„Das Leben“: von Keimen und der Erschaffung der Welt

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Seiten: 168 – 171

Keime! — Weiter bedürfen wir nichts. Denn dass sich aus kugeligen, eiförmigen (oder auch polyedrischen) Keimen Pflanzen und Tiere durch Heraus- und Heranwachsen entwickeln, ist ja eine tägliche Beobachtung.
Da wir nun sehen, dass auf andere Weise als durch die Mitwirkung von Wasser jene Art regelmäßiger Schichtung, die wir organisches Wachstum nennen, auch jetzt niemals stattfindet, und da ursprünglich fast die ganze Erdrinde mit Wasser bedeckt war, so kann bei dem Reichtum an Material, das im Wasser zusammentraf, und bei der Beweglichkeit des Mediums, das mit jedem Wellenschlag neue Kombinationen zu Stande brachte, für den ersten Schöpfungstag der Tierwelt eine andere Geburtsstätte als das Meer nicht in Betracht kommen, wenn schon auf den Gebirgen, die durch die Produkte des Cyans und durch Wasserdünste befruchtet wurden, Bäume, Gräser und Kräuter entstehen konnten.
Folglich ist die Mosaische Schöpfungsgeschichte im Allgemeinen richtig. Überzeugen wir uns davon!
Erster Tag: Die Erde begann zu rotieren und es wechselte nun Tag und Nacht.
(Moses: — Da schied Gott das Licht von der Finsternis. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.)
Zweiter Tag: Die feste Gesteinsrinde der Erde mit Sand und Schlamm sonderte sich infolge der Rotation von dem Meerwasser ab.
(Moses: — Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern! — Und es geschah also. Da ward aus Abend und Morgen der andere Tag.)
Dritter Tag: Auf den Gebirgen und auf flachen Ebenen keimten im Dämmer der wasserdunstbeladenen Atmosphäre Farnkräuter, Sagopalmen und Schachtelhalmwälder.
(Moses: — Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut und fruchtbare Bäume. Und es geschah also. Da ward aus Abend und Morgen der dritte Tag.)
Vierter Tag: Die Sonne durchbrach siegreich den Nebel.
(Moses. — Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels! Und es geschah also. Da ward aus Abend und Morgen der vierte Tag.)
Fünfter Tag: Schöpfung der gesamten Tierwelt außer den Landsäugetieren und Parasiten.
(Moses: — Und Gott sprach: Es errege sich das Wasser mit webenden und lebendigen Tieren und mit Gevögel, das auf Erden unter der Feste des Himmels fliege. Und Gott schuf große Walfische und allerlei Tier, das da lebt und webt, und allerlei gefiedertes Gevögel. Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag.)
Sechster Tag: Die Landsäugetiere, der Mensch und die Insekten erscheinen auf der Bildfläche.
(Moses. — Und Gott sprach: die Erde bringe hervor lebendige Tiere. Und Gott machte die Tiere auf Erden und das Vieh und Gewürm. Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriechet. Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn, und er schuf sie, Männlein und Fräulein. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.)
Siebenter Tag: Die Erde ist feiertäglich geschmückt, Tisch und Tafel gedeckt und Alles zum Genuss bereit.
(Moses 2. Buch Kap.12. V.16. Der erste Tag soll heilig sein, dass ihr zusammenkommt; und der siebente Tag soll auch heilig sein, dass ihr zusammenkommt. Keine Arbeit sollt ihr darinnen tun, ohne was zur Speise gehört für allerlei Seelen. Dasselbe allein möget ihr für euch tun.)
In dieser Zeit des siebenten Tages lebt jetzt ein gewisser Teil der Fachgelehrten auf dem Gebiet der Naturwissenschaft. Es wird ihrerseits jede produktive Tätigkeit verschmäht. Unter anderem beschäftigen sich einige Physiologen damit, durch klavierähnliche Sprechmaschinen die menschliche Stimme nachzuahmen, galoppierende Pferdefüße zu fotografieren und den menschlichen Gang zu definieren als ständiges Hinüberfallen aus der Kathetenstellung in die Hypothenusenstellung und aus der Hypothenuse in die Kathete. Kein Zweifel, dass es Menschen gibt, die auf solche Weise durch’s Leben stolpern, aber darf man das als allgemeine Regel hinstellen?
Da nun einmal die Fachgelehrten auf physiologischem und auf manchem anderen Gebiet Feiertag halten, so gibt es auch einige unter ihnen, welche behaupten, man könne ganz gut ohne Gott fertig werden. Manche Menschen können nun einmal den lieben Sonntag nicht wüst genug zubringen.

