Hensels Erstlingswerk: „über causalmechanische Entstehung von Organismen“ Teil 1

von
Pilgermann,
Stuttgart
Verlag von Julius Hensel
1881
Vorwort des Verlegers (Julius Hensel):
Gewisse Erscheinungen, abgesondert für sich betrachtet, bleiben dunkel, aber in Verbindung mit anderen werden sie klar.
Die nachstehende Schrift eines Autors, dessen Stellung zur Sache ihm Pseudonymität auferlegt, bezweckt den Lehrsatz zu widerlegen, dass die Verbindungen des Kohlenstoffs die Grundlage alles organischen Lebens seien. Sie weist beiläufig darauf hin, wie die Sauerstoffverbindungen des Kohlenstoffs: Kohlenoxid, Kohlensäure und Oxalsäure, unser Blut sogar direkt töten, und wie andrerseits die Diatomeen und Oscillarien ohne allen Kohlenstoff bestehen, da sie an dessen Stelle Silicium enthalten.
Alles in allem begründet die Schrift in eingehender Weise an der Hand physikalischer und chemischer Gesetze, dass nur der Wasserstoff, für welchen der Name Biogen vorgeschlagen wird, als lebenerweckendes Agens für den Aufbau sämtlicher Organismen in Anspruch genommen werden dürfe, und sie entwickelt diesen Schluss als eine logische Folge der bisher unerkannt gebliebenen Tatsache, dass der Wasserstoff auch im Makrokosmos das bewegende Agens darstelle. Zum Beweise dessen werden alle darauf zielenden exakten Resultate der Naturwissenschaft in der ersten Hälfte der Schrift zwanglos aneinandergereiht, und sie ergeben dann in ihrer Gesamtheit die Bestätigung der theoretisch gefundenen Wahrheit: Omnis vita ex Hydrogenio.
Indessen, so bestechend auch diese Wahrheit vorgetragen wird, kann man doch nicht umhin, der Florian’schen Fabel vom Spiegel der Wahrheit zu gedenken, deren Schluss hier rezitiert werden möge:
Die Menschen führten bald sträflichen Wandel,
Zu Ende ging der lichtumwob’ne Handel
Des Spiegels, und die Gottwahrheit entfloh
Gen Himmel, nicht mehr irdischen Schaffens froh.
Den Spiegel warf sie ans der Höhe nieder.
Entschlossen, niemals ihn zu brauchen wieder;
und der zerschellte nun zu tausend Stücken,
Die, für das Volk verloren, weit und breit
Als allerkleinste Trümmer sind verstreut.
Nach denen heut sich unsre Weisen bücken;
Allein die Trümmerstückchen sind so winzigklein,
Dass schwer erkennbar ist ihr Demantschein,
So winzig, dass in ihrem Spiegelglanz
Der Weiseste nie schaut die Wahrheit ganz.
»Der Weiseste schaut nie die Wahrheit ganz«. Auf dieses Dichterwort sich beziehend, fordert der unterzeichnete Verleger alle Freunde der Naturwissenschaften hierdurch auf, die in der nachstehenden Schrift verfochtenen Anschauungen auf wissenschaftlicher Basis zu widerlegen, indem er für das Verlagsrecht der besten Gegenschrift, welche bis zum 31. März 1882 an ihn eingesendet wird, einen Preis von 200 Mark Silber anbietet.
Die Entscheidung und Namensnennung des Verfassers der besten Schrift wird demnächst allen Bewerbern zugehen und die nicht akzeptierten Schriften werden franko zurückgesandt werden.
Stuttgart, im Frühling 1881.
Julius Hensel
Einleitung.
Das Geheimnis des vegetativen Lebens ist nicht zu ergründen, so lange man sich fern hält von der Mahnung des großen Newton, dass wir bemüht sein müssen, die allerersten ursprünglichsten Gesetze aller Naturerscheinungen zu erforschen, bevor wir deren letzte verwickelte Konsequenzen zu deuten vermögen. Denn wahrlich, sollen unsere letzten Schlussfolgerungen richtig sein, so darf über die ersten Voraussetzungen keinerlei Ungewissheit herrschen. Unsere Erkenntnis des ersten ursprünglichen Antriebs, soweit derselbe von körperlicher Natur und von unseren Sinnesorganen erkennbar ist, muss völlig zweifellos sein. Da aber solche sichere Erkenntnis bisher noch immer gefehlt hat, so müssen wir sie uns durch hingebendes Nachdenken und strenge Logik durchaus verschaffen. Vielleicht dürfen wir hoffen, in der Erkenntnis des kausal-mechanischen Fundaments des makrokosmischen Lebens zugleich die Quelle zu finden, aus welcher auch das mikrokosmische Leben fließt.
Denn die allgemeine Grundwahrheit, das Gesetz aller Gesetze, kann nur einfach und ungeteilt sein, gleich dem Zentrum eines mathematischen Kreises oder einer mathematischen Kugel, wohingegen der Irrtum so vielgestaltig auftritt als in dem Kreis oder in der Kugel sich einzelne Strahlen denken lassen, mit der Maßgabe, dass die Irrtümer nicht als absolute, sondern nur als relative zu bezeichnen sind, insofern als ein unselbstständiger einzelner Teil losgelöst betrachtet worden ist aus dem Zusammenhang mit seinen ergänzenden Gegensätzen, also dass hieraus falsche Schlussfolgerungen abgeleitet werden mussten.
Solche einzelnen relativen Irrtümer zu widerlegen können wir nicht unternehmen, sondern wir müssen unbeirrt durch das Gewirr der Meinungen auf den festen Punkt lossteuern, von welchem aus es gelingt, sämtliche Irrtümer aus ihren Angeln zu heben.
Indem wir diese Richtschnur befolgen, um uns einen Begriff von der Natur des Weltalls zu verschaffen, treten uns folgende hervorstechenden Fragen entgegen:
1. Wie entsteht Bewegung im Allgemeinen und vor Allem im Makrokosmos? —
2. Ist es möglich, uns die Begriffe Substanz und Raum zu erklären? —
3. Was bedeutet die Gravitation der Himmelskörper und wodurch wird sie veranlasst? —
Wenn wir nach Beantwortung dieser Fragen uns mit dem besonderen Himmelskörper beschäftigen werden welchen wir unsere Erde nennen, so treten uns die weiteren Fragen entgegen:
1. Wie ist die Erde entstanden? —
2. Auf welche Art konnte aus totem, unorganischen Material organisches Leben entstehen? —
3. Wodurch geht organisches Leben zu Grunde? — An dem Weg, den wir zu machen haben, werden
uns außer diesen Hauptstationen mancherlei Nebenpunkte zum Rasten einladen, aber wir wollen bei solchen Punkten nicht länger verweilen als nötig ist, um sie mit unserem Grubenlicht kritisch zu beleuchten. Solche Punkte sind namentlich: die Struktur des Mondes, die Höhe unserer Atmosphäre, das Zodiakallicht, Erdbeben und Vulkane, die Geysire auf Island und Neuseeland, sowie die Heilkraft von Carlsbad und Teplitz; und nunmehr setzen wir uns in Bewegung.
1. Kapitel. Weltall.
Der Begriff „Bewegung“ definiert sich ohne jede Ausnahme als die Bestrebung, vorhandene Gegensätze auszugleichen. Wo ein Gegensatz nicht waltet, wo Gleichartigkeit herrscht, da besteht selbstverständlich keine Veranlassung zur Ausgleichung, da herrscht Ruhe und Beharren, da erlöschen Antrieb, Bewegung und Leben.
Dieses Axiom, auf das kosmische Leben, d. h. auf die Bewegung der Weltkörper bezogen, führt zu dem Schluss, dass, um das Perpetuum mobile des Weltalls im Gange zu erhalten, wie wir es mit unseren Augen wahrnehmen, ein starker Gegensatz zwischen einer aktiven und einer passiven Kraft vorhanden sein müsse.
Was die passive Kraft betrifft, so haben wir sie bereits mit Namen genannt, sie heißt Beharren, träges Harren bis zum Anstoß von außen. Sie bedeutet das passive Zurückfallen oder Zurückgezogenwerden der trägen Materie zu ihrem Ausgangspunkt, dem mathematischen Zentralpunkt oder deutlicher gesagt: Nullpunkt.
Denn, so gewiss wie positive und negative Elektrizität einander aufheben; so gewiss wie ein Lichtstrahl oder Ton von einem ihm entgegenkommenden gleichartig undulierenden Ton oder Lichtstrahl ausgelöscht wird; so gewiss wie Wärmestrahlen von entgegengesetzt schwingenden Wärmestrahlen vernichtet werden ; so gewiss wie eine Magnetnadel durch die entgegengesetzten Pole einer gleich starken anderen Magnetnadel astatisch gemacht wird; so gewiss wie außer Magnetismus, Licht, Wärme, Schall und Elektrizität auch die physikalische Eigenschaft der Körper, den Raum zu erfüllen, vollständig ausgelöscht werden kann, da wir sehen, dass 1 Pfund Wasserstoffgas den Raum, welchen 8 Pfund Sauerstoffgas einnehmen, zum Verschwinden bringt; ja, so gewiss wie auch die chemisch auflösenden und ätzenden Eigenschaften von Natronlauge und Schwefelsäure einander gegenseitig auslöschen: — so gewiss würde auch jenes passive Zurückfallen sämtlicher Materie, die durch die Himmelskörper repräsentiert wird, nach ihrem Ausgangspunkt hin, welches Zurückfallen oder Zurückgezogenwerden wir Attraktion nennen, den letzten Erfolg haben, jegliche Substanz und jeglichen Raum, welch letzterer, der Raum, ja nur der wechselnde Ausdruck des Wärmegrades der Körper ist, wieder zum Verschwinden zu bringen, wenn nicht eine gewaltige Kraft bewirkte, dass solches passive zentripetale Streben der Materie, sich in dem Nullpunkt, von dem sie ausgegangen, durch Wiedervereinigung gegenseitig auszulöschen, ihr Ziel niemals erreichen kann.
