Elfenbeinküste: Ouattaras Anhänger foltern und morden weiter!

Bild: Wikipedia

Nairobi/Abidjan – Fast zwei Monate nach Beendigung des blutigen Machtkonflikts in der Republik Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste) wird in dem westafrikanischen Land nach Erkenntnissen der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) weiter hemmungslos gefoltert und gemordet.

HRW wirft den Sicherheitskräften von Präsident Alassane Ouattara Vergeltungsaktionen gegen wirkliche oder vermeintliche Anhänger seines abgewählten und inhaftierten Amtsvorgängers Laurent Gbagbo vor. Seit der mit Hilfe der früheren französischen Kolonialmacht bewerkstelligten Machtübernahme der Ouattara-Truppen Mitte April seien mindestens 149 Menschen getötet worden, heißt es in einem Bericht der Menschenrechtsorganisation.

„Die Hoffnungen auf einen Neubeginn unter Ouattara werden schnell schwinden, wenn das brutale Vorgehen gegen Gbagbo-Gefolgsleute nicht sofort gestoppt wird„, warnte Corinne Dufka, Westafrika-Expertin bei HRW. Ende April und Anfang Mai hätten Ouattaras Truppen bei Einsätzen in noch umkämpften Stadtteilen der Hafenmetropole Abidjan mindestens 95 unbewaffnete Menschen erschossen. Meist habe es sich um regelrechte Hinrichtungen von Jugendlichen gehandelt. Die Opfer gehörten ethnischen Gruppen an, denen Sympathien für Gbagbo unterstellt wurden.

Mindestens 3.000 Tote

Am Freitag sollte die erste Kabinettssitzung der neuen Regierung stattfinden, in die Ouattara auch Mitglieder von Gbagbos Partei „Ivorische Volksfront“ eingeladen hatte. Gbagbo hatte sich im vergangenen November nach den Präsidentenwahlen geweigert, den Wahlsieg Ouattaras anzuerkennen. Der von Gbagbo-Gefolgsleuten dominierte Verfassungsrat hatte eine halbe Million Stimmen mit der Begründung annulliert, dass in den Hochburgen Ouattaras im überwiegend muslimischen Norden Anhänger Gbagbos an der Stimmabgabe gehindert worden seien. In dem monatelangen Konflikt wurden nach UNO-Schätzungen mindestens 3.000 Menschen getötet.

Ouattara, hat die ehemalige Kolonialmacht Frankreich um eine stärkere militärische Präsenz in seinem Land ersucht. Die Spezialeinheit „Licorne“ (Einhorn) müsse bleiben und die Basis des 43. Marine-Infanterie-Bataillons (BIMA) in Port-Bouet reaktiviert werden, sagte Ouattara vergangene Woche. Die BIMA-Basis war 2009 aufgelöst worden.

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hatte anlässlich seiner Teilnahme an der offiziellen Amtseinführung des ivorischen Staatschefs gesagt, das ursprünglich 1.700 Mann starke „Licorne“-Kontingent, das bei der Entmachtung Gbagbos eine Schlüsselrolle gespielt hatte, könnte jetzt beim Wiederaufbau der ivorischen Armee helfen. Gbagbos Anhängerschaft, aber auch Politiker wie der ruandesische Präsident Paul Kagamé haben Frankreich vorgeworfen, „seinen“ Kandidaten Ouattara mit militärischer Gewalt durchgesetzt zu haben.

Zu Beginn seiner Präsidentschaft vor vier Jahren hatte Sarkozy angekündigt, alle Militärabkommen mit den früheren afrikanischen Kolonien neu zu verhandeln und transparent zu machen, weil Frankreich nicht mehr „Gendarm“ auf dem Kontinent spielen wolle. Französische Truppen befinden sich auch in Gabun, Kamerun, Dschibuti, der Zentralafrikanischen Republik, Senegal und Tschad, die alle 1960 unabhängige Staaten wurden. (APA)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.