„Makrobiotik“: Beginn therapeutischer Teil (Seiten 114-115)

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IV.
Therapeutischer Teil
oder
von der heilenden Behandlung
Wir haben im pathologischen Abschnitt charakteristische Affektionen besprochen, die sich in ausgeprägter Weise als Entmischungen des Bluteiweiß, des Lymphsaftes und des Leimstoffs, sowie als gestörte Nervenfunktion zu erkennen geben und haben in allen diesen Fällen die Verminderung des normalen elektrischen Fluidums als die eigentliche, zur Erkrankung führende Ursache nachgewiesen. Insofern nun Bluteiweiß, Leimstoff, Lymphe und Nervensubstanz in chemischer Hinsicht mit einander viel Gemeinsames haben und sowohl in physiologischer wie in anatomischer Hinsicht eins in das andere übergehen, ist es einleuchtend, dass es Krankheitszustände geben wird, an denen sämtliche Körper-Regionen, wenn auch in verschiedenem Grade, beteiligt erscheinen; und da infolge dessen das Krankheitsbild mannigfach variiert, so ist daraus die über Jahrtausende währende Täuschung erklärlich, dass man es mit ebensoviel besonderen Krankheiten zu tun zu haben glaubt, als das Krankheitsbild Modifikationen aufweist.
Eine sehr häufig gehörte Rede ist die: „Ich weiß noch nicht, welche Krankheit sich hier entwickeln wird.“ Infolge dessen geht viel Zeit verloren, die benutzt werden könnte, um die chemischen Zersetzungsprozesse, die sich angesponnen haben, zum Stillstand zu bringen. Denn es ist klar, dass eine chemische Bewegung, einmal begonnen, nicht von selbst aufhört, sondern auf weitere Bezirke übergreift, wenn ihr dazu genug Zeit gelassen wird. Dieser Umstand, dass auch eine chemische Bewegung Zeit in Anspruch nimmt, ist von besonderer Wichtigkeit für die Heilkunde. Es handelt sich darum, dass man schnell genug eingreife, um chemische Zersetzungen, gleichviel auf welchem Gebiet, nicht aufkommen zu lassen. Zu diesem Zweck gibt es zwei Universalarzneien, die dem größten Teil aller akut auftretenden Affektionen eine weitere Ausbreitung unmöglich machen, nämlich Essig und Glaubersalz. Eine Abreibung des gesamten Körpers mit gewöhnlichem Speiseessig verleiht der ganzen Haut samt den darin auslaufenden Nervenspitzen neue Elektrizität. Andererseits bewirkt eine Auflösung von 5 Gramm Glaubersalz nebst 5 Gramm Kochsalz in 1 Liter Wasser, als Getränk benutzt, dass bei den sogenannten Entzündungskrankheiten die chemischen Zersetzungen, welche sich anspinnen, zum Stillstand kommen und zugleich, da alle Salze elektrisierend wirken, das elektrische Fluidum, statt zu entschwinden, einen erheblichen Zuwachs erfährt. Die chemische Erklärung hierfür ist sehr einfach, nämlich folgende:
In der Muskelfleischsubstanz Kreatin findet sich, wie wir gesehen haben, Sarkosin oder Kohlenwasserstoff-Leimzucker intramolekular enthalten; das Gleiche ist in dem Leucin und Tyrosin, aus denen Chylus, beziehungsweise Lymphe entsteht der Fall und natürlich auch im Leimstoff des Blutes. Nun besitzt Leimzucker (COO, CHH, NHHH) die chemische Eigenschaft, sich mit Salzen, z.B. mit Glaubersalz (schwefelsaurem Natron), zu vereinigen, indem das Natron des Glaubersalzes sich an die Kohlensäure des Leimzuckers, die Schwefelsäure dagegen an dessen Ammoniak anlegt. Hierdurch wird sozusagen eine doppelte Verankerung des Leimzuckers in’s Werk gesetzt, von welcher die den Leimzucker enthaltende Gruppe Nutzen zieht, indem sie nunmehr dem Zerfall entzogen ist.
Noch besser als Glaubersalz und Kochsalz wirkt eine Salzmischung, die den Salzbestaudteilen des Blutes genau nachgebildet ist und außer Kochsalz und Glaubersalz noch schwefelsaures Kali und phosphorsaures Natron enthält. Alle diese Salze vereinigen ihre Wirkung, sich chemisch zu verbinden mit dem Leirnzucker der Körperbestandteile, wie auch mit dem zum Leimzucker in Verwandtschaftsverhältnis stehenden Harnstoff, der gleichfalls in den Fleischbasen Kreatin, Sarkin, Xanthin usw. vorgebildet existiert. Durch solche natürlichen Blutsalze wird die Fleischsubstanz vor Fäulnis und Verwesung, d.h. vor chemischem Zerfall beschützt.
Eine dem Salzgehalt des gesunden Blutes getreu nachgebildete Salzmischung nenne ich Physiologische Salze*), und eine Auflösung von 8 Gramm derselben in 1 Liter Wasser nenne ich weiterhin stets einfach physiologisches Salzwasser.
Durch das Trinken von solchem physiologischen Salzwasser, da dasselbe dem salzigen Blutserum entspricht, erzielt man auf die naturgemäßeste Weise eine rationelle Blut-Transfusion, denn dies Salzwasser wird ja im Darm von den Lymphgefäßen aufgesogen und von diesen allmählich in’s Blut übergeführt. Indem die Lymphe dadurch sofort elektrisiert und gegen chemische Zersetzung widerstandsfähig gemacht wird, kommt dies dem gesamten Organismus zugute, denn das elektrische Fluidum geht, fortgeleitet von den Wandungen der Chylusgefäße des Darmes, auf den gesamten Organismus über, sodass der belebende Erfolg des physiologischen Salzwassers auf den Patienten unmittelbar verspürbar ist. Und da dieses schwache Salzwasser dem Körper nicht das geringste Fremdartige zuführt, sondern vielmehr das, was ihm dringend nötig ist, weil binnen 24 Stunden mit der Harnausscheidung mindestens 8 Gramm der Blutsalze als Rest der oxidierenden Atmung den Organismus verlassen und folglich wieder ersetzt werden müssen, wenn die Intensität des elektrischen Fluidums sich nicht vermindern soll, so ist ein solches stärkendes Getränk für jedweden Zustand anwendbar.
Wenn wir nun erkennen werden, dass die zahlreichsten sogenannten Krankheitszustände entweder nur Abarten der schon besprochenen darstellen oder sogar nur vereinzelte Symptome bedeuten, so vereinfacht sich das allgemeine Heilverfahren in allen Fällen zu dem Bemühen, diejenigen Elektrizität erzeugenden Faktoren in Betrieb zu setzen, welche, sei es einzeln oder vereinigt, für die spezielle Affektion nach physiologischer Erkenntnis den gewünschten Erfolg haben können.
Nachdem ich nun alles Wichtige vorweggenommen, scheint es mir zweckmäßig, bei Besprechung der mit besonderen Namen belegten Affektionen, Pathologie und Therapie in diesem Abschnitt als zusammengehörig zu behandeln.
*) „Physiologische Salze“ sind in grünen Blechdöschen á 125 gr. zum Preise von 1 Mark in Apotheken und Drogerien erhältlich. Da viele Nachahmungen hergestellt werden (auf Grund einer vor ca. 20 Jahren von mir veröffentlichten, aber längst nicht mehr als zweckmäßig befundenen Vorschrift), so achte man beim Einkauf stets auf meine Schutzmarke:  Julius Hensel.


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