„Schuhwerfer von Bagdad“ erhebt Foltervorwürfe: ARD-Exclusivinterview wird zurückgehalten

Gestern nachmittag (13.10.2010) wurde folgender ARD-rss-feed zensiert, was natürlich neugierig macht:

Der als “Schuhwerfer von Bagdad” bekannt gewordene irakische Journalist Muntaser al Saidi hat nach seiner Freilassung schwere Vorwürfe erhoben. Er sei mit Elektroschocks, Schlägen und Waterboarding gefoltert worden. Sein Bruder Durgham sagte gegenüber der ARD, diese Aussagen gefährdeten seine Sicherheit. [mehr] Informationen gibt es derzeit nicht, da die Seite gleich nach Erscheinen am 13.10.2010 zensiert wurde. Da Muntaser (arabisch: „der Sieger“) kurz nach seiner Freilassung ankündigte, BEWEISE über „Folterbesuche“ von Spitzenpolitikern und Militärs vorzulegen, deutet die Sperrung des ARD-Interviews den Zusammenhang an…

Die „Fehler404“-Allerwelts-Begründung der ARD, die mit unseren Gebühren geschaffenen Inhalte gelöscht haben zu müssen, ist fadenscheinig (nichts wird gelöscht) und betrügerisch!

Was bisher geschah:

Dies ist dein Abschiedskuss, du Hund!“, rief der 29-jährige Journalist Muntaser al-Saidi, als er am 14.12.2008 seinen Schuh nach George W. Bush warf, ihn dabei aber verfehlte.
VERHAFTUNG:
Unmittelbar bei seiner Festnahme war Al Saidi von den Sicherheitsbehörden schwer verletzt worden. Muntaser al Saidi habe sich (?) einen Arm und mehrere Rippen gebrochen, sagte sein Bruder, der 32-jährige Durgham, der Nachrichtenagentur AFP. Zudem habe der Bush-Angreifer Verletzungen an einem Auge und an einem Bein erlitten. Als al-Saidi vom Ort des Angriffs abgeführt worden war, waren dort Blutspuren zu sehen.
Er werde von Sicherheitskräften des nationalen irakischen Sicherheitsberaters Muaffak el Rubai in der „Grünen Zone“ in Bagdad gefangen gehalten, sagte sein Bruder Durgham wenige Tage später. Rubai selbst wollte damals zu den Aussagen keine Stellung nehmen.
15. September 2009 ENTLASSUNG:
Nach seiner Freilassung 9 Monate später berichtet der Schuhwerfer, im Gefängnis gefoltert worden zu sein. „Während Ministerpräsident Nuri el-Maliki auf allen Kanälen behauptet hat, er könne nicht schlafen, solange er nicht wegen meines Schicksals beruhigt worden sei, wurde ich auf das Schlimmste gefoltert“, sagte Saidi bei einer Pressekonferenz. Er sei während der neunmonatigen Haft mit Stromkabeln und Eisenstangen geschlagen worden, berichtete der 30-Jährige. Seine Bewacher hätten ihn auch ins Wasser getaucht und das Ertrinken simuliert. Zudem sei er an Orten festgekettet gewesen, an denen er der Kälte ausgesetzt gewesen sei, sagte al-Saidi. Weiter kündigte Muntaser al-Saidi an, Namen von irakischen Spitzenpolitikern und Militärs zu nennen, die ihm während seiner Zeit im Gefängnis «Folterbesuche» abgestattet hätten. Er verfüge über Beweise hierfür. Der irakische Regierungschef Maliki müsse sich bei ihm entschuldigen, weil dieser die Wahrheit über seine Haftbedingungen vertuscht habe.
Vor seiner Rückkehr nach Hause wolle Muntaser al Saidi noch bei seinem Arbeitgeber, dem Fernsehsender Bagdadia, vorbeischauen, sagte sein Bruder Udai al-Saidi. Der Privatsender mit Sitz im ägyptischen Kairo hatte dem nun 30-Jährigen sein Gehalt auch während der Haft weitergezahlt. Als Belohnung für die Berühmtheit, die er auch dem Sender einbrachte, kann al-Saidi nun von der spärlichen Gefängniszelle des Bagdader Mathana-Gefängnisses sogar mit brandneuem Auto direkt in ein ebenfalls neues Haus mit vier Schlafzimmern ziehen. Beides schenkte ihm der Chef des Fernsehsenders al-Baghdadia, für den al-Saidi arbeitete. Laut seinem Bruder will Muntasar Al Saidi aber künftig nicht mehr dort arbeiten. Mit den Spenden seiner Bewunderer wolle er ein Zentrum für Witwen und Waisen gründen.
In diesem Zusammenhang sei auch die Rote Hilfe Greifswald genannt, auf die ich bei den Recherchen zum tapferen Schuhwerfer stiess.

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