Der Charakter, welcher einer solchen gewaltigen Kraft innewohnt, muss im Gegensatz zur negativen, passiven, zentripetalen Attraktion ein positiver, aktiver, zentrifugaler sein.
Da aber der Begriff »Kraft« nur an einem »Stoff« zur Erscheinung gelangen kann, so fragen wir unverblümt: Wie heißt der Stoff, welcher eine solche Wirkung ausübt? —
Es muss ein Stoff sein, der gleichzeitig in physikalischer und chemischer Hinsicht im Stande ist, als ein Bewegung und Leben bedingender Spannungsfaktor zu wirken, um mittels seiner inneren Federkraft das Welten-Uhrwerk als einziges und echtes Perpetuum mobile in Betrieb zu erhalten.
Und dieser Stoff muss in einer so enormen Menge vorhanden sein, dass er für sich allein die Hälfte des Gesamtgewichts des Weltalls ausmacht, um die andere Hälfte nach dem mechanischen Gesetz der Statik balancieren zu können.
Ja, wenn der unermessliche Weltenraum mit lauter Wasserstoffgas angefüllt wäre, so dass dasselbe durch seine, sich jedem Maßstab der Schätzung entziehende, kolossale Menge ersetzen würde, was ihm am spezifischen Gewicht mangelt, dann wäre Alles erklärt, und heureka, es ist wirklich so.
Jenes von Astronomen und Physikern als »Aether« bezeichnete leichte und elastische Medium für die Undulationen des Lichts und der Sonnenwärme, jenes Medium, welches die Abschwächung des Sternenlichts, die Ablenkung der Kometenbahnen und das Zurückweichen des Frühlingspunktes von dem Widder nach den Fischen bewirkt, kann nichts anderes sein als Wasserstoffgas, blaues Wasserstoffgas, welches in der Unermesslichkeit des Weltenraums himmelblau, im kondensierten, flüssigen Zustand stahlblau ist. Der blaue Himmel ist blaues Wasserstoffgas.
Wäre es anders, wäre es, wie Tyndall vorgetragen hat, irdischer Wasserdunst, welcher die Bläue des Himmels bewirkt, so würde jenseits der Schneegrenze, wo aller Wasserdunst aus der kalten Atmosphäre in Kristallen herabgefallen, kein blauer Himmel mehr sichtbar sein können, allein im Gegenteil: er ist auf den Gipfeln höchster Berge von jenseits der Schneegrenze unser Auge am allerintensivsten.
In der Tat, der weltenspannende Faktor ist das von Gott als Gegensatz geschaffene elastische Wasserstoffgas, welches bewirkt, dass auch unsere Atmosphäre vollständig dem Mariotte-Boyle’schen Gesetz unterliegt und im Weltenraum aus dem einfachen Grunde nicht verschwinden kann, weil die Spannung des Weltenwasserstoffs dem entgegenwirkt.
Hiernach schwimmt in diesem Weltenwasserstoff unser Erdball mitsamt seiner Atmosphäre, welche an ihrer äußersten Grenze bloß noch aus reinem Stickstoff bestehen mag, weil derselbe um ein Achtel leichter ist als Sauerstoff, mit welchem er aus diesem physikalischen Grunde kaum weiter als bis zu einer geographischen Meile von der Erdoberfläche vermischt sein kann; und die Grenze unserer Atmosphäre von Stickstoff, — mit welchem sich der Wasserstoff direkt nicht verbindet, so dass der Stickstoff in dem Himmelswasserstoff gleitet wie Wasser unter Öl, — die Grenze unserer Stickstoffatmosphäre muss dahin verlegt werden, wo das spezifische Gewicht des verdünnten Stickstoffs auf dasjenige des Wasserstoffs herabgesunken ist, woraus sich unter Zugrundelegung der diathermanen Eigenschaft der Luft und des Himmelswasserstoffs eine Atmosphären-Höhe von etwa 15 Kilometern, d. h. des sechsten Teils der bisherigen Annahme berechnet.
Ja! — Unsere Atmosphäre gleitet sanft; und weich im Himmelswasserstoff dahin, aber, wie sanft und weich sie auch gleitet, sie gleitet, sie streift ihn. Und dieses Streifen, diese Reibung ist am stärksten am Äquator, wo die Zentrifugal-, resp. Tangential-Geschwindigkeit mehr als 20 mal die Geschwindigkeit eines Express-Zuges übertrifft, denn sie beträgt pro Stunde 5400 : 24 = 225 geographische Meilen. Eine sausende Geschwindigkeit. Ja, sicherlich, unsere Atmosphäre da oben muss tönen! Und die Sphärenmusik ist kein Wahn. Und der Psalmist hat Recht: »Der das Auge gemacht hat, sollte Der nicht sehen? — Und Der das Ohr gepflanzet hat, sollte Der nicht hören?« —
Unsere Atmosphäre da am Rande des Wasserstoffs muss nicht bloß tönen, sie wird auch elektrisiert von der Reibung am Wasserstoff, und wenn es nicht mehr zu hell ist, in der Dämmerung, des Morgens vor Sonnenaufgang und des Abends nach Sonnenuntergang, können wir sie am Äquator leuchten sehen.
Diese leuchtende, elektroskopische Erscheinung in den Tropen nennen wir Zodiakallicht. Indem dasselbe Ton der am Äquator durch Zentrifugalkraft hoch aufgetürmten Atmosphäre strahlenförmig herabfließt nach den Polen, wo die Atmosphärenhöhe wegen der geringeren Rotation niedriger ist, erzeugt das Zodiakallicht dort seine ergänzenden Gegensätze als Nord- und Südlicht.
Die Elektrizität unserer Atmosphäre, durch ihre Reibung am Himmelwasserstoffgas erzeugt, bewirkt ferner, wo sie am intensivsten und wo die Luft unter dem Einfluss der das Meereswasser verdunstenden senkrechten Sonnenstrahlen am feuchtesten ist, am Äquator, außer dem Zodiakallicht mit bewunderungswürdiger Regelmäßigkeit die täglichen schweren Gewitter. Freilich unterliegen die mit denselben verbundenen Lufterschütterungen dem allgemeinen Gesetz von der Fortleitung des Schalles, d. h. ihre Undulationen pflanzen sich relaxando in konzentrischen Kugelschalen durch die Atmosphäre fort. Die Grenze ihres Wirkens ist da, wo der akustische Ausdruck der Luftschwingungen, der Donner, nicht mehr gehört wird.
Mit solcher Intensität der elektroskopischen Erscheinungen am Äquator und ihrer undulatorischen Natur darf der unter den Wendekreisen herrschende Mangel an Gewittern und Elektrizität und hieraus folgend das Auftreten der nervenkraftlähmenden Fieber, in kausalem Zusammenhang stehend vorausgesetzt werden. Aber dieses nur beiläufig.
Wir kehren zurück zu der Tatsache, dass die Erde rotierend um die Sonne wandelt und wollen erweisen, dass die Gegenwart des Weltwasserstoffs hiervon die Ursache ist.
Zu diesem Behuf verweisen wir auf die Beobachtungen an den Geisler’schen Röhren, wir meinen das elektrische Leuchten von Gasen im Zustand stärkster Verdünnung, aus welchen Beobachtungen Schlussfolgerungen von der größten Tragweite resultieren.
Man darf nämlich folgern, dass das Leuchten unserer Sonne hervorgeht aus einem Zustand intensivster Dissoziation ihrer konstituierenden chemischen Elemente, bedingt durch den unermesslichen Hitzegrad.
Ja, man muss weiter folgern, dass die Leuchtkraft aller Gestirne ein direkter Ausdruck sei für die größere oder geringere Intensität ihres Dissoziations-Zustandes. Höchste Leuchtkraft setzt höchsten Grad der Dissoziation voraus.
Da nun die Leuchtkraft des Sirius diejenige unserer Sonne 88 mal übertrifft, so befindet sich letztere im Vergleich zum Sirius in einem Zustand nachlassender Dissoziation, und die Schlussfolgerung liegt nahe, dass das am hellsten leuchtende Gestirn als die Quelle anderer Gestirne von geringerer Leuchtkraft in Anspruch zu nehmen sei.
Danach erscheinen die Sonne und die uns zunächst stehenden Fixsterne als Fragmente des Sirius, von welchem sie zu einer gewissen Zeit durch die chemische Gewalt des Weltenwasserstoffs abgerissen wurden.
Eine solche Trennung geschah, da unter den chemischen Elementen der Sonne sich auch Oxygen befindet, mit welchem sich ein Teil des Weltenwasserstoffs zu Knallgas verband, unter Berücksichtigung der in Aktion tretenden enormen Mengen mit so explosivem Effekt, dass unsere Vorstellungen davon sehr schwierig sind.
Die abgerissenen Teile wurden in endlose Fernen geschleudert, und indem sie ihren Weg durch den kalten Weltwasserstoff nahmen, büßten sie auf dem Wege einen Teil der intensiven Hitze ein, welche sie in dem Augenblick der Katastrophe besaßen.
Wie gering auch solcher Hitzeverlust gewesen sein mag, die Differenz reichte hin, um dem Weltenwasserstoff auf die nach allen Seiten geschleuderten Siriusfragmente sehr bald einen zweiten nachhaltigeren Angriff zu gestatten, begünstigt durch das herabgeminderte Volumen der Gasmassen. Soweit ein solcher Angriff den Sonnengasball betraf, entstanden die Planeten und, da die Weltkörperverwandlung in fortdauernder Jugendtätigkeit vor sich geht, entstehen sie wohl heute noch, zwischen Mars und Jupiter sich anhäufend.
