Todesstaub: Uran-Munition und die Folgen

Frieder Wagner, der es gewohnt ist, dass seine Filme in den öffentlich-rechtlichen Sendern hoch und runter laufen, hat seit seinem Film „Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra“ keinen Auftrag mehr bekommen. Der Film gewann sogar den europäischen Fernsehpreis. Dennoch bleibt er bis heute verschwunden. Und so beschloss Grimmepreisträger Frieder Wagner aus dem Stoff einen Kinofilm zu produzieren. Hierzu fuhr er abermals mit dem Epidemiologo und Tropenarzt Siegwart-Horst Günther in den Irak und den Kosovo, um die Situation vor Ort zu dokumentieren. „Deadly Dust – Todesstaub“ wurde 2007 fertiggestellt und hat bis heute keinen Vertrieb gefunden. Wovor hat man Angst? Ist die Wahrheit über Depleted Uranium so brisant, dass man sie der Öffentlichkeit vorenthalten muss?


Uranmunition, DU (engl.: depleted uranium), ist panzerbrechende Munition, deren Projektile abgereichertes Uran enthalten. Dieses abgereicherte Uran wird für Bomben, Raketen und Projektile gebraucht, hauptsächlich zur Fahrzeugbekämpfung. Uranmunition wird, soweit bekannt, von 21 Armeen der Welt bevorratet: USA, Russland, Grossbritannien, Volksrepublik China, Schweden, Niederlande, Griechenland, Frankreich, Kroatien, Bosnien, Türkei, Ägypten, Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait, Israel, Saudi-Arabien, Irak, Pakistan, Thailand, Südkorea, Japan. Das heisst jedoch nicht, dass diese Länder ihre Uranmunition auch einsetzen. Hergestellt wird DU in 18 Ländern. Nur die USA und Grossbritannien haben offiziell zugegeben, DU eingesetzt zu haben. In jüngster Zeit wurden mehrere hundert Tonnen Uranmunition überwiegend im indisch-pakistanischen Grenzkonflikten, in Tschetschenien, während der sowjetischen Intervention in Afghanistan, im Bosnien-Krieg, im Kosovo-Krieg, im Zweiten Golfkrieg und im Irakkrieg eingesetzt. Die Tatsache, dass DU schädlich ist, wird heute grundsätzlich nicht mehr bestritten. Wo sich die verschiedenen Studien uneinig sind, ist in welchem Grade DU an den belegten Krankheiten wirklich schuld ist. So schreibt z.B. Dr. Emmanuel Egger vom Labor Spiez (VBS): «So wurden im Irak-Krieg Millionen Kubikmeter Erdölprodukte freigesetzt, die sowohl die Luft, den Boden und das Wasser kontaminiert haben. Von vielen dieser Produkte ist allgemein bekannt, dass sie sowohl Krebs wie auch Missbildungen bei Neugeborenen verursachen können.

Wie ist das erklärbar, dass ein Thema in den Medien verschwindet, obwohl die Gefahr weiter besteht und diese Waffe immer noch eingesetzt wird. Einerseits wird – wie bereits oben beschrieben – in die Medien eingegriffen und Desinformation betrieben. John Hanchette, ein Professor für Journalistik und einer der Gründungsherausgeber von «USA Today», berichtete, «er habe Artikel vorbereitet, die Neuigkeiten über die Auswirkungen von DU auf Soldaten im Golfkrieg und Bürger des Irak bekanntmachen. Jedes Mal jedoch, wenn er soweit gewesen sei, sie zu veröffentlichen, habe er einen Telefonanruf vom Pentagon erhalten, in dem er darum gebeten wurde, den Artikel nicht zu drucken.»

Das Thema Uranmunition wurde von Mischa Menne in seiner Abschlussarbeit an der Kantonsschule Birch in Zürich aufgegriffen und nun auch der Öffentlichkeit freigestellt. Auf 36 Seiten wird erklärt was Uranmunition ist, wer diese Geschosse im Krieg einsetzt und welche Folgen daraus für Mensch und Umwelt entstehen. Die wirtschaftlichen und politischen Interessen, welche hinter dem Einsatz von Uranmunition stehen, sowie die Rolle der Medien werden kritisch beleuchtet, auch die Situation der Schweiz im Hinblick auf die Produktion von Uranmunition wird erörtert. Hierzu wurden Interviews mit dem deutschen Journalist und Autor Claus Biegert, SP Nationalrat Mario Fehr, Dr. Emmanuel Egger vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) zuständig für Nuklearfragen, SVP Nationalrat Hans Fehr und dem promovierten Chemiker und Umweltbeauftragten Dr. Manfred Mohr geführt.

Quelle: wearechange.ch

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