Guttenberg, letzter Akt?

Fallschirm dabei? Durchfall im Griff?

von John Schacher

„Die Ersten werden die Letzten sein“ sind Worte, die vermutlich  jeder in Ihrer Bedeutung zuordnen kann. Im „Fall Guttenberg“, wo man sich derweil nur auf die Sache mit dem Doktor konzentriert und die dicken Dinger wie EADS (ca. 1,5 Mrd. Steuerzahler-Schaden) oder die fadenscheinige Bundeswehrreform mit ihren bereits eintretenden Todesfolgen flugs in den Hintergrund drängt, fällt hier mit einer seiner ersten Handlungen aus 2006 womöglich der letzte Vorhang:

Während Guttenberg sich noch waidwund windet und durch alle Winkel seiner Umgebung schlängelt, zu retten versucht, was noch zu retten ist, steht sein Urteil wohl schon ins Netz gemeisselt. Das Internet birgt ihm letztlich sein Verhängnis wie keinem vor ihm:

Einer unserer aufmerksamen Leser fand eine weitere Stelle, an der ein Damoklesschwert befestigt ist. Folgend die explosive Info:

„wenn ich das richtig verfolgt habe, dann ist Guttenberg erst seit dem 07.05.2007 im Besitz des Doktor-Titels und er hatte auf Antrag die Genehmigung, den Titel bereits ab Februar 2007 zu führen. Wie man allerdings über die Waybackmachine nachvollziehen kann,

http://waybackmachine.org/20060501000000*/http://www.zuguttenberg.de/

hat er bereits zwischen dem 20.07.2006 und dem 22.10.2006 seine Homepage auf den Dr. geändert.

Falls die Daten sich so bestätigen, wäre das ein klarer, nachgewiesener Fall von Titelmissbrauch. Mehr als eine Anzeige braucht es dazu nicht.“

Freiherr zu Guttenberg im Gespräch mit dem CEO von Morgan Stanley, John J. Mack (Bild: bmwi)

Dadurch fragt sich nun, ob der gestern gemeldete Vorstoß von Ex-Bundeswehroffizier und Chemiker Dr. Markus Kühbacher, der ja „abgebügelt“ scheint, nicht doch ein voller Erfolg werden wird.

Die Liste seiner Fragwürdigkeiten fing ja schon mit dem wohl stark fingierten Lebenslauf auf, in dem bereits (absolut wissentliche) Falschaussagen nachgewiesen wurden, wie etwa die Karriere als Rigpsplatten-Händler (im betreffenden Unternehmen kannte man den Freiherrn nicht). Das vertraute Handshaking mit Morgan-Stanley-Bossen stärkt eher die Theorie einer Tätigkeit als Finanzhai, die jedoch politisch nicht vertretbar gewesen wäre (seinerzeit).

FAZIT: Dass sich der Ertappte dreist an die Macht klammert, die er missbraucht hat, verwundert heutzutage niemanden mehr. Je länger Guttenberg so arm handelt, desto deutlicher wird Tag für Tag unserem Volk der schäbige Charakter unserer regierenden Schicht bewusst. Auch wenn es weit Wichtigeres zu tun gäbe. Jeder Arbeitnehmer hätte jedenfalls längst die Kündigung kassiert (allein um das Unternehmen nicht zu beschädigen), das spüren die Leute! Dass die ganze Sache vorrangig der Kanzlerin nutzt, braucht nicht betont zu werden.

