in Frankreich steppt der Bär: Meldungen a la carte

Heute wurden in Frankreich von 6 Großverbänden für den 28. Oktober und den 6. November zwei weitere landesweite Streiktage angekündigt.
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Paris:
Am Mittwoch wirkte Frankreich vom Happy End einer besänftigten, freudig bis 62 Jahre arbeitenden Nation noch weit entfernt. Innenminister Hortefeux hatte am Vormittag gerade Zeit, ein martialisches „Wir werden so viele Depots wie nötig räumen“ in die Fernsehmikrophone im Innenhof des Elysée-Palastes zu rufen. Dann musste er schon zum nächsten Brennpunkt fliegen, in die Innenstadt von
Lyon:
wo Krawallmacher Autos angezündet, Mülltonnen und Laternenpfähle umgestürzt und Polizeikräfte mit Steinen und Flaschen beworfen hatten. Der öffentliche Nahverkehr in der schmucken Handelsmetropole wurde vorsorglich unterbrochen. In
Marseille:
liegen mittlerweile 7000 Tonnen Müll auf den Straßen der südfranzösischen Stadt. Aber nicht nur die Straßen sind dicht, auch der Hafen und der Flughafen werden immer wieder blockiert. Geschäftsleute und Touristen müssen dann ihre Koffer kilometerweit tragen, um zum Terminal zu kommen. In
Nantes und Clermont-Ferrand:
blockierten protestierende Bürger die Flughäfen, bis sie von den Ordnungshütern weggeschleppt wurden. Am Pariser Flughafen Orly fiel wegen Arbeitsniederlegungen ein Viertel aller Flüge aus. Etwa ein Drittel der 12 500 französischen Tankstellen haben ihren Betrieb mangels Treibstoffnachschubs einschränken müssen. Der Bahnverkehr im Inland bleibt gestört, während die Verbindungen nach Deutschland am Mittwoch weitgehend nach Plan liefen. „Operation Schnecke“ nennen LKW-Fahrer ihre Protestaktionen auf Autobahnen in allen Landesteilen. Dabei blockieren sie mit ihren Lastwagen Autobahnzubringer oder Ein- und Ausfahrten, bis sich lange Staus bilden, am liebsten während des Berufsverkehrs. Schüler und Studenten haben für Freitag einen neuen „Protesttag“ angekündigt.
Vier Jahrzehnte schuften für 1000 Euro Rente?
Die meisten Bürger sind mit den streikenden Müllmännern einer Meinung. Diese protestieren gegen die Rentenreform, die sie verpflichtet, ihren Knochenjob zwei Jahre länger zu machen. Obwohl sie früher angefangen haben zu arbeiten, als die meisten Menschen mit Bürojobs.
„Die Regierung beruhigt uns, sie würden die Renten sichern. Wir haben meistens 42, 43 Jahre lang eingezahlt – um dann weniger als 1000 Euro Rente zu bekommen. Und jetzt sollen wir für das Geld noch zwei Jahre länger arbeiten? Das ist inakzeptabel“, gibt sich einer der Müllarbeiter kämpferisch.
Mehrheit heißt Proteste gut
Es zählt zum eigenwilligen Naturell der Franzosen, die auch 2005 den europäischen Verfassungsvertrag ablehnten, sich gerade nicht dem Anpassungsdruck beugen zu wollen. Von ihrem Präsidenten erwarten viele, sie vor den Stürmen der wirtschaftlichen und finanziellen Globalisierung zu schützen.
Das mag erklären, warum trotz aller Störungen im Alltag 67 Prozent der Franzosen die Proteste gutheißen und 79 Prozent neue Verhandlungen über die Rentenreform wünschen. Das hatte eine Umfrage des Instituts Viavoice am Mittwoch herausgefunden.
Hier nun einige Videos der letzten Tage:
Video Lyon
Video Tankstellen
Video Marseille
Video mit Sarkozy
Video Strassenschlacht Lyon

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