Hensel´sche Atmungen

Auszug aus „Makrobiotik“: …. Darum ist auch bei der Behandlung Epileptischer für die Aufrechterhaltung der ordnungsmäßigen Blutbeschaffenheit und eines flotten Blutumlaufs selbst nach der scheinbaren Herstellung noch viele Monate lang Sorge zu tragen.
Den letzteren Zweck (flotten Blutumlauf) soll man, abgesehen von den Abreibungen mit Salzwasser, in allen chronischen Zuständen, auch durch systematische Atmung zu erreichen bestrebt bleiben, und zwar ist die Ausatmung der wichtigere Teil, auf den es ankommt. In dieser Hinsicht habe ich meinen Patienten einen kleinen Kunstgriff empfohlen, der eine Menge von Abarten der Zimmergymnastik an raschem Erfolg übertrifft und der sich in allen krampfartigen Zuständen bewährt. In Berlin ist das entsprechende Verfahren als „Hensel´sche Atmung“ in weiteren Kreisen bekannt. Man stellt sich hinter einen Stuhl, dessen Lehne man mit den Händen fasst und macht nun die sogenannte „Kniebeuge“, indem man dabei den Atem ausstößt. Nachdem dies geschehen, richtet man sich wieder auf, indem man die von selbst stattfindende Einatmung folgen lässt. Nunmehr ist zu spüren, dass statt der gewöhnlichen trägen Atmung ein lebhafteres Atemspiel stattfindet, wobei weit mehr Luft ausgeatmet als eingeatmet wird. Dies erklärt sich daraus, dass mit jeder Ausatmung nicht bloß der eingeatmete Stickstoff, sondern auch noch ein Teil von dem im Blut angehäuft gewesenen kohlensauren Gas entfernt wird, und zwar ganz besonders das im Venenblut der Eingeweide angesammelte kohlensaure Gas. Die Veranlassung hierzu ist der mechanische Druck, den bei der Kniebeuge, infolge Verkleinerung der Unterleibshöhle, die elastischen Därme auf die nachgiebigen Wandungen der starken Venenstämme ausüben. Die letzteren werden zusammengedrückt nach Art eines Gummischlauchs, mit dem Resultat, dass ihr Inhalt aufwärts gedrängt wird und seinen Weg durch die Pfortader in die aufsteigende Hohlvene (Vena cava asceneens), von dort zur rechten Herzhälfte und von dort nach den Lungen nimmt, wo nun eben das mitgebrachte kohlensaure Gas zur Ausströmung kommt. Jeder, der diese Atem-Turnübung praktisch durchführt, kann leicht wahrnehmen, wie nach dem Aufstehen von der Kniebeuge etwa 3 Aus- und Einatmungen von intensiverer Stärke als gewöhnlich auf einander folgen; erst dann geht der Atem wieder so ruhig wie vorher und nun lässt man eine zweite „Kniebeuge“ stattfinden, die das gleiche Resultat hat. Nachdem abermals die lebhaftere Atmung sich beruhigt hat, kann noch eine dritte „Kniebeuge“ gemacht werden und damit ist die Übung beendigt; denn inzwischen sind zwei Minuten verflossen und binnen dieser Zeit ist das gesamte Unterleibsblut erneuert worden, da für das nach oben gedrängte Blutmaterial neues sauerstoffreiches an die Stelle getreten. Dies folgt aus dem Blutkreislauf, wonach das Herzblut, dem Gesetz der Schwere folgend, der Unterleibsschlagader zufließt, ans welcher es durch Zweigarterien zu Magen, Leber, Milz, Nieren und Gekröse gelangt, um von dort nach Abgabe des mitgebrachten Sauerstoffs in das Pfortader-System überzutreten, wo es im Falle ungenügender Atmung länger verweilt, als es für die physiologischen Zwecke ersprießlich ist. Je länger es nun mit den Unterleibsnerven in Berührung bleibt, um so vollständiger gibt es an dieselben den von den Lungen mitgebrachten Sauerstoff ab und belädt sich an dessen Statt mehr und mehr mit dem durch Oxidation entstandenen kohlensauren Gas, welches die weitere Nerventätigkeit beeinträchtigt und namentlich eine unvollkommene Hebung und Senkung des Zwerchfells im Gefolge hat, welchem Umstand die Stockungen im Gebiet des Pfortadersystems zu verdanken sind, die das eine Mal als Magenkrampf, das andere Mal als Darmkolik oder als Gallensteinkolik, in noch anderen Fällen als hysterische Krämpfe in die Erscheinung treten, ja wenn die Blutstauungen so weit gehen, dass sich nahezu alles Blut vorübergehend in dem geräumigen Venensystem des Unterleibs ansammelt, zu jener Funktionsstörung des cerebrospinalen Nervensystems führen, die sich als Epilepsie charakterisiert. Nach dieser Erkenntnis muss gegen Überfüllung des Pfortadersystems mit Blut zielbewusst Sorge getragen werden, und die beschriebene methodische Ausatmung, etwa in zwei- bis dreistündigen Zwischenräumen wiederholt, vermag schon für sich allein die Wiederkehr der epileptischen Anfälle einzuschränken. Aber da diese Übungen doch nur bei Tage, im wachen Zustand, zur Ausführung kommen können, und erfahrungsgemäß die epileptischen Zustände häufig zur Nachtzeit oder morgens vor dem Erwachen eintreten, so finden wir, nach der Ursache forschend, die Veranlassung in der Überfüllung des Pfortadersystems mit stagnierendem Blut.

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