Eine Chronologie der jüngsten Statements findet man hier

Witze & Cartoons zum Thema hier, unter anderem:

 

  • „Ob der Gutti seine Dissertation schon bayreuth hat?“
  • „Karl-Theodor wurde beim Doktor spielen erwischt!“
  • „Guttenberg wird zurückgestuft auf Dr. hc: hc = has copied.“
  • „Der Google-Übersetzer wird neu justiert. Gibt man auf der einen Seite ,copy & paste’ ein, erscheint als Übersetzung ,summa cum laude’.“
  • „Von wegen ,aus vielen Quellen zusammengeklaut’! Steht doch ganz klar in der Einleitung: E pluribus unum – Aus vielen eines.“
  • „Gutenberg hat die beweglichen Lettern erfunden, Guttenberg die beweglichen Textpassagen.“
  • „Guttenberg soll alle seine Vornamen aus Wikipedia abgeschrieben haben.“
  • „Die Universität Bayreuth hat jetzt eine Doktorklappe eingerichtet. Dort können ungewollt oder unlauter erworbene Doktortitel anonym wieder abgegeben werden.“
  • „Mama Guttenberg gegenüber der BILD: ,Zigmal habe ich dem kleinen Theo damals verboten, mit den Münchhausens zu spielen. Aber nee! – Und nun sieht er, was er davon hat.“
  • „Wetten, dass..?-Auftritt geplant: Guttenbergs Saalwette lautet: ,Ich wette, dass Sie es nicht schaffen, alle Autoren meiner Doktorarbeit auf die Bühne zu bringen, die das Lied ,Alles nur geklaut’ singen.“

 

11 Gedanken zu „Guttenberg, letzter Akt?

  1. weg den Pinsel und der Rattenschwanz von selbsternannten Elitenmenschen, die ihren eigenen Anforderungen nicht standhalten ebenso. Wenn der bleibt, koennen die sich in Zukunft einfach in gleicher Manier durchaalen.
    Beim Guttenbergskandal liegt der Scheideweg.
    Geben wir deren diktatorischen Machtbestrebungen nach oder erinnern wir uns deutscher Qualitaeten und denken und dichten diese Scheinelite was sie sind – selbstverliebte egowichser

  2. Betr.: vuz Googleberg

    …kommt ein Monteur in’s Kriegsministerium, um den defekten
    Kopierer zu reparieren.
    Er wird vertröstet: der sei gerade in Afghanistan zum
    Truppenbesuch.

  3. Offensichtlich liegt hier ein Fehler in der Waybackmachine vor. Der Snapshot, der angeblich vom Oktober 2006 ist, enthält schon viele News aus 2007. Wenn man in den News nach „Dr.“ sucht, stellt man fest, daß Guttenberg den Titel am 10.5.2007 zum ersten mal verwendet.

    1. funktioniert eigentlich schon prima:
      einfach in 2006 die Snapshots vom 20.7. und 22.10. vergleichen (Titel), das wars….
      Fehler in der Software kann ich nicht ausschliessen, doch eher unwahrscheinlich in meinem Dafürhalten…

  4. Warum die Kanzlerin zu Guttenberg feuern muss:
    Es war einmal ein CDU-Büroleiter namens Andreas Kasper. Auch er war einmal ein Dr. Kasper. Auch er kopierte und plagiiert und stritt alles ab. Auch ihm wurde der Doktortitel entzogen. Die Staatsanwaltschaft ermittelte und er wurde verurteilt. Sein Amt musste er aufgeben: http://nachrichten.t-online.de/plagiat-affaeren-in-der-union-guttenberg-schreibt-nicht-als-erster-ab/id_44588866/index?news

    Gleiches Recht muss für alle gelten. Und daher muss die Kanzlerin zu Guttenberg entlassen, es sei denn, sie will ihre eigene Affäre daraus machen.

  5. “Wenn einer, der mit Mühe kaum, geklettert ist auf einen Baum, schon meint, dass er ein Vogel wär’, so irrt sich der!” Wilhelm Busch

    zwei geklonte brüder im geiste kämpfen um die macht des einen (der andere hat sie von fr. springer sowieso)

    > http://commonman.de/wp/?page_id=2582
    > http://commonman.de/wp/?page_id=1428

    die Ähnlichkeit ist unverkennbar

    was übrigbleibt ist Scham, aus der Humor erwächst

    > http://commonman.de/wp/?page_id=2538
    > http://commonman.de/wp/?page_id=2372

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