Indessen: auch solch ein Sonntag geht zu Ende. Nun fängt die Woche wieder von vorn an und Gott fährt zu wirken fort.
Wie trostlos, wie öde nehmen sich im Kontrast zu der herrlichen Mosaischen Schöpfungsgeschichte die Kosmologien unserer Neueren aus. Um des Vergleichens willen mögen die Anschauungen von Kant, Laplace und Darwin hier kurz berührt werden.
Kant und Laplace sagen: Im Anfang war ein Nebel! — Dieser Nebel fing an zu wallen und sich zu drehen, immer schneller, immer schneller, bis er zuletzt andere Nebel abschleuderte, die es ebenso machten. So entstand die Welt.
Man hat sogar Apparate konstruiert, um die Sache „ad oculos“ zu demonstrieren, indem man Ölkugeln, in einer Mischung aus Weingeist und Wasser schwimmend und in einem Drahtring hängend, mittels einer Kurbel in Rotation setzte und dann allerdings die Genugtuung hatte, zahlreiche kleinere Ölkugeln von der größeren sich loslösen und rotieren zu sehen.
Von dieser Hypothese kann man nur sagen: Wie der Anfang, so das Ende. Die Hypothese fängt mit Nebel an und hört mit Nebel auf, denn über diesen Nebel ist ein Teil der Fachgelehrten noch immer nicht hinausgekommen. Besonders hüllen sie sich in Nebel darüber, wer und was den Urnebel geliefert und wer ihn mit der Kurbel gedreht habe. Sie springen ohne weiteres in diesen Nebel hinein, aus dem Keiner mehr herausfindet, der einmal hineingeraten ist. Kant fügt noch hinzu: „Mit der Unendlichkeit von Raum und Zeit ist es besser, sich nicht zu befassen; das sind Dinge, die unserer Erfahrung nicht zugänglich sind, folglich überschreitet unsere Vernunft ihre Befugnis, sobald sie dieses Gebiet betritt; die Begriffe Zeit und Raum, weil sie keine Grenzen haben, gehen über unsere Fassungskraft hinaus, d. h. auf lateinisch: sie sind transzendental!“ —
Kant und Laplace haben im Vergleich zu Moses eine sehr dürftige Erklärung abgegeben, aber die von Dr. med. Charles Darwin ist doch noch dürftiger und um so weniger zu entschuldigen, als zu seiner Zeit die chemische Wissenschaft, deren Kant und Laplace noch entbehren mussten, bereits in voller Blüte stand. Darwin war eben ein Mediziner und es ist ein Unglück für die Welt, dass die Mediziner beinahe Alles mit dem anatomischen Messer ausmachen wollen und vor der lichtgebenden Chemie einen Abscheu an den Tag legen wie vor einem versteinernden Medusenhaupt. Nur so ist es zu erklären, dass gegenwärtig noch der englische Barbier Jenner, der vor 100 Jahren die Impfung aufbrachte, weil er von der heutigen Chemie nichts wissen konnte, zahlreiche Nachtreter hat, die ihm blindlings folgen wie die Kinder dem Rattenfänger von Hameln. Man hat Mühe zu glauben, dass wir uns dem zwanzigstem Jahrhundert nähern.
Darwin lässt, weil ihm chemische Kenntnisse nicht genügend zur Seite stehen, alles organische Leben uns einer ersten Urzelle sich entwickeln, über deren Entstehung er den Aufschluss schuldig bleibt.

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