2. Kapitel. Planetensystem.
Wenn ich einen Gummiball, eine Holzkugel und eine Kanonenkugel, alle drei von gleichem Kaliber, hinter einander mit demselben Kraftaufwand aus der Hand schleudere, so wird der elastische und leichte Gummiball am allerweitesten fliegen, die Kanonenkugel meinem Standpunkt am nächsten bleiben, der Holzball dagegen zwischen beiden sein Ruheziel finden.
Hieraus folgt, dass die Stoffe, welche die Sonne am weitesten von sich warf, die leichtesten waren, die schwersten dagegen dem Merkur zufielen.
Der Merkur muss wesentlich aus Elementen aufgebaut sein, deren Atomgewicht gegen 100 beträgt, mithin aus Zinnober, Bleiglanz, Zinnerz, Kadmiumsulfuret, Schwerspat, Gold und Platin. Alles von Schwefeldampf umflutet, denn die Sonne sendet dem Merkur das Neunfache der irdischen Hitze zu, und Metalle wie Metalloide folgten beiderseits dem Schwergesetz.
Hiergegen zeigt die Venus ein ähnliches Spektrum wie die Sonne mit dem Vorwalten solcher Stoffe, deren Atomgewicht zwischen 50 und 70 liegt: Arsenik, Mangan, Cadmium, Titan, Chrom, Kupfer, Tellur, Uran und Zinn, vielleicht an Chlor und Brom gebunden, mögen ihre Schale aufgebaut haben. Denn dass sämtliche Planeten, die Erde nicht ausgenommen, nur hohle Schalen sein können, werden wir im weiteren Verlauf entwickeln.
Für die Erde sinkt demnächst das Atomgewicht der hauptsächlichsten Elemente auf circa 28 herab. Wir verfügen über Braunstein, Kieselsäure, Magneteisenstein, Kalkerde, Tonerde, Bittererde und Phosphate, ferner zum Ausgleich für schwerere Elemente über viel Kohlenstoff mit dem Atomgewicht 6, da wir Avogadro’s verdoppelte Atomgewichte, wie gegen den Schluss hin motiviert werden wird, zurückweisen müssen.
Vielleicht entfallen auf den Mars im Ganzen genommen die nämlichen Stoffe wie für die Erde, der Wahrscheinlichkeit nach jedoch unter Überwiegen von Magnesium mit dem Atomgewicht 12. Auf dem Mars muss viel Glimmer und kohlensaures Magnesium angetroffen werden.
Was jetzt noch von leichteren Elementen übrig bleibt, ist kaum etwas anderes als Sauerstoff mit dem Atomgewicht 8 und Kohlenstoff mit der Zahl 6. Kohlenstoff und Sauerstoff gibt Kohlensäure, dagegen liefert Sauerstoff mit dem Weltwasserstoff Wasser. Wir hätten also zu disponieren über „Kohlensaures Wasser“. Honny soit qui mal y pense. Da nun das Spektrum der Kometen Ähnlichkeit mit dem Kohlenspektrum zeigt, so ist es nicht schwer, ihnen die Diagnose zu stellen, aber wir wollen dies erst nachher tun und zuvor die Riesen unter den Planeten vor unser Forum ziehen.
Wen möchte es in dieser Hinsicht Wunder nehmen, dass das Produkt des vom Weltwasserstoff mit dem Sonnen-Sauerstoff erzeugten Knallgases, und zwar in nicht zu kleinen Mengen, bis an die äußersten Grenzen des Sonnensystems befördert werden musste, wo der rotierende Wasserdunst, im kalten Weltwasserstoff zu Schneekristallen verkühlend, nur den 27. Teil von der Sonnenwärme empfangend, deren die Erde sich erfreut, hohle Kugeln aus Firnschnee formierte.
In der Tat, Jupiter, 1200 mal so groß als die Erde, Saturn, Uranus und Neptun, samt ihren Monden, können alle zusammen nichts anderes sein als hohle Schneebälle mit Schalen von verschiedener Stärke, der Ring des Saturn aber ein auf der hohlen Schneekugel festgefrorener Eiskranz. — Hohle Schneebälle! Firnschnee! Gletschereis! Hohles Gletschereis! Warum hohl, werden wir nachher erörtern.
Noch immer hört der Weltwasserstoff nicht auf, nachdem die Hauptaktion ein Intervall erlitten, relativ kleinere Mengen Sauerstoff und andere Elemente von dem Sonnen-Gasball loszureißen und den unter Explosion geborenen Wasserdunst vor unseren Augen in langgestreckter Bahn, das Sonnenlicht reflektierend (wie der Wasserdunst der Lokomotive des Kesselfeuers Schein reflektiert, wenn sie einen Tunnel durcheilt), mit Kohlensäure vermischt als Kometen, die glühenden Eisenmassen aber in dem reduzierenden Weltwasserstoff als metallisches Meteor-Eisen davonzutragen.
Wer vermag zu sagen, ob nicht dieser Kometen-Wasserdampf, im kalten Weltenraum wie Jupiter, der glatteisleuchtende, zu Firnschnee verdichtet, nach wiederholter Kürzung seiner Bahn, die ja von allen Kometen erwiesen ist, bis dass sie eben als solche verschwinden, zu guterletzt zwischen Mars und Jupiter unter den Asteroiden seinen Platz findet, nachdem er verschiedene Mal in der Nähe der Sonne von Neuem zerschmolz und seine Gestalt wechselte??? —
Möge diese Frage auf sich beruhen, da sie keine wesentliche ist. Wohl aber ist es nun Zeit, die sehr wesentliche, schon im vorigen Kapitel aufgeworfene Frage nach Rotation und Gravitation zu beantworten, weil die Antwort uns über die Struktur aller Planeten und mit ihnen unserer mütterlichen Erde, die notwendige Aufklärung verschaffte.
III. Kapitel. Rotation und Gravitation.
Der Zustand der Dissoziation, d. h. der um einander ohne chemische Verbindung gasförmig schwingenden Elemente, in welchem Zustande sich die Fixsterne befinden, hat eine zwiefache Wirkung.
Die eine Wirkung besteht darin, dass die chemischen Elemente der Gestirne, wegen ihrer jeden Maßstab der Schätzung verspottenden Hitze, sich in so starker Verdünnung befinden, dass sie im Vergleich zu dem spezifischen Gewicht des sie umgebenden Weltwasserstoffs als gewichtslos darin schwimmend angesehen werden müssen, unbeschadet ihrem absoluten Gewicht. Aus solcher Gewichtslosigkeit oder vielmehr Gewichtsgleichheit mit dem sie umgebenden Weltwasserstoff erklärt sich ihr relativer Stillstand im Weltenraum.
Aber dieser Stillstand findet noch weitere Motivierung. Nämlich die von den Fixsternen ausgehende Hitze, für welche das diathermane Wasserstoffgas wegen seiner so sehr geringen Wärmekapazität nur in fast verschwindendem Grade empfänglich ist, so dass bedeutende Zeiträume dazu gehören, um hinter der Wand der vielleicht aus Kohlenwasserstoff gebildeten Sonnenflecken wieder einmal ein Stück Gasball chemisch aufzulösen und nebst Wasserdampf fortzutragen, — diese von den Fixstern-Gasbällen ausstrahlende Hitze hat immerhin die Wirkung, das umgebende Weltwasserstoffgas an den Undulationen ihrer dissoziierten Elemente zu beteiligen, so dass sich solche Wasserstoff-Undulationen beispielsweise bis zu einer Entfernung von 50.000 geographischen Meilen von der Sonne beobachten lassen.
Hieraus wird einleuchtend, warum die Fixsterne, nachdem sie, entsprechend der Intensität ihrer Hitze, einen bestimmten Platz im Weltenraum eingenommen haben, eben in Folge der Undulationen des Weltwasserstoffs gehindert sind, einander näher zu kommen, vielmehr ähnlich wie schwimmende Holzstückchen in der Uferbrandung im Wesentlichen stets die gleiche Entfernung voneinander sowie vom Ufer selbst innehalten, ein Zustand, welcher bei den Gestirnen erst dann sich ändern mag, wenn sie nach Aufhören der Dissoziation chemisch verglimmen.
Die zweite Wirkung der Dissoziation der Fixsterngase trifft nun eben solche verglommenen Fixsternfragmente, die Planeten.
Diese setzen den sie umgebenden Weltwasserstoff nicht mehr in Undulation, im Gegenteil, sie werden von seinen Undulationen, die er von der Sonne empfängt, passiv regiert. Dieses ist das Wesen der Gravitation.
Gravitation ist die Resultante aus der passiven, zentripetalen Annäherung der Planeten an die Sonne und der zentrifugalen Wirkung, welche die glühenden Gase der Sonne auf den Weltwasserstoff ausüben. Das Ergebnis ist jene Tangente, welche sich unter dem Einfluss regelmäßig fortdauernder Attraktion und Repulsion zur Kreislinie gestaltet.
Was aber die neben der Gravitation stattfindende Rotation betrifft, so begreift es sich aus physikalischen Gesetzen, dass eine Kugel, die schwimmend durch ein Widerstand leistendes elastisches Medium gleitet, eine Drehung erleiden muss.
