Streik-Nachlese Frankreich: so war es wirklich

Heute ist wieder Großkampftag in Frankreich, zu dem die größten Gewerkschaften aufgerufen hatten. Die Medien berichten bis zu Stunde darüber aus. Tolle Bilder von letzter Woche gibt es HIER!!!!!

Da die Berichte aus unserem Nachbarland sich nicht gerade überschlagen, ist es vielleicht interessant, einen Vor Ort-Eindruck  der Vorkommnisse von letzter Woche zu veröffentlichen, der die Situation vom 19.10.2010 beschreibt:

„Die Situation ist komplex, die Beurteilung wird erschwert durch die veränderte Berichterstattung der Medien seit heute. Sie sind ganz offensichtlich von der Regierung an die Kandare genommen worden.
Waren noch bis gestern gelegentliche Kommentare der Journalisten und Nachrichtensprecher möglich, die im Interesse der Bevölkerung sprachen, so ist jetzt der europäische Einheitsbrei vorherrschend, wie z. B, in den deutschen Medien, wie bei BBC auf der Hauptseite veröffentlicht.
Die Regierung setzt – wie in USA beim Golfereignis – auf Verschleierung, Verzögerung und auf die Hoffnung, dass sich der Protest aushungern lässt, die streikenden Arbeiter verdienen ja nichts mehr, sie erhalten nichts von den Gewerkschaften. Bis jetzt haben einige schon mehr als 1/3 ihres Gehalts verloren.
Verschleierung: Alle Demonstranten berichten einhellig, dass die Teilnahme ungebrochen ist. Die Zahl der Teilnehmer an den Demonstrationen wird von Regierungsseite mit 1,1 Mio angegeben, von den Gewerkschaften mit 3Mio.
Es kam in mehreren Städten zu Ausschreitungen, am schlimmsten in Lyon, dort wurden Läden geplündert und Autos angezündet, es ging auch in Le Mans eine Schule in Flammen auf. Die Polizei spielt Katz und Maus mit den Schülern und hat nur ganz junge verhaftet, Minderjährige bis 13 Jahre, die nicht schnell genug flüchten konnten. 180.000 Schüler haben in ganz Frankreich demonstriert. Es wurde berichtet und auch im Film gezeigt, dass die ursprünglichen Ziele der Demonstrationen schon weit überschritten wurden, die Plakate zeigen überwiegend andere Themen: Die Menschen haben die Regierung satt!!! Es werden auf den Plakaten alle Probleme angesprochen.
Verzögerung: Die vorgesehene Verabschiedung der Gesetze im Senat, vorgesehen in 2 Tagen wird hinausgezögert, die Herrschenden hoffen, dass sich der Protest abschwächt. – Geldmangel bei den Streikenden, Unzufriedenheit wegen mangelnder Benzinversorgung etc…
ABER: Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung steht hinter den Streikenden, trotz zunehmender Unannehmlichkeiten. In den Medien kommen nur noch Unzufriedene zu Wort.
Bei den Demonstrationen der Schüler werden diese durch Gewerkschaftsangehörige vorn, hinten und seitlich vor der Polizei geschützt, nach dem Motto: Wir müssen unsere Jugend schützen !!!!
Heute wurde in 260 Städten demonstriert.
Wenn die Gesetze den Senat passiert haben werden bis jetzt 4 von 8 Gewerkschaften weiter streiken, die anderen beraten sich noch.
Heute sind 25% der Flüge ausgefallen, da auch die Fluglotsen teilweise teilnehmen. 1 von 3 Tankstellen im Land sind geschlossen, ca 2500. Es finden regelrechte Gefechte zwischen der Polizei und den blockierenden Arbeitern vor den Raffinerien und den Benzindepots statt. Die Polizei ist durch CRS, d.h. kasernierte Bereitschaftspolizei ersetzt, die schwerbewaffnet mit MP und wahrer Kriegsmontur auf die Arbeiter losgehen: Wie 1968!! Teile der strategischen Reserven sind frei gegeben worden, die Arbeiter haben gedroht, sie vermischen das Benzin mit Diesel. 5000 Tanklaster wurden von der Regierung beschlagnahmt und gezwungen, Benzin auszuliefern. Es finden regelrechte Schlachten an den Zugängen zu den Depots statt. Die Lage ist ganz unübersichtlich, da die CRS die Zugänge auch für Berichterstatter sperrt. Wir erhalten also nicht mehr volle Informationen.
Die Zugänge zu den Flughäfen werden von den Lastwagenfahrern durch Langsamfahren blockiert, ebenso zu einigen Industriegebieten.
Die Industrie ist auch schon betroffen, viele Betriebe haben Verlangsamung der Produktion angekündigt – Kurzarbeit gibt es in Frankreich nicht. Die Versorgung mit Nachschub und Benzin stockt. Die Müllabfuhr in Marseille streikt schon seit 1 Woche. Marseille erstickt in Bergen von Müll, die Bilder sind schrecklich.
Wenn es so weitergeht, kann die Regierung die Tatsachen nicht mehr verschleiern. Dann sprechen die Fakten gegen die Lügen.
Es bleibt spannend.
Hoffentlich halten die Streikenden durch.
Liebe Grüße aus einem starken Land
Quelle: AbundantHope Deutschland

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