„Das Leben“ zum Thema Kartoffelbau

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— Kartoffelbau —


Man ist durchschnittlich gewohnt, die Kartoffeln als ein sehr armes Nahrungsmittel anzusehen, aber ganz so armselig wie man glaubt, sind sie nicht. Dafür, dass die Knollen nur wenig ammoniakalisches Eiweiß enthalten und folglich nicht Fleisch bilden können, enthalten sie genug Erden-Eiweiß als Material zur Bildung von Knochen und Nervenöl. Denn im Stärkemehl stecken, an Erden gebunden, die Kohlenwasserstoffe, welche Öl bilden; und der Zellstoff der Knollen enthält Phosphorsäure, Schwefelsäure, Salzsäure und Kieselsäure, Kali, Kalk, Natron und Magnesium, folglich Knochen- und Blutsalze, und zwar in folgenden Verhältnissen der Aschenbestandteile:
Kali 56, Natron 1, Kalk 2, Magnesium 4.
Phosphorsäure 18, Kieselsäure 2, Salzsäure 3, Schwefelsäure 6.
Ganz anders, ja in gewisser Beziehung vollständig umgekehrt, verhält sich die Asche, welche das Kraut der Kartoffeln liefert. Da finden wir folgende Verhältnisse:
Kali 7, Natron 1, Kalk 55, Magnesium 27.
Phosphorsäure 6, Kieselsäure 5, Salzsäure 1, Schwefelsäure 6.
Wie deutlich tritt hier das Trennungsbestreben zwischen Kali einerseits und Kalk und Magnesium andererseits hervor,
Kalkerde und Magnesium werden, aus ihren Auflösungen mit Säuren, durch Kali niedergeschlagen, d. h. vom Kali soweit als möglich zu entfernen gesucht, wenn Wasser mitwirkt. Demgemäß finden wir in den Knollen viel Kali-Zellulose und zugleich viel phosphorsaures Kali neben nur wenig schwefelsaurem Kalk und Magnesium. Dagegen enthält das Kraut viel Kalkerde- und Magnesium-Zellulose bei nur wenig phosphorsaurem Kali und relativ viel schwefelsaurem Kalk.
Durch solchen ersichtlichen Gegensatz zwischen Alkali-Zellulose in den Knollen und Erden-Zellulose im Kraut ist das Gedeihen der Kartoffeln bedingt und daher ist die Missgunst, mit der mancher das Kraut emporschießen sieht, weil er der irrigen Meinung ist, dass die Kraft hineingehe, durchaus unbegründet. Je mehr Kraut über der Erde, desto mehr Knollen unter der Erde. Es stehen eben Kraut und Knollen zu einander in ähnlichem konstanten Verhältnis wie der Knorpel zur Knochenerde und wie das Eiweiß zum Eigelb.
Wie nun die aufgezählten Aschenbestandteile der Kartoffel erkennen lassen, so bedürfen sie eine ziemlich bedeutende Menge schwefelsaures Protein, welches innerhalb des Krautes dem phosphorsauren Protein ungefähr das Gleichgewicht hält, im Durchschnitt aber zu dem phosphorsauren Protein wie 12 : 24 steht.
Wenn wir nun aus den Analysen der Aschenbestandteile von Schwamm-Pilzen, wie schon mehrfach erwähnt, die Tatsache ermitteln, dass nie fast ausschließlich phosphorsaure und geringe Mengen salzsaurer, aber kaum schwache Spuren von schwefelsauren Erden enthalten; und wenn wir ferner die Beobachtung machen, dass die Schwamm-Pilze in Berührung mit schwefelsauren Erden zugrunde gehen, so ist auch in diesem Falle die Schlussfolgerung naheliegend, wenn das Kartoffelknollen-Protein in nassen Sommern eine Metamorphose zu Schwamm-Protein (Peronospora) erleidet (welches nach dem Muster des zerstörenden Hausschwamms und des Mutterkorn-Pilzes auf phosphorsauren Erden beruht), dass unter solchen Umständen das schwefelsaure Magnesium der Knollen durch den anhaltenden Regen teilweise ausgewaschen ward und das Schwamm-Mycelium sich in dem Maße ausbreitete als die Gegenspannung der Sulfate sich verminderte.
Übrigens liegt ein mitwirkender Faktor für die Verschiebung von Kartoffel-Protoplasma zu Peronospora-Protoplasma in der verminderten Sonnen-Spannkraft.
Wie je nach dem Wechsel der Temperatur eine Umschiebung von Eisenvitriol und Kochsalz zu Eisenchlorür und Glaubersalz, oder auch umgekehrt, stattfindet, so können auch phosphorsaures Magnesium und schwefelsaurer Kalk bei reichlich Wasser und niedriger Temperatur eine Umsetzung zu schwefelsaurem Magnesium und phosphorsaurem Kalk erleiden; die erstere, als leicht lösliches Salz, geht dann für die Protoplasma-Mischung durch Exosmose leicht verloren.
Dass die Kartoffel-Peronospora urgezeugt entsteht, geht daraus hervor, dass ihre Sporen im Winter die Keimkraft verlieren und nur das Trieblager übrig bleibt.
Da wir nun erkannt haben, dass die Spannkraft der Sonne auch durch die Spannkraft von Erden ersetzt werden kann, wenn es sich darum handelt, organischen Verbindungen ihre Haltbarkeit zu sichern, so werden wir mit Rücksicht darauf, dass in den Kartoffeln nebst ihrem Kraut die Sulfate eine hervorragende Rolle spielen, die Gewebe-Spannung des Kartoffel-Protoplasma auch für den Fall von langem Regenwetter einigermaßen dadurch sicherstellen können, dass wir dem Kartoffelacker, genau so wie dem Rebacker, eine genügende Menge Gips (schwefelsauren Kalk) beigeben. Aber solche Düngung mit Gips muss ebenfalls schon im Frühjahr, vor der Aussaat, geschehen; sonst kommt sie zu spät; jedenfalls hat auch für die Kartoffel-Krankheit das Sprichwort Geltung: „Ein Lot Vorbeugung ist wirksamer als zehn Pfund Kur“. Immerhin darf man sicher sein, die geernteten Kartoffeln gegen weiteres Umsichgreifen der Peronospora zu schützen, wenn man sie mit Gipsmehl bestreut.
Gips (schwefelsaurer Kalk) ist auch als ein Schutzmittel gegen den Coloradokäfer anzusehen, den die Kartoffelstaude in gleicher Weise erzeugt wie die Rebwurzel die Phylloxera. Man behauptet zwar von mehreren Seiten noch immer, der Coloradokäfer sei durch amerikanische Kartoffeln nach Deutschland „eingeschleppt“ worden, indessen waren zwei spezielle Fälle seines Vorkommens in Deutschland 1888 für die Urzeugung dieses Insekts beweisend. Der eine Fall wurde beobachtet auf der Markung Mahltisch, Kreis Torgau, der andere in Lohe bei Meppen (Westfalen). In beiden Fällen waren immer nur solche Kartoffeln „gesteckt“ worden, die seit langen Jahren selbstgezogen waren. Berücksichtigt man, dass das Territorium von Colorado mit Gebirgsgeröll der Rocky Mountains bedeckt ist, die im wesentlichen aus Porphyrgestein bestehen, in welchem nur wenig Schwefelverbindungen enthalten sind, so findet hieraus die Urzeugung des Käfers seine genügende Erklärung. Schwefel ist für das Insekten-Protoplasma Gift. Falls nun in bestimmten Bezirken immerfort Kartoffeln auf demselben Acker gebaut werden, so erschöpft sich allmählich der Boden an schwefelsaurem Kalk und Alkali; wenn nicht „rajohlt“ wird und auch nicht durch Düngung mit Gips Abhilfe erfolgt, so begünstigt dauernde Wärme und Trockenheit die Erzeugung des Protoplasma für den Kartoffelkäfer.
Ob man entweder Gips anwendet, oder kohlensauren Kalk nebst schwefelsaurem Magnesium (Kieserit), ist in der Wirkung gleich. Jedenfalls ist auch Magnesium für die Kartoffel als ein wichtiger Aschenbestandteil zu berücksichtigen.
Käme es darauf an, einen speziellen Dünger für Kartoffeln herzustellen, so würden, je nachdem ob Porphyr, Granit oder Gneis zur Verfügung steht, beispielsweise folgende Rezepte gut sein:
I.
Porphyr 100 Teile
Dolomit  10 Teile
Knochenmehl o. Phosphorit    10 Teile
Gips  10 Teile
II.
Porphyr 100 Teile
Kalkmergel  20 Teile
Knochenmehl  10 Teile
Kieserit  20 Teile
III.
Granit 100 Teile
Dolomit  10 Teile
Konchenmehl  10 Teile
Gips    5 Teile
Calciniertes Glaubersalz    5 Teile
IV.
Granit 100 Teile
Kalkmergel  20 Teile
Knochenmehl  10 Teile
Kieserit    5 Teile
Calciniertes Glaubersalz    5 Teile
V.
Gneis 100 Teile
Dolomit  15 Teile
Knochenmehl  10 Teile
Calcin, Glaubersalz  10 Teile
Eisenvitriol    5 Teile
VI.
Gneis 100 Teile
Kalkmergel  20 Teile
Knochenmehl  10 Teile
Kieserit  10 Teile
Calcin. Glaubersalz  10 Teile
Eisenvitriol    5 Teile