Der schwankende Mond zeigt keine solche Rotation. Man sollte deshalb, wenn man nichts Weiteres von ihm wüsste, voraussetzen, dass er nicht Kugelform, sondern Scheibengestalt besitze. Aber zum Glück steht die Auskunft über seine Geburt mit Lapidarschrift auf ihm eingraviert. Allerdings sind es Hieroglyphen, die sich jedoch auf der Basis des Vorausgegangenen überaus leicht entziffern lassen werden, was denn im Verlauf des nächsten Kapitels geschehen soll.
IV. Kapitel. Erde und Mond.
Der Anfangs gasförmige Erdball, einen Teil der ursprünglichen Sonnensubstanz repräsentierend, begann, wie alle Planeten, in dem Augenblick rotierend um die Sonne zu gravitieren, als seine träge Masse, nach Aufhören der Wirkung des einmaligen Stoßes, den sie durch Knallgas-Explosion erlitten hatte und nach Aufhören des Dissoziations-Zustandes, der passiven Attraktion folgte, d. h. zur Sonne zurückstrebte, hieran aber durch den Wellenschlag des Weltwasserstoffs verhindert wurde. Aber in dem Grenz-Zustand zwischen Dissoziation und chemischer Vereinigung vermischten sich die kreisend um einander schwingenden Elemente mit dem Weltwasserstoff, der von gleicher Dichte mit ihnen war und den sie bei Beginn der Rotation mechanisch in ihren Strudel zogen.
Da nun jede Art von Bewegung als eine geleistete Arbeit Wärme verzehrt, so musste in Folge der Rotation verhältnismäßig rasch die Dissoziation der Elemente so weit herabsinken, dass Schlag auf Schlag ihre chemische Verbindung erfolgte. Die aus solchem Anlass erzeugten Wärmemengen kamen, gegenüber dem bedeutenden Wärmeverlust durch die fortdauernde Rotation und gegenüber den unerschöpflichen, immer neuen Regionen des kalten Weltwasserstoffs, durch dessen unendliches Medium der Erdball seinen Weg nahm, gar nicht in Betracht.
Bei einer solchen überwältigenden Abkühlung musste vielmehr ein Teil der neuen Substanzen, die aus den chemisch verbundenen Elementen hervorgingen, und zwar derjenige Teil, welcher, um gasförmig oder doch flüssig zu bleiben, ein ungewöhnliches Maß von Hitze beansprucht, das Urgestein: Quarz und Feldspat, zu erstarren beginnen; und wir wollen jetzt nachspüren, an welcher Stelle des Erdballs die erstarrenden Mineralien sich ihren Platz suchten, indem wir zu diesem Zweck, wie Carl Vogt beansprucht, experimentelle Geologie treiben, freilich, ohne uns in die schweren Unkosten zu stürzen, welche dieser sonst so schätzbare Schriftsteller zur Erreichung des speziellen Zieles für erforderlich hält.
Ich nehme zuerst ein zur Hälfte mit Wasser gefülltes Karaffon und versetze den Inhalt in Rotation, indem ich das Gefäß samt meiner Hand in der horizontalen Ebene kreisförmig bewege.
Da sehe ich nun, wie sich in der Mitte des Gefäßes eine tiefe Höhlung bildet, die fast bis zum Boden des Gefäßes hinabreicht. Diese Höhlung besteht aus atmosphärischer Luft und wird von kleinen und großen Luftblasen umstrudelt, während die Wassersäule, der Zentrifugalkraft folgend, an der Wandung des Gefäßes in die Höhe steigt.
Jetzt werfe ich noch eine Anzahl Schrotkugeln in die Karaffe und bewirke wiederum Rotation. Dieses Mal besteht der Erfolg darin, dass sich die Bleikügelchen ringförmig, wie Perlen an der Schnur, an der Wandung des Gefäßes hinlagern.
Aus diesem Experiment folgt zur Evidenz, dass Quarz und Feldspat als erste schwerwiegende Erstarrungsprodukte, dem Zentrifugalgesetz folgend, um den Erdball herum eine dünne Kruste erzeugten, von welcher das Übrige eingeschlossen ward.
Wir müssen uns nämlich wiederholen, um einen annähernden Begriff von der Zentrifugalgewalt zu erlangen, die solches bewirkte, dass die Tangentialgeschwindigkeit der Erde am Äquator diejenige eines Expresszuges 20 bis 25 mal übertrifft, denn sie beträgt pro Stunde 5400 : 24 = 225 geographische Meilen. Jetzt freilich spazieren wir auf der kristallisierten Rinde, ohne ihre Fortbewegung zu merken, ebenso gemächlich einher wie in dem Salonwagen des fortsausenden Jagdzugs.
Aber niemand kann nach dem Vorgetragenen daran zweifeln, dass die schwersten Substanzen des Erdballs nach außen zu liegen kamen, die leichtesten dagegen im Innern Platz fanden, und das Allerleichteste zu allerinnerst, nämlich: der Wasserstoff! —
Wie widerstrebt doch uns Allen eine solche Vorstellung, da wir gegenwärtig sehen, wie die schweren Körper in die Erde versinken, das leichte Wasserstoffs aber in unserer Atmosphäre nach oben steigt.
Erst von da ab, wo wir berücksichtigen, dass wahrend der Dauer ihrer Dissoziation alle Elemente ohne Unterschied im Weltwasserstoff gleich gewichtslos waren, dass erst nach Aufhören der Dissoziation durch chemische Vereinigung, durch Abkühlung und Erstarrung ganz allmählich Gewichtsunterschiede eintraten, welche durch die Zentrifugalwirkung eine äußerliche Kruste erzeugten, von welcher der Wasserstoff eingeschlossen ward, erst von da ab wird uns der tatsächliche Umstand plausibel und begreifbar.
Also, die leichtesten Stoffe blieben im Innern, die schwersten dagegen traten nach außen: Wer demnach Gold sucht, der muss den Gipfel des Kongogebirges ersteigen, dort wird er es mit Sicherheit finden, denn dieses Gebirge repräsentiert noch einen Überrest der zuallererst gebildeten Erdrinde; wer aber Geduld besitzt, der wartet ab, dass die Gebirgskämme durch Regengüsse und Sonnenbrand allmählich verwittern und dem Golde durch Auswaschung der Felsmassen in den Flussläufen eine sekundäre Lagerstätte bereiten.
Wir fahren hiernach fort, die Erde vollständig aufzubauen. In dieser Hinsicht ist zuzugeben, dass unbeschadet dem Umstand der Wasserstoff-Füllung jener Teil des Erdinnern, welcher eine kaum spürbare Rotation erleidet, nämlich die Achsen-Region, wirklich aus fester Substanz geformt sein kann, eben weil sie der Zentrifugalgewalt entzogen ist, und zwar möchte diese feste Erdachse aus Magneteisenstein bestehen, weil dieses Material im kalten Zustand seiner Reduktion durch das umgebende Wasserstoffgas widersteht, und weil dasselbe in dem elektrochemischen Streit der Elemente wegen seiner magnetischen Eigenschaft vor allen übrigen als Achsen-Material geeignet war, da doch einmal Magnetismus und Elektrizität einander bedingen.
Um eine solche Achse herum haben sich die übrigen Substanzen nach Maßgabe ihrer spezifischen Schwere gelagert, zwischen der Achse und der Kugelwandung Wasserstoff einschließend.
Die von der Erdoberfläche entfernteste Schicht, deren Abstand unter Zugrundelegung der Stoßstrahlen von Erdbeben auf gleiche Dimension wie die Atmosphären-Höhe, nämlich auf zwei geographische Meilen, veranschlagt werden kann, besteht aus einem sehr lockeren Schaum von Kieselsäure, jedes Bläschen von Wasserstoff angefüllt und deshalb auf dem Wasser schwimmfähig. Wir nennen diese Schicht Kieseltuff oder Bimsstein und die Vulkane bringen dieselbe häufig an’s Licht.
Über dem Kieselschaum haben sich biegsamer Glimmer, Kalkverbindungen, gemischte Silikate, strengflüssige Oxide, Sulfide und Sulfate gelagert, während Platin und Gold offen zu Tage traten, daher das Gold bei den Urvölkern gemein war.
Indessen, so ganz friedlich konnte eine solche Ablagerung begreiflicherweise nicht vor sich gehen. Die im ersten Anfang gebildete glühendheiße dünne Erdeneierschale erlitt jenes Schicksal, welches ihr durch den eingeschlossenen elektropositiven Wasserstoff vorgezeichnet war. Derselbe bannte, so lange die Dissoziation dauerte, seinen Antagonisten, den elektronegativen Sauerstoff, und mit ihm Chlor, Brom und Stickstoff, unwiderstehlich polar nach außen.
Erst dann, als die erstarrende Rindenschicht der Dissoziation ein Ende setzte, trat der elektronegative Sauerstoff in umfassender Weise in chemische Action.
Absolut passiv und elektronegativ, wurde der Sauerstoff im ersten Anfang der Erdformation, wie er es heute noch ist, allgemeinster Spielball und Beute der verschiedensten Elemente, die ihn bis auf das letzte Atom verzehrten. Erst später hat ihn die Pflanzenvegetation der Atmosphäre teilweise zurückgegeben. Er wurde chemisch gebunden, gleichwie Chlor und Schwefel, von den elektropositiven Metallen Kalium, Natrium, Kalzium, Barium, Magnesium, Aluminium, Eisen und Silizium und, auf solche Weise feste Form annehmend, in der Rindensubstanz des Erdballs aufgehäuft.
