die Chemie

Dr. Julius Hensel, „Das Leben“, ab Seite 388:
…Die Chemie ist die gute Fee, die still und geräuschlos daran arbeitet, den verödeten Garten des Paradieses neu zu bepflanzen. Schon seit 100 Jahren weilt sie in unserer Mitte; aber nur wenige haben auf sie geachtet, weil sie nicht in prunkendem Gewand, nicht als Gebieterin einherschreitet, wie z.B. die Medizin, die da sagt: Ich bin die Königin der Wissenschaften; und auch nicht wie die Differential- und Integralrechnung, die gleichfalls sagt: die Mathematik ist die Königin der Wissenschaften; auch nicht wie die Astronomie, die zum dritten Mal sagt: Ich bin die Königin der Wissenschaften. Die Herrscherrolle kann nun einmal nicht Allen zuteil werden, denn:
„Ich Herr, Herr du,
Wer putzt uns dann die Schuh?“
Die Chemie kommt nicht als Herrscherin; sie will nur eine Heilerin und treue Freundin sein in jeder Lebenslage; stets bereit den Weg zu zeigen oder suchen zu helfen und tatkräftig einzugreifen, wo es die Not erfordert und wo man sie nicht verblendet zurückstößt.
Chemische Kenntnisse sind ein Mittel, um mit wenig Kosten glücklich zu sein.
Und wie leicht und angenehm sind diese Kenntnisse zu erlangen. Wie schnell lernt man die Eigenschaften des Schwefels, Phosphors, Stickstoffs und Chlors, des Kohlenstoffs, Wasserstoffs und Sauerstoffs und des Kaliums kennen! — Das ist fast, alles, was man braucht. Alles übrige ist nur Analogie und Kombination.
Chemie ist leichter zu lernen als beispielsweise die Noten des Klaviers.
Erst von da ab, wo wir mit den wichtigsten chemischen Grundlagen so vertraut sind wie mit dem ABC und dem Einmaleins, kann sie uns das wichtige Hilfsmittel zur irdischen Glückseligkeit sein, zu dem sie berufen ist; kann sie dem „Kampf im Finstern“ ein Ende machen, der gegenwärtig mit soviel Hass und Wut gekämpft wird.
Auch bei der Beurteilung unserer Gedanken und Handlungen ist die Kenntnis der chemischen und physiologischen Vorgänge das allerwichtigste Fundament, ohne welches keine Klarheit herrschen kann. Möge der Leser sich hierüber sein eigenes Urteil bilden, indem wir einige Streiflichter werfen auf Seelenzustände und Handlungen, die, wie mir scheint, von allgemeinem Interesse sind.
Fortsetzung folgt…

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