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Übrigens enthalten alle drei Urgesteinsarten (Porphyr, Granit und Gneis) samt deren Abarten (auch Syenit und Schiefer) stets gewisse Mengen von phosphorsauror Kalk- oder Tonerde, gewöhnlich in den Gesteinen fein zerteilt) aber zuweilen findet sich sogar phosphorsaurer Kalk nebst Fluorcalcium (Apatit) aus den Gesteinsglasflüssen herauskristallisiert, so z.B. aus dem Gneis zu Hals bei Freiberg und aus dem Granit an der Einmündung des Sulzbächletals in das Kinzigtal, falls es sich darum handelt, des Beweises halber bestimmte Stellen anzugeben. Wie nun Fluorkalzium und phosphorsaurer Kalk für sich allein zu Glasfluss schmelzbar sind, so bilden sie auch Bestandteile der kieselsauren Glasflüsse der Urgesteine. Aus diesem Grunde ist bei Verwendung von Gebirgsmehl zu Düngerzwecken der Zusatz von Knochenmehl für die meisten Bodenarten entbehrlich, um so mehr, wenn Jahre lang hintereinander Thomasschlackenmehl auf die Äcker gebracht wurde.

Der Zusatz von Eisenvitriol (schwefelsaurem Eisen) bei Anwendung von Gneis rechtfertigt sich durch den Mangel des letzteren an Eisen, während die Porphyr- und Granitarten genügend Eisen enthalten.

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