Wer aber wollte nicht vor Allem begreiflich finden dass, nachdem auch noch der Kohlenstoff sich vollständig mit Sauerstoff gesättigt hatte. Alles was noch von letzterem übrig blieb, und das war nicht wenig, als weitaus größter Teil von jenem chemischen Stoff überwältigt wurde, der eben in allgemein-überwältigender Menge vorhanden war, vom äußeren Weltwasserstoff! — Dreiviertel des Gewichts unserer Erdrinde besteht aus dem solcher Verbindung entstammenden Wasser. Welches Knattern und Krachen in nichtendenwollender Folge muss die Geburtsfeier des Weltmeers begleitet haben, und wie muss die starre Erdkruste in wogende Bewegung gesetzt worden sein, von den zuckenden Explosionen emporgehoben!
Als aber die verkühlenden Dunstmassen mit unaufhörlichem Regnen auf die noch glühendheiße Erdrinde niederstürzten, da musste deren dünne Schale unter dem gewaltigen Druck zerknicken und konnte ihren ursprünglichen Abstand vom Erdmittelpunkt nicht beibehalten. Nur einige Reste blieben in Gestalt von Gebirgskämmen an ihrem ursprünglichen Platz, mit ihnen die Kordilleren, das Kongogebirge, der Kaukasus.
Das Wasser drang nunmehr in die Klüfte, das Wasserstoffgas aus dem Innern so lange hinausdrängend, bis Trümmer und schiefriger Schaum die Poren und Risse der zerbrochenen Erdschale verstopften und eine neue Rinde sich zu bilden vermochte.
Wie oft im Ganzen genommen die dünne Erdeneierschale zerbrach und mit Kieselsäure und Tonerde wiederum verkittet ward; wie oft die erzeugten Wassermassen in die gebildeten Klüfte stürzten; wie oft sie von dem glühenden Gestein, Schieferpulver mit sich reißend, kochend zurückgeworfen wurden, wer vermag es zu sagen? —
Aber endlich trat eine Periode relativer Ruhe ein. Während dieser Zeit drangen die Wassermassen, welche den Erdball umfluteten, dort, wo die Rotation der Erde am schwächsten ist, nämlich an den Polen, vermöge der Adhäsionskraft durch Kies und Schlamm in das Innere der Erde und komprimierten den darin angehäuften Wasserstoff, der nicht entweichen konnte. Auf ein immer kleineres Volumen gebracht, unter dem isolierenden Einfluss des glasigen Kieseltuffs seine Hitze und Elektrizität ansammelnd, entriss er in solchem Zustand den oxidierten Gesteinen ihren negativen Sauerstoff, mit demselben Knallgas erzeugend. Aber das Wassereindringen dauerte fort, die Spannung und Erhitzung erreichte einen immer höheren Grad, bis endlich die hochgespannte Elektrizität sich als elektrischer Funken entlud, das angesammelte Knallgas entzündete und unter heftigem Erbeben die Leibeswandung der Erde durchbrach, um dem Knallgas einen Ausweg zu schaffen.
Das solchergestalt explodierende Gas riss mit unwiderstehlicher Macht ein gewaltiges Stück Leibeswandung der Erde mit sich fort und trug dasselbe in brennendem Zustand wie einen Luftballon aus der Atmosphäre hinaus. Dort, in dem kalten Weltwasserstoff, wo es an Sauerstoff gebricht, musste der Brand verlöschen. Dies geschah, nachdem die an der Oberfläche des schaumigen Kieseltuff befindlichen Blasen zersprengt und die Oberfläche selbst teilweise zu Glas verschmolzen war. Alsdann verkühlte diese Oberfläche, zog sich zusammen, und das spröde Bimsstein-Silikat zersprang oberflächlich in vielfache Risse und Rillen, die ohne Wahl mitten durch die zersprengten halbkugligen Blasen der Glasmasse gehen, welche Blasen beiläufig mit Kratern nicht die geringste Ähnlichkeit haben.
Dieses von unserer Erde abgerissene Stück Leibeswandung, welches entsprechend der verschiedenartigen Schichtung unserer Erdrinde auf einer Seite spezifisch schwerer ist als auf der andern und sich deshalb, hin- und herschwankend, den gewöhnlichen Rotationsgesetzen entzieht; dieses bei alledem wegen seiner aufgeblähten Kieseltuff-Natur leichte Stück Erde außerhalb der Erde, welches in Folge des Wellenschlages des Weltwasserstoffs, so lange als überhaupt die Sonne nicht aufhört zu leuchten, zu dem mütterlichen Erdengestade nicht mehr zurückkehren kann, aber die Erde beständig umkreist, nennen wir unseren Mond.
Die Narbe des Kaiserschnitts, mittels dessen seine Geburt aus den Eingeweiden der Erde geschah, ist deutlich erkennbar. Das Depressionsgebiet am Kaspischen Meer, in der Nachbarschaft von der Stelle, wo der Mond von der Erde Abschied nahm, in der Nachbarschaft des zu Trachyt verwitterten Elbrus mit seinem Kratersee auf dem Gipfel, deutet als vertiefte Narbe den erlittenen Substanzverlust der Erde an. Dort eilen die Wasser der Wolga durch den 25 Meter unter dem Meeresspiegel liegenden Caspisee ohne Aufhören in die Poren der Erde und drängen den Wasserstoff in ihrem Innern zusammen. Teils strömt derselbe, zu Wasser oxidiert, aus Nebenspalten an Ort und Stelle unter leisem Beben als Schlammvulkan, teils mit Kohlenstoff verbunden und entzündet als Grubengas zu Tage, die heiligen Feuer von Baku bildend, die nach dem Glauben der Parsen schon seit Entstehung der Erde brennen; teils tritt der Wasserstoff, zusammengepresst und erhitzt, den Oxiden ihren Sauerstoff nehmend und damit Wasser bildend, an zahlreichen anderen Stellen der Erde in Gestalt heißer Quellen hervor, die besonders in der Polnähe, wo die Erdrinde wegen der geringeren Zentrifugalkraft am schwächsten ist, nämlich auf Island und den Baleny-Inseln, von größerer Zahl und Bedeutung sind.
Ob das eingesunkene Kieselplateau auf Island mit seinen senkrecht aufsteigenden Wänden zu jener Zeit entstand, als der Mond von uns entwich, soviel lockeren Bimsstein aus dem Inneren mit sich reißend als er vermochte, bleibe dahingestellt. Jedenfalls konnte eine solche Senkung auf Island nur unter Voraussetzung eines nachgiebigen Untergrundes stattfinden, sowie unter Voraussetzung einer relativ gebrechlichen Erdkruste.
Aber wir sind mit dem Aufbau der Erde noch nicht fertig, denn die Kohlenflötze und die Kreideformation verlangen dringend eine Erklärung, woher das unorganische Material genommen ward.
In dieser Hinsicht wurde bereits gesagt, dass sämtlicher vorhandene Kohlenstoff zu Kohlensäure verbrannte. Soweit nun dieselbe nicht an metallische Basen chemisch gebunden wurde, erfüllte sie mit ihrer schweren Schicht an Stelle des Sauerstoffs, der erst später durch die Pflanzenvegetation zurückgegeben wurde, die Atmosphäre, aber kaum im freien Zustand, denn auch der Stickstoffgehalt unserer Atmosphäre, trotz seiner geringen Neigung, sich mit Wasserstoff direkt zu verbinden, konnte zu jener Zeit, wo alles sich oxidierte, wo alle Elemente in höchster chemischer Spannung aufeinander einwirkten, nicht der chemischen Verbindung mit dem Weltwasserstoff zu Ammoniak entzogen bleiben, zumal ja gleichzeitig daneben Kohlenstoff verbrannte. Kein Zweifel, dass, wenn Ammoniak erzeugt ward, dieses sich mit der vorhandenen Kohlensäure zu kohlensaurem Ammoniak vereinigte, welches jetzt mit dem heißen Wasserdunst die Erdrinde umflutete, demnächst als Niederschlag mit dem Regen die Gesteine anätzte und fruchtbar machte, im Meereswasser aber später den Knorpelfischen, namentlich den Plagiostomen, welche in allen ihren Organen Harnstoff, dieses Umsetzungsprodukt aus kohlensaurem Ammoniak, enthalten, die Eiweiß-Grundlage vorbereitete.
Insofern nun als der passive, elektronegative Sauerstoff unter keinen Umständen zu Anfang unverzehrt bleiben konnte, weil schon der Weltwasserstoff allein dafür gesorgt hätte, so müssen wir seine gegenwärtige Anwesenheit in der Atmosphäre als in direktem Verhältnis zu der vorhandenen Steinkohle stehend voraussetzen, welche durch reiche, im Anfang über alle Vorstellung hinaus üppige Pflanzen-Vegetationen erzeugt worden ist, von denen eine nach der andern in der gebrechlichen Erdrinde versank.
Andrerseits wirkte das kohlensaure Ammoniak der Atmosphäre, wie schon gesagt, auflösend auf die Kalkfelsen und konnte auf diese Art die Kreideformation erzeugen, die in ihrer Art zu der Steinkohlenformation lediglich die ergänzende Hälfte repräsentiert.
Wir hatten nun zwar gesagt, dass die Beobachtung an Erdbeben und die Berechnung des Zentrums ihrer Stoßstrahlen, welche an der festen Rindensubstanz der Erde ihren Ansatz nehmen, zu dem Ergebnis führe, dass der Durchmesser der festen Erdrinde die enorme Ziffer von circa zwei geographischen Meilen erreiche, aber dieses darf nur im Allgemeinen Geltung beanspruchen, denn dort, wo die schwerwiegende Meeresflut die Erdrinde gleich zu Anfang eingeknickt hat, da ist der Durchmesser der Erdschale ein unvergleichlich schwacher geblieben, so schwach, dass es dem eingepressten Erdwasserstoff sehr häufig gelingt, die dünne Erdrinde, welche nach archimedischem Gesetz unter Wasser ein erhebliches Teil ihres Gewichts verliert, blasenförmig emporzuheben und Inseln zu erzeugen, wie wir ein solches Beispiel wieder neuerdings in der Nähe der Azoren erlebten.
