Israels Atomwaffen: das am schlechtesten gehütete Geheimnis der Welt

Buchrezension von HANS-CHRISTIAN RÖSSLER in der FAZ
Das am schlechtesten gehütete Geheimnis der Welt
In Israel vergeht kaum ein Tag, an dem nicht vom iranischen Atomwaffenprogramm die Rede ist. Über die eigenen Nuklearwaffen herrscht dagegen Schweigen – seit mehr als 40 Jahren. In den israelischen Medien lässt der Militärzensor nur Meldungen über das Thema passieren, die sich auf „ausländische Presseberichte“ als Quelle berufen, obwohl Israel zu den ersten atomar bewaffneten Staaten der Welt gehört. Internationale Fachleute schätzen, dass das kleine Land zwischen 100 und mehr als 200 nukleare Gefechtsköpfe besitzt.
Atomare Zweideutigkeit nennt man in Israel den Umgang mit den Nuklearwaffen, deren Besitz bisher keine Regierung offiziell zugegeben hat.
Für Avner Cohen ist es das „am schlechtesten gehütete Geheimnis„, das Israel nach seiner Ansicht mittlerweile mehr schadet als nutzt: Diese Undurchsichtigkeit lasse sich nicht mit einer modernen Demokratie und internationalen Bemühungen um Abrüstung vereinbaren, meint der israelische Wissenschaftler, der seit langer Zeit in den Vereinigten Staaten lebt. Cohen hatte schon mit seinem ersten Buch „Israel und die Bombe“ Ende der neunziger Jahre das staatlich verordnete Schweigen gebrochen. Jahrelang wagte er nicht, nach Israel zurückzukehren, weil ihm dort eine Anklage wegen Geheimnisverrats drohte.
Wie schonungslos die israelische Justiz mit denjenigen umgeht, die den Schleier über dem geheimen Programm lüften, zeigt das Beispiel des israelischen Atomtechnikers Mordechai Vanunu, der zu 18 Jahren Haft verurteilt wurde, nachdem er zum ersten Mal den geheimen Atomrekator in Dimona öffentlich gemacht hatte. Weiterlesen…
Avner Cohen: The Worst-Kept Secret . Israel’s Bargain With the Bomb. Columbia University Press, Oktober 2010 (370 Seiten, 35 Dollar).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.