollah und die Hamas repräsentiert werden.
Um die Konterrevolution in dieser Region zu führen, haben Washington und Tel-Aviv ihre beste Unterstützung angerufen: den Clan der Sudairi, der wie niemand anderer den Despotismus im Dienst des Imperialismus verkörpert.

Die Sudairi

Vielleicht haben Sie noch nie von ihnen gehört, dennoch stellen die Sudairi seit mehreren Jahrzehnten die reichste politische Organisation der Welt dar.
Die Sudairi sind jene 7 der 53 Söhne von König Ibn Saud, dem Gründer Saudi-Arabiens, die von Prinzessin Sudairi geboren wurden. Ihr Anführer war König Fahd, der von 1982 bis 2005 herrschte. Seit seinem Tod sind es nur noch 6. Der älteste, Prinz Sultan, seit 1985 Verteidigungsminister, ist 85 Jahre alt. Der jüngste, Prinz Ahmed, stellvertretender Innenminister seit 1975, ist 71jährig. Seit den 60er Jahren ist es ihr Clan, der die prowestlichen Marionettenregimes im «Greater Middle East» organisiert, strukturiert und finanziert.
An dieser Stelle ist ein Rückblick unerläss­lich. Die Konterrevolution im Nahen Osten weiterlesen