Eben dieser Umstand, dass die Erde unter Wasser an Gewicht verliert, gibt die Erläuterung dazu, warum Vulkane entweder im Meere selbst entstehen und dort Inseln erzeugen, oder doch mindestens in der Nähe von Küsten emporsteigen, eben weil diese sich leichter heben lassen als schwerwiegende Gebirgsmassen oder die kompakte Masse eines, wenn auch flachen, Kontinents. Die Geologen kleiden diese Tatsache in den Ausspruch: „die Mitwirkung von Wasser zur Erzeugung von Vulkanen scheine eine sehr wesentliche zu sein, da Wasser stets nicht weit von Vulkanen in reichlicher Menge angetroffen werde“. Ebenso macht ihnen die Gegenwart von Wasser in den vulkanischen Basaltmassen so große Schwierigkeit, dass noch immer ein erbitterter Streit darüber fortdauert, ob der Basalt durch Feuer oder durch Wasser entstanden sei, oder, wie sie sagen, ob derselbe plutonischen oder neptunischen Ursprungs sei. In Wirklichkeit ist ja eben der Basalt beides zugleich, denn das im Innern der Erde zusammengepresste Wasserstoffgas entreißt den Gesteinen Borsäure, Kohlensäure, Chlor, Schwefel und Sauerstoff. Mit ersteren Substanzen im Bunde bewendet es häufig bei heißen Quellen; aber sobald der Wasserstoff sich mit Sauerstoff zu Knallgas vereint und im Innern explodiert, geht es ohne bebende Erschütterung der Erdrinde nicht ab.
Ein solches Beben kann sich nach geschehener Verbindung des Knallgases zu Wasser wieder beruhigen, aber es ist damit die Gefahr nicht beseitigt, denn wenn zu den verpufften Knallgasmengen neue Knallgasmengen hinzutreten und innerlich zu brennen beginnen, so verschmilzt das brennende Knallgas den lockeren Kieseltuff zu Lava, die Kieselerde zu Chalzedon und den Feldspat mit Magneteisenstein zu Basalt. Hierzu treten nun die aus dem brennenden Knallgas resultierenden Wasserdämpfe hinzu und streben begreiflicherweise gemeinschaftlich mit den Basaltmassen zu Tage, zwischen deren Klüften sie alsbald nach dem Erkalten vorgefunden werden. Da nun brennendes Knallgas nicht bloß Feuer, sondern auch Wasser repräsentiert, so ist der Basalt selbstverständlich zugleich feurigen und wässrigen Ursprungs.
Wir können dieses Thema nicht verlassen, ohne auf die gewonnene Erkenntnis eine Schlussfolgerung zu gründen. Diese besteht darin, dass wir nicht sicher sind, ob nicht ein Tag kommen wird, wo das fort und fort in das Innere der Erde dringende, den Erdwasserstoff zusammendrückende Wasser an der schwächsten Stelle unserer Erdrinde, nämlich im Stillen Ozean, wo einst auch Polynesien aus den Fluten stieg, ein Stück Meeresboden mit Nagelfluh und Jurakalk emporhebt, einen neuen Kontinent bildet, das Gewicht der Meereswogen anders verteilt und hierdurch abermals, wie schon früher geschehen sein muss, den Schwerpunkt der hohlen Erdkugel verschiebt, so dass sämtliche Klimate sich verändern. Nichts berechtigt uns, dass wir darum, weil ein solches Ereignis sehr weit zurückliegt, an seiner Wiederholung zweifeln und uns sicher wähnen. Im Gegenteil, je länger eine Katastrophe ausgeblieben ist, um so wahrscheinlicher wird hierdurch die zunehmende Ansammlung eines Spannungsvorrates, und die Neugeburt eines Erdteils könnte uns ebenso überraschen, wie die Bewohner von Pompeji durch den Ausbruch des von ihnen für erloschen gehaltenen Vesuv überrascht wurden.
Wie irrig im Allgemeinen die herrschenden Anschauungen über das Innere unserer Erde sind, kann nicht eindringlich genug hervorgehoben werden. Selbst ein so verdienstlicher und begabter Forscher wie Carl Vogt ist in dieser Hinsicht von Voraussetzungen befangen, die ihm seinen Aufsatz über experimentelle Geologie in die Feder diktierten.
Für diejenigen aber, welche ängstlichen Gemütes sind und an baldigen Weltuntergang denken, weil die Erde hohl ist, dürfen wir hier die Auseinandersetzung nicht vorenthalten, dass es gerade die Hohlheit der Erde ist, welche ihr eine noch sehr lange Existenz gewährleistet.
Nämlich zunächst ist eine durchschnittliche Stärke der Erdrinde von zwei geographischen Meilen, unter Berücksichtigung der Theorie des Eies, eine sehr respektable, für alle unsere Zwecke ausreichend solide Wölbung. Dann aber durfte diese Wölbung in der Tat nicht stärker ausfallen, wenn der Erdball überhaupt noch unter Berücksichtigung der Rotation, welche das auf der Waage messbare Gewicht der Körper teilweise herabsetzt, dem Archimedischen Gesetz entsprechend im Weltwasserstoff schwimmend erhalten werden sollte. Wie wichtig dieser Umstand ist, werden wir sogleich sehen.
Wir wollen zu diesem Behuf einmal probeweise das Gegenteil unserer Erkenntnis voraussetzen, indem wir uns die Erde massiv denken. Dann rufen wir uns einen Mathematiker und bitten ihn, das Gewicht unserer Erde zu berechnen für den Fall, dass dieselbe, wie Einige wollen, mit geschmolzenem Eisen, oder nach Anderen mit glühender Lava angefüllt wäre. Es würde zu dem Ende nötig werden, zuvor eine neue, nicht gar zu kleine Gewichtseinheit festzustellen, damit die herauskommende Zahl von unseren Begriffen erfasst werden könne. Wenn wir dann von unsrem Rechner das Resultat erfahren, und irgend jemand bliebe noch der Meinung, dass ein Körper von solchem Gewicht im Stande sei, der Attraktion zu widerstehen, welche sein Mutterkörper, die Sonne, auf ihn ausübt; wenn er glaubt, dass ein solches massives Erdenkügelchen nicht schnurstracks und unaufhaltsam in die Sonne stürzen müsse, so behüte uns Gott vor seiner Intelligenz. Der Inhalt der Erde beträgt nämlich über drittehalbtausend Millionen geographische Kubikmeilen, und man muss sich klar machen, dass eine einzige solche Kubikmeile von allen Gebirgen der Erde noch nicht ausgefüllt wird. Nun aber gar der unsere Erde 1.200 mal an Größe übertreffende Jupiter! —
V. Kapitel. Vegetation.
Wir kommen jetzt zur Beleuchtung der Frage, wie es möglich war, dass aus totem unorganischen Material organisches Leben entstehen konnte.
In dieser Beziehung denke ich nicht, dass jemand erwartet, ich wolle hier erörtern, auf welche Weise die Seele in das Tier und das Bewusstsein in den Menschenleib gelangt. Das weiss allein unser aller Schöpfer, Gott der Herr. Und wohl uns, dass dem so ist. Wir bleiben nun kindlich und demütig und vor dem Schicksal der Titanen bewahrt, welche den Himmel erstürmen wollten.
Was uns hier allein beschäftigen kann, ist die Architektur und ökonomische Einrichtung des vegetativen Lebens. Wir wollen den materiellen Leib der Pflanze und des Tieres und die Funktionen dieses Leibes besprechen; wir wollen diesen Leib aus allen zusammenwirkenden Faktoren in gleicher Weise vor uns aufbauen, wie wir das Innere der Erde unserem Blick aufgeschlossen haben, ohne dass wir nötig hatten, mit unserem Körper in ihre Höhlung hinabzusteigen, und wie wir den Mond studiert haben, ohne eine experimentelle Umschmelzung der Erde zu benötigen.
Denn in der Tat, Experimente können uns aus dem Grunde nicht zum Ziele führen, weil sie im günstigsten Falle immer bloß die eine Hälfte beweisen, etwa wie alle magnetischen Versuche, alle elektrischen Experimente uns nicht das innerste Wesen dieser Kräfte erklären können, wenn wir sie ohne ihre Wechselwirkung aufeinander studieren. Und wiederum Magnetismus und Elektrizität sind nur Einzelerscheinungen, die uns unverständlich bleiben müssen, solange wir dieselben ohne ihre ergänzenden Faktoren Licht und Wärme betrachten. Häuft man jedoch alle diese physikalischen Erscheinungen, die an der geformten Materie sichtbar werden, harmonisch vereinigt und einander durchdringend auf einen Punkt zusammen, so resultiert aus ihnen ein neuer Akkord, den wir chemische Spannung nennen müssen. Diese ist durchaus nichts Selbstständiges, Fürsichbestehendes, sondern eben nur die Resultante aus verschiedenen Mengen der genannten einzelnen Kräfte.
Beispielsweise dürfen wir nicht sagen, dass Wasserstoff elektropositiver sei als metallisches Eisen, und Magnesium wieder elektropositiver als Wasserstoff, wie bisher in den Büchern gelehrt wird, sondern das wechselnde Maß der Elektropositivität dieser Stoffe ist in jedem einzelnen Fall ein Produkt aus ihrer Menge und ihrem Hitzegrad, ähnlich wie die Größe der Bewegung ein Produkt  aus dem absoluten Gewicht der Masse und deren Geschwindigkeit ist.
