Das Leben – aus Kapitel Viehzucht

…..Mit dem Stickstoff machen wir es ebenso wie mit den Fäkalien. Wie wir von letzteren nur ein „Extrakt“ in Gestalt von Asche benötigen, so brauchen wir nicht den gesamten, für Pflanzenwachstum erforderlichen Stickstoff auf den Acker zu schaffen, sondern nur den „Keim“ dazu.

Sobald wir das Gersten- oder Roggen- oder Haferfeld abgemäht haben, säen wir in dichtem Wurf Wicken oder Erbsen; alsdann haben wir in deren Wurzeln und Kraut binnen kürzester Frist soviel Stickstoff wie die gesamte folgende Getreideart bedarf. Wir dürfen nur nicht so töricht sein, dass wir die Wicken abmähen und in die Scheune schaffen. Das würde nur unnütze Arbeit und Kosten verursachen, denn wir müssten nachher den Mist wieder auf den Wagen laden und auf die Felder zurückbringen. Gerade das ist es, was wir vermeiden wollten; der Stickstoff sollte von selbst auf den Acker kommen und das hat er in Form von Wicken- oder Erbsen- oder Raps- oder anderem Hülsenfrucht-Wachstum dienstfertig getan. Nunmehr wird das Gewachsene an Stelle von Mist untergepflügt und man könnte jetzt sagen, der Stickstoffgeist habe sich durch Vereinigung mit Erde, Wasser und Luft von selbst auf dem Acker eingestellt, ohne dass er als stinkender Leichnam mittels Mistfuhre schwerfällig hinausgefahren werden musste. Solche Gründüngung ersetzt in Bezug auf Erwärmung, Lockerung und Feuchthaltung des Bodens tatsächlich den Stallmist.

Nach diesem Rezept arbeiten praktisch schon seit langen Zeiten die Bauern im Dorfe Schaafheim bei Babenhausen-Aschaffenburg. Kunstdünger wird dort gar nicht und Stalldünger nur sehr wenig verwendet; dafür sind es denn auch wohlhabende Leute, weil sie das Geld, welches Andere für Chilesalpeter wegwerfen, in der Tasche behalten. Sie liefern uns zugleich den Beweis, dass man nicht zu dem Zweck Vieh zu halten braucht, um Dünger für den Getreidebau zu bekommen.
Vielmehr braucht es dazu nur der Aussaat von Wicken, Erbsen, Senf oder sonstigen Hülsenfrüchten, deren Samen ein ganzes Jahr am Leben und gesund bleiben, ohne dass man sie zu striegeln und zu füttern braucht, ohne dass sie die Luft verpesten und ohne dass man für sie einen Tierarzt zu holen braucht. Denn letztere Schattenseite der Viehzucht müssen wir ebenfalls noch besprechen.

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