eigentlich ein Fall für Den Haag: offene Kriegshetzerei der BILD

Bild: botrostours.at

von John Schacher

Wer heute den online-Auftritt der BILD besucht, glaubt sich einer Parallelwelt. Eine ganze Kaskade von offensichtlich falschen Thesen, begleitet von Schlagzeilen wie „Gaddafi läßt Leichen verminen“, oder „Gaddafi-Tochter nutzt menschliche Schutzschilde“ erschlägt den Leser förmlich. Dass der Michel für so blöd gehalten wird (oder werden kann), ist an sich schon ein Kriegsgrund.

Doch da der Ton bekanntlich die Musik macht, lohnt sich das Überfliegen der BILD-Zeilen irgendwie doch:


DER KRIEG IN LIBYEN GEHT WEITER!
Immer neue perfide Ideen hat das Regime von Muammar Gaddafi im blutigen Kampf gegen sein Volk.
Aufständische aus Misrata berichten, die Soldaten des Diktators benutzten Hubschrauber mit dem Symbol des Roten Kreuzes, um Minen im Hafen zu verstecken. Streubomben seien nach wie vor im Einsatz – zwei grausame Zeichen für die illegale Kriegsführung der Gaddafi-Schergen.
Gaddafi-Schergen, Gaddafi-Soldaten, Gaddafi-Krieger – aber wo steckt eigentlich Gaddafi selbst?“…..

Und so geht es in einem fort. Was macht der gewitzte Redakteur, wenn er keinerlei neue Informationen hat? Richtig, er spekuliert! Jetzt wird wie weiland… wieder einmal auf den Tod des Bösewichts angespielt. Wie spannend. Und wie kurzlebig! (Nachtrag am 12.5.2011 Gaddafi zeigt sich im Staatsfernsehen – Gerüchte über seinen Tod widerlegt):

„Seit neun Tagen kein Lebenszeichen des Kriegstreibers!
Nicht einmal zur Beerdigung seines jüngsten Sohnes ließ er sich blicken!
IST GADDAFI LÄNGST TOT?
Die italienische Zeitung „La Stampa“ spekuliert, Gaddafi könnte tot oder bei dem Nato-Bombardement schwer verletzt worden sein.“

Die einzige letztlich verwertbare Information kommt –  bei BILD natürlich völlig entgegen dem journalistischen Grundsatz, mit dem Wichtigen zu beginnen – völlig versteckt am Ende daher: ein Botschafter hat offenbar indiskret berichtet, dass die NATO bei ihrem Anschlag auf die Gaddafi-Familie mitten in einem Wohngebiet in Tripolis spezielle „Hochdruck“-Bomben eingesetzt und damit hohe zivile Verluste billigend hingenommen hat.

„Die Zeitung beruft sich dabei auf diplomatische Kreise, auf die 45 in Tripolis verbliebenen Auslandsrepräsentanten. Ein Botschafter in Tripolis wird wörtlich zitiert:
„In dieser Nacht wurden wir in Oberst Gaddafis Zentrale gebracht. Alles war zerstört. Die Nato hat Spezial-Bomben eingesetzt, die eine gewaltigen horizontalen Druck erzeugen. Es ist schwer, einen solchen Angriff zu überleben…“

Fazit: Es bleibt nur zu sagen: wenn unserein freier Journalist solcherlei Ergüsse verbreiten würde, wären schnell Verfassungsschutz und Gerichte – und dies berechtigterweise – im Spiel, während BILD dies bislang noch folgenlos tun darf. Hoffentlich ist der Tag nicht mehr fern, an dem sich dies ändert und die Verantwortlichen zu Rechenschaft & Umschulung gezogen werden.


Zitatenquelle: 1 Seite BILD.de

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