Eine klare Erkenntnis dieses wichtigen Prinzips ist durchaus Bedingung für alles weitere Verständnis, daher wir noch eine nähere Beleuchtung des Gegenstandes stattfinden lassen.
Nämlich wir sehen einerseits, dass dem Wasserstoff trotz seiner Elektropositivität der von ihm festgehaltene elektronegative Sauerstoff, mit welchem er sich chemisch zu Wasser verband, durch metallisches Eisen entrissen werden kann, wenn dasselbe entweder in überwältigender Menge oder in glühendem Zustand zur Wirksamkeit gelangt. Ein einzelner Tropfen Wasser, auf blankes Eisen geträufelt, bewirkt zuverlässig einen Rostfleck, d. h. unser Eisen nimmt den Sauerstoff an sich und lässt den Wasserstoff frei, aber wesentlich schneller vollzieht sich dieser Vorgang, wenn ich das Eisen heiß mache, denn wenig Wasserdampf, durch ein glühendes Eisenrohr geleitet, gibt allen Sauerstoff an letzteres ab und Wasserstoffgas entweicht. Hiergegen viel Wasserstoffgas, hintereinander im heißen Zustand über wenig Eisenoxid geleitet, entzieht demselben Sauerstoff, indem es damit Wasser erzeugt, als solches dampfförmig fortgeht und metallisches Eisen zurücklässt.
Wir ersehen aus diesen beiden entgegengesetzten Vorgängen mit Gewissheit, dass die chemischen Endresultate wesentlich abhängig sind von den in Aktion tretenden absoluten Mengen und deren Hitzegrad, so dass verschiedene Wärmegrade mit innerer Notwendigkeit eine Abänderung der chemischen Spannungsverhältnisse bedingen, mit dem Erfolge, dass genau dieselben Materialien, wenn sie verschiedenen Temperatureinflüssen unterworfen werden, gänzlich abweichende Produkte liefern müssen.
Nun ist es aber nicht allein die Wärme, welche solche Modifikationen veranlasst, sondern auch das Licht und die Elektrizität haben in ganz gleicher Weise die Kraft, durch ein Mehr oder Minder die positive Spannung eines chemischen Elementes zu erhöhen, demselben hierdurch ein Übergewicht zu verschaffen über die mit ihm verbundenen und, bei herabgesetzter Temperatur, mit ihm in regungslosem Gleichgewicht stehenden anderen Elemente und solchergestalt eine neue chemische Aktion einzuleiten.
Dass im Weiteren auch noch die physikalische Attraktion, insofern sie innig einander genäherte Flächen betrifft, dazu beitragen muss, eine Modifikation der theoretischen chemischen Spannung der Elemente zu bewirken und im Verein mit solcher Spannung eine Komplikation aus mechanischer und chemischer Wirkung herzustellen, bedarf keiner näheren Ausführung.
Und nun können wir, mit dieser Fundamental-Erkenntnis ausgerüstet, uns anschicken, organische Leiber aufzubauen, aber nicht mit unseren groben Händen oder unter unseren groben körperlichen Augen, denn die sich abspinnenden Prozesse liegen jenseits der Grenzen feinster mikroskopischer Beobachtung vor unserer sinnlichen Kontrolle so geschützt, dass nur unser geistiges Auge, sagen wir der ahnende Gedanke, dieses uns geliehene Stück Gottesfunken, oder für diejenigen, welche von Metaphysischem kein Freund sind, die Mathematik fein und körperlos genug ist, um den Zuschauer zu machen und zu erkennen, dass „Organisches Leben“, kritisch betrachtet, lediglich hinausläuft auf angewandte Chemie und Physik.
Kein Atom Sauerstoff, so sagten wir im vierten Kapitel, blieb im Anfang der Erdformation unverzehrt, denn was Kieselstoff und Kohle nicht verbrannten, das verbrannte zu Wasserdunst am Weltenwasserstoff, während Stickstoff mit dem letzteren Ammoniak erzeugte als Reduktions-Ergebnis der explodierten Nitroverbindungen.
So enthielt denn unsere Atmosphäre damals gewiss kohlensaures Ammoniak neben Wasserdunst, und wir haben bereits die chemische Tatsache berührt, wie aus den Elementen des kohlensauren Ammoniaks (NHHH, COO) unter innerer Anhydridbildung (HHO) Cyansäure entsteht (NHCO), welche ihrerseits in Verbindung mit Ammoniak Karbamid liefert. Letzteres wiederum ist isomer mit Harnstoff, und diese Substanz, Harnstoff, zerfällt sehr leicht zurück in Ammoniak und Kohlensäure.
Denken wir uns nun diejenige Anzahl Kubikmeilen feuchter Atmosphäre, welche aus einer Höhe von zwei geographischen Meilen resultiert, durch den kalten Weltwasserstoff streifend und unaufhörlich regnend, so musste das aus der Atmosphäre herabsinkende kohlensaure Ammoniak in alle Felsspalten und auch in das Meereswasser gelangen, womit vielleicht der Umstand in Beziehung steht, dass die zahlreichen Knorpelfische in ihren sämtlichen Organen Harnstoff enthalten. Jedoch dieses nur beiläufig. Die größere Wichtigkeit in unserem Sinne hatte das kohlensaure Ammoniak für die Pflanzenvegetation, weil die Felsmassen, saure Silikatgesteine, durch das alkalische Ammoniak angeätzt und aufgelöst werden konnten und die nötigen Aschenbestandteile zu liefern vermochten, um Pflanzenleiber aufzubauen, denn nur unter Inanspruchnahme von erdigen Massen ist die Möglichkeit vorhanden, das Geheimnis zu erklären wie Kohlensäure und Wasser in vegetabilische Zellenmembran verwandelt werden konnten.
Selbst die dunkle Hypothese von einer inneren Kohlenstoff-Kondensation durch wiederholte Sauerstoffabscheidung unter der Einwirkung von Licht und Elektrizität, würde, falls sie wahr wäre, vor Allem eines körperlichen Stützpunkts bedürfen, indessen sie ist leider nicht wahr, weil sie sich auf den falschen Lehrsatz gründet, dass die Verbindungen des Kohlenstoffs die Grundlage allen organischen Lebens bilden.
Aus welchem einfachen Grunde ist dieser ebenerwähnte Lehrsatz falsch? — Weil die lebendigen Zellen der Osclarien und Dimidiaceen ohne Kohlenstoff fertig werden, statt dessen vielmehr Silizium enthalten, welchen Stoff auch sämtliche Gräser und viele höherstehende Pflanzen nicht entbehren können. Wäre auch nun bloß als einziges Beispiel Oscillaria vorhanden, so reicht es doch vollkommen aus, um zu erweisen, dass jenes allgemeinverbreitete Dogma nicht stichhaltig ist. In der Tat, um es kurz zu sagen, nicht der Kohlenstoff, sondern das Wasserstoffgas, dieser unser Himmelsäther, von welchem schon die Orphischen Hymnen singen, dass alles Leben von ihm seinen Anfang und Gedeihen erhalte, muss wirklich als die Grundlage auch allen organischen Lebens angesehen werden. Damit die ganz alte ursprüngliche, griechische Anschauung wieder zu Ehren kommen. Eben die Oscillarien liefern noch heute den klaren Beweis der urzeugenden Kraft des Wasserstoffgases und wir müssen aus diesem Grunde bei ihnen länger verweilen.
Die Oscilllarien spielen für die Pflanzenwelt eine ähnliche Rolle wie die Amöben für die Tierwelt, wie der kopf-, gehirn- und herzlose Amphioxus unter den Fischen.
Einzellige Pflanzen, in Form vollkommen einfacher Fäden, haben sie kein Oben und Unten, sondern sind an beiden Enden vollkommen symmetrisch. Ist solch ein Faden an einem Ende festgehalten, so dreht sich das andere beständig um seine Achse, beschreibt also einen Kreis. Wenn aber der Faden im Wasser frei liegt, so ist mit der drehenden Bewegung zugleich eine fortschreitende verbunden; aber bald kehren sie an ihre ursprüngliche Stelle zurück, ruhen, schreiten wieder fort, und nach kurzer Ruhe geht es abermals zurück. So wechselt ihre umkehrende Bewegung. Es sind bipolare Fäden, die sich in der Quere furchen und zerteilen können und dann Diatomeen genannt werden. Die Substanz ihrer Zellwände ist Kieselsäure. Keine andere Substanz wäre zum Aufbau ihres einzelligen Hauses verwendbar, denn sie leben und gedeihen in heißen kieselsäurehaltigen Quellen, wo eiweißhaltige Pflanzen nicht bestehen können, weil das Albumin gerinnen müsste.
Nun haben wir bereits erfahren, wie die heißen Quellen durch Oxidation des zusammengepressten Erdwasserstoffs erzeugt werden und wir dürfen als gewiss annehmen, dass diese Quellen, da sie noch warm sind, auch von der elektrischen Erregung, welche sie gebar, noch einen Überschuss an sich tragen. Ja, noch mehr als das. Sie müssen selbst von Spuren des körperlichen Wasserstoffs begleitet sein, der sie an ’s Licht gehoben hat.
