Gaddafi informiert russischen Besuch

von Armen Oganesjan

Libyens Machthaber Muammar Gaddafi hat am vergangenen Sonntag mit dem russischen Chef des Weltschachverbandes FIDE, Kirsan Iljumschinow, in Tripolis eine Partie Schach gespielt.

Haben Sie die Nato um eine Genehmigung gebeten, nach Tripolis zu reisen?“, fragte ein westlicher Journalist bei der Pressekonferenz nach dem Spiel. Auf die freche Frage reagierte der FIDE-Chef mit diplomatischer Contenance. „Im Statut des Weltschachverbandes steht nichts darüber, dass man die Nato darüber informieren muss“.

„Die libysche Führung ist zu sofortigen Verhandlungen bereit. Sie kann sich sofort an den Verhandlungstisch mit der Nato und denjenigen setzen, die sich zurzeit in Bengasi befinden“, sagte Iljumschinow.

Die Frage nach der Erlaubnis seitens der Nato ist bemerkenswert. Aus Mediensicht ist Libyen derzeit ein unbekanntes Land. Es darf keine Satelliten benutzen. Die libyschen Medien haben keinen Zugang zur europäischen und Weltgemeinschaft, geschweige denn zu den Nachbarn. Dieses Vakuum wurde von offiziellen Berichten der Politiker und Nato-Generale gefüllt. Was Reportagen aus Libyen betrifft, handelt es sich um Texte, die zum Video hinzugefügt werden. Dabei wird häufig der Sinn verdreht. Es handelt sich um eine neue Form der Propaganda. Keiner der westlichen Sender ist in Libyen verboten worden – das Gleiche gilt auch für die russischen. Laut Iljumschinow müssen die Libyer über die Berichte der westlichen Medien schmunzeln.

In einem Exklusivinterview mit dem Magazin „Internationales Leben“ sagte Iljumschinow: „Ich habe die Hälfte des Landes bereist, Städte und Dörfer gesehen, die laut westlichen Medien von Rebellen besetzt sind und erbittert umkämpft werden. Auf dem Rückweg zur tunesischen Grenze, informierten westliche Medien, dass die Stadt Zawiya von Rebellen besetzt worden sei. Wir sind ruhig durch die Stadt gefahren. Es hat keine Kämpfe gegeben!Von der Informationsblockade oder der Zensur ist in der Libyen-Resolution nicht die Rede.

Das objektive Bild in Libyen widerspricht der triumphierenden Nato. Die Nato stößt die Rebellen zu aktiveren Schritten. Die Allianz will den Bürgerkrieg zuspitzen, indem sie eine Seite unterstützt. Sie ist nicht an Frieden interessiert, solange Gaddafi noch an der Macht ist.

Bild: sdaj-hamburg

Kaum jemand zweifelt daran, dass die Nato weder Frieden noch Sicherheit, sondern politische Ziele anstrebt. Deswegen wird der Vorschlag, die Verhandlungen nach dem Ende mit den Bombenangriffen zu beginnen, wohl kaum angenommen. Die Verbündeten sind nur an einem Krieg, die mit einem Triumph endet, interessiert.

Iljumschinow sah verwüstete Kranken- und Wohnhäuser. Er sprach Gaddafi sein Mitleid zum Tod seiner Enkelkinder aus, die bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen waren. Bei der Operation werden libysche Kinder getötet, was das UN-Tribunal auf den Plan rufen muss. Oder kann alles erneut auf die UN-Resolution geschoben werden?

Beim Gespräch mit Iljumschinow redete Gaddafi von wirtschaftlichen Gründen für den Militäreinsatz. 160 Milliarden US-Dollar und Goldreserven des libyschen Staats sind auf ausländischen Konten eingefroren worden. „Wieso behaupten alle, dass es sich um Gaddafis Geld handelt? Dieses Geld gehört nicht Gaddafi, sondern der Zentralbank. Das ist das Geld der Staatsunternehmen, der libyschen Bürger! Falls man die 160 Milliarden zur Stärkung des Euro und der Lösung von Problemen braucht, müssen sie das sagen, sagte Gaddafi.

Rufen wir uns eine interessante Tatsache in Erinnerung: Libyen hatte einst auf die Entwicklung von ABC-Waffen und Raketenträgern verzichtet. Gaddafi sagte dem FIDE-Chef mit, dass das eingesparte Geld unter anderem für den Bahnbau bereitgestellt wurde (Russland gewann die Ausschreibung). “Was will die Nato anderen Ländern damit sagen – beispielsweise Nordkorea, dem Iran u.a.? Hat derjenige die Macht, der die Waffe hat? Ich wurde gezwungen, die Produktion dieser Waffen aufzugeben. Jetzt wird Libyen bombardiert. Es zeigt sich also, dass dies das Schicksal der kleinen, schwachen Länder ist, oder?”, sagte Gaddafi.

Laut Iljumschinow wirkte Gaddafi wegen des Tods seiner Familienangehörigen zwar sehr geknickt, war jedoch weiter vollen Mutes. Zudem fand das Treffen nicht im Bunker statt. „Ich weiß, dass ich, meine Verwandte und Familienangehörige zum Tode verurteilt worden sind. Doch was hat ein kleines Mädchen der Nato angetan?“, sagte Gaddafi.

Quelle: RIA NOVOSTI

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