Julius Hensel über Krebs

aus: „Das  Wichtigste von der ganzen Heilkunst“, ab Seite 109


Krebs. — Das charakteristische Wesen für Krebs besteht in Verknorpelung. Die Knorpelsubstanz geht aus Blutleim hervor. Alkalien verhindern die Knorpelausscheidung, indem sie den Blutleim flüssig erhalten. Also wo Krebs auftritt, ist das Blut von säuerlicher Reaktion, anstatt durch Natrongehalt gebührend alkalisch zu sein. Was nützt also das Wegschneiden und Operieren ? — Man muss vielmehr durch natronhaltige Nährmittel die Blutbeschaffenheit normalisieren.

In Hirschberg lebte 1895 ein 92jähriger Greis mit einem Krebsleiden, das von den Ärzten für unheilbar erklärt wurde. Ich denke wohl, das ist deutlich. Wenn man arm ist und eine chirurgische Operation nicht bezahlen kann, so ist es möglich, ein Lebensalter von 92 Jahren zu erreichen; aber nach Operationen ist infolge der Fortnahme von Lymphdrüsen, welche die Saftzuführung zu den Geweben im Gange erhalten, eine Störung des gewohnten Lymph- und Blutumlaufs die natürliche Folge. Man bedenke doch, dass das Lymphgefäßsystem ein organisch zusammenhängendes Ganzes ist. Schneide ich nun einen Bezirk davon heraus und bewirke eine sogenannte Heilung, indem narbiges Bindegewebe entsteht, so habe ich einen großen Teil von Lymphröhren, die sonst dazu dienten, ihren Inhalt nach rechts und links, nach vorn und hinten, nach oben und unten weiterzuführen, in „Sackgassen“ umgewandelt. Was folgt hieraus? — Es folgt daraus, dass der von anderwärts herzufliessende Lymphsaft nicht weiter kann; es treten Stauungen und neue Anschwellungen ein. Auch diese werden dann wieder fortgeschnitten, bis man zu den Lymphknoten der Achselhöhle operierend vorschreiten muss. Aber um so schlimmer! Denn je mehr Lymphgefäße in Sackgassen verwandelt werden, um so zahlreichere Herde von stockendem Saft werden gestiftet. Und da organische Substanz (vgl. das Kapitel von den Würmern) nicht stillsteht, sondern sich chemisch zersetzt, so entstehen aus dem stockenden Saft ammoniakalische Fäulnis- und Verwesungs-Produkte, die langsam lähmend in absehbarer Zeit den Tod zur Folge haben.
Ob Krebs-Operation oder Drüsen-Operation ist einerlei. Aus Wien schrieb mir (1895) Frau E. U. Folgendes:

„Ich habe Ihnen, glaube ich, seinerzeit, als ich Mama’s Krankheit skizziert, nicht erwähnt, dass dieselbe mit einem Kropf behaftet war, vielleicht schon mehr als 30 Jahre, ein Zeichen, dass wir dieser so häufig vorkommenden Abnormität, die sie nie im geringsten genierte, keinerlei Bedeutung beimaßen. Nun wurde allerdings derselbe seit dem Winter, besonders Ende Februar, größer. Mama klagte auch hin und wieder über Schmerzen, behauptete aber stets, es sei Rheumatismus und die Sache ohne Belang. Dann plötzlich aber kamen die Schmerzen öfter; wir fragen einen und dann mehrere Ärzte, und jeder sagte mir, es sei eine „Neubildung“ und Mama rettungslos in kürzester Zeit verloren, wenn nicht durch eine Operation die Möglichkeit einer Rettung geschaffen würde. Sie selbst war nun natürlich dazu gleich entschlossen und so wurde die Ärmste am 16. Mai operiert und ist uns 14 Tage darauf, am 30sten, durch den Tod entrissen worden. Sie ist teilweise ohne Besinnung an Entkräftung verschieden.“

„Hic locus est, ubi mors gaudet succurrere vitae“.

Hier freut sich der Tod, dem Leben nützen zu können. Da Ammoniak, welches mit chemischer Gesetzmäßigkeit aus stockendem Lymph- und Blutsaft frei wird, die Nerven lähmt, so ist die Bewusstlosigkeit und unaufhaltsame Entkräftung der Patientin nach der Operation hieraus zur Genüge erklärt. Ein Arzt, in Besitz der Kenntnis von dieser physiologisch-chemischen Tatsache, dass Ammoniak aus stockendem Blutsaft auftritt und dass Ammoniak die Nervenfunktion lahmt, wird sich 50 Jahre lang besinnen, ehe er eine Lymphdrüse fortschneidet. Man vergleiche meine Schrift: (Rheumatismus und Tuberkulose Seite 28.)


Quelle: Julius Hensel, Das Wichtigste von der ganzen Heilkunst

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