Freilich zwar haben uns bisher unsere Chemiker von solchen Spuren keine Mitteilung gemacht, denn wer sollte wohl bei den unerschöpflichen Mengen von Kohlensäure, die so deutlich die Flamme auslöschen, auf den Gedanken kommen, dass auch noch kleine Mengen Wasserstoff dazwischen sein könnten. Ja, selbst wenn man das aufsteigende Gas systematisch durch Kalkmilch leiten würde, um alle Kohlensäure zu absorbieren, so würde, wenn da schließlich ein Spürchen Wasserstoffgas zu bemerken wäre, dieser Umstand für völlig bedeutungslos gehalten werden, denn man würde nur sagen: „Aha! Da waren noch organische Substanzen in unserer Kalkmilch, welche Sauerstoff an sich gerissen und Wasserstoffgas aus dem Wasser frei gemacht haben. Hat nichts weiter auf sich“. —
Aber im Gegenteil, es hat sehr viel auf sich. Wie schwach die Spuren auch sein mögen, jede Minute sammelt sie an, und dadurch erlangen sie allmählich Bedeutung. Elektrisch erregter Wasserstoff, er muss Wunder wirken und die ganze Kieselsäurelösung in die elektrische Erregung mit hineinziehen. Und da ist nun wirklich nichts Problematisches an der Sache. Unser Wasserstoff ist nachweislich in gewissen heißen Quellen chemisch wirksam vorhanden, namentlich bei Karlsbad und Teplitz, außerdem aber in jedweder anderen heißen Quelle, sobald in derselben Fluor nachweisbar ist. Denn diese Substanz kann nicht anders als durch Wasserstoffgas aufgelöst, in wässriger Lösung bestehen. Sie ist als Kieselfluorwasserstoffgas zugegen, und damit ist nicht allein die Gegenwart von chemisch aktivem Wasserstoff in solchen Quellen sichergestellt, sondern auch durch das unzertrennliche Nebenprodukt der gallertartigen Kieselsäure als körperlichen Materials der Grund gelegt zum Aufbau des Oscillarienleibes, der sich durch einfache Addition erzeugt. Denn Kieselsäure und Wasserstoff zusammen liefern einerseits Kieselhydrat, d. i. die Zellenmembran von Pleurosigma, und andrerseits Wasserstoffsuperoxid, welches letztere allerdings unter dem Einfluss des heißen Wassers und organischer Substanz überaus rasch zu Wasser und Sauerstoff zerfällt. Keines von letzteren beiden erhebt Anspruch auf besondere Beachtung, denn Wasser ist ja genug in der heißen Quelle zugegen, und Sauerstoff genug in der umgebenden Luft.
Wahrlich, wenn man diesen Zusammenhang nicht ahnt, die Reagentien bringen es nicht zu Tage, und wir müssen an dieser Stelle das charakteristische Faktum erwähnen, dass selbst das Fluor in den Karlsbader Thermen wegen seiner geringfügigen Menge sich überaus lange den Untersuchungen der Chemiker entzogen hat. Erst als man relativ gewaltige Mengen des Thermalwassers eingedampft; hat, wie sonst niemals geschieht, um Analysen vorzunehmen, erst dann wurde das Fluor entdeckt.
Nunmehr liefert uns tatsächlich die einfache Gestalt von Pleurosigma das erste Beispiel von heute noch stattfindender Urzeugung einer Zellenmembran, die durch Aneinanderlegung von anorganischer Substanz in ultra-mikroskopischen Schüppchen und deren polare Streckung in feuchtwarm-elektrischer Umgebung vor sich geht.
Wir beobachten nämlich, wie solche einzelligen Algen nach dem Beispiel magnetischer oder elektrischer Körper, aus dem reichlich in Lösung vorhandenen Material soviel an sich ziehen, als hinreicht, um sich eine gegensätzliche zweite Figur zu vergesellschaften. Ist diese Figur mit der ersten zu gleicher Größe gediehen, so scheint die Alge aus zwei symmetrischen Hälften zu bestehen, und man beobachtet demnächst, wie diese beiden Hälften, nunmehr gleichartig geworden, wie zwei gleichartige Pole einander abstoßen und sich trennen, wie dann jede der selbstständig gewordenen Hälften den nämlichen Vorgang bis in’s Unendliche wiederholt, sodass aus den kleinen Diatomeenmembranen, von denen nach Ehrenberg 50 Millionen auf einen Kubikmillimeter gehen, das große Polierschieferlager von Bilin in Böhmen erzeugt worden ist, welches nicht allzu weit von Karlsbad entfernt ist. Die beträchtlichen Lager von Diatomeenzellen, welche am Südrande der Lüneburger Heide vorhanden sind, bedürfen, als Jedem bekannt, kaum spezieller Erwähnung. Weitere Fundorte sind Franzensbad in Böhmen, Jastraba in Ungarn, Toskana, Schweden, Finnland und Virginia. Alle diese Lager repräsentieren unsterbliche, unvergängliche Urzeugungen, insofern als jede aus dem ungeformten Material durch elektro-chemischen Einfluss herbeigezogene zweite Individualität nicht aus dem Leibesmaterial derjenigen Zelle gebildet wird, die bereits vorhanden war, denn die einmal gebildeten Zellen bleiben, wie wir sehen, unzerstört und unverzehrt.
Freilich wird hiermit keineswegs die Schwierigkeit der Frage überwunden, wie denn das allererste Pleurosigmablatt. um ein Beispiel zu wählen, entstanden sein möge. Aber diese Schwierigkeit ist nicht größer und nicht anders als auch die Vorstellung von der Art und Weise der Entstehung eines ersten Kristalls, an welchem andere Kristalle um vieles leichter anschießen, nachdem fertige Pole gebildet sind.
Wie nun die Form eines Kristalls die Resultante darstellt aus der Zahl der konstituierenden Elemente, aus deren elektropositivem oder elektronegativem Charakter und der Art und Weise der polaren Aneinanderfügung ihrer binären Verbindungen, so können wir uns auch recht wohl die Gruppierung der vier Elemente SiHOH zu den mikroskopischen Rautenfeldern des Pleurosigmablattes unter abwechselnder Gegenüberstellung der gleichartigen Pole nach nebenstehendem Schema veranschaulichen.
H SiH Si
O HO H
H OH O
Si HSi H
Andrerseits kann man sich auch den Atomen-Komplex SiHHO, statt der Gruppierung in Form einer gebrochenen Raute, vielmehr in Form eines gestreckten Stabes vorstellen, der einen positiven und einen negativen Pol besitzt, in der Mitte aber durch die beiden Wasserstoff-Atome, welche eben wegen gleichartiger Elektropositivität die Streckung bewirken, im Gleichgewicht steht. Solcher Stäbe mindestens in der Sechszahl mit ihren entgegengesetzten Polen ringförmig aneinander gereiht, würden uns die physikalisch-mechanische Entstehung der zylindrischen Diatomeen schematisch versinnbildlichen können.
Si O Si O Si O
H H H H H H
H H H H H H
O Si O Si O Si
Ob nun eine Zelle einzeln bleibt oder ob sie die neugeformte Zelle in Folge von Polbildung festhält, so dass sich ein Faden ausspinnt und Faden neben Faden einen Zylinder formiert, um scheinbar komplizierte Gestalten zu bilden — es bleibt schließlich doch nur Wiederholung der ersten Addition, zu welcher der elektropositive Wasserstoff überwiegender Komponent ist, so dass ihm die Rolle der aufbauenden Tätigkeit nicht abgesprochen werden kann. Wir werden finden, dass er zu einer solchen Rolle nicht bloß in den Pflanzen, sondern in allen organischen Gebilden berufen ist, so dass in diesem Sinne die alte Lehre des Parmenides sowie des Xenophanes, alle Vielheit und alle Veränderlichkeit des Seins müsse auf einen und denselben Ausgangspunkt zurückgeführt werden, keineswegs der tatsächlichen Begründung entbehrt.
Bevor wir jedoch dieses vollständig erläutern, wollen wir noch einmal zu den heißen Quellen von Karlsbad zurückkehren und eine Frage von praktischer Wichtigkeit anregen, indem wir unser Wasserstoff-Grubenlicht seine Strahlen darüber werfen lassen. Nämlich indem wir Kieselsäure, Wasser und Wasserstoff zusammen addieren, so erhalten wir, wie schon gesagt, folgendes Resultat :
SiOO
OHH
H
H
Summe = SiOHH, H2 O2
Das ist Siliziumhydrat und Wasserstoffsuperoxid, wie bereits erläutert wurde. Wenn nun solches Wasserstoffsuperoxid, da es doch sehr leicht in Wasser und Sauerstoff zerfallt, die Atmosphäre, in welcher es sich verbreitet, erheblich mit Sauerstoff bereichert, auf den man, weil ihn jede atmosphärische Luft enthält, bisher nicht geachtet hat, so fragt es sich, ob nicht etwa die Heilkraft von Karlsbad und Teplitz wesentlich auf der dort vorhandenen sauerstoffreicheren Luft beruht, da doch, um vorläufig noch in der bisher allgemein üblichen Sprache zu reden, Wärme und Sauerstoff das Protoplasma beleben, während Abwesenheit von Sauerstoff und Wärme die Erregbarkeit des Protoplasma herabsetzt. Für Karlsbad und Teplitz tritt vielleicht außerdem noch das an diesen Orten zu Bergen angehäufte und ähnlich wie Glas isolierend wirkende Kalksinter-Silikatgestein hinzu, um die idioelektrische Beschaffenheit unserer Nervenfasern in ungeschwächter Kraft zu erhalten. Es verdient doch in der Tat nicht ignoriert zu werden, dass das in Krügen versandte Karlsbader Wasser so absolut gar keine heilende Wirkung mehr besitzt und das in Gläsern versandte Karlsbader Salz nichts anderes als Glaubersalz mit allenfalls künstlichem Zusatz von Kochsalz und kohlensaurem Natron darstellt. Sollten daher nicht ausschließlich die sauerstoffreiche Atmosphäre und das elektrische Gestein die eigentlichen Faktoren sein, unter deren Einfluss wir in Karlsbad gesunden??
Fortsetzung folgt…

2 Gedanken zu „Hensels Erstlingswerk: „über causalmechanische Entstehung von Organismen